Fliegen wird schöner: Airlines kaufen neue Jets

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Die steigenden Spritpreise zwingen die Fluggesellschaften zu Neuanschaffungen.

New York - Lange herrschte Stillstand in der Luft: Flugzeuge wurden nur immer älter, nicht bequemer. Doch die steigenden Spritpreise zwingen die Fluggesellschaften zu Neuanschaffungen. Die Passagiere profitieren davon.

Über diese Tankrechnung kann man sich wirklich ärgern: 6,3 Milliarden Dollar musste American Airlines in den ersten neun Monaten dieses Jahres für den Sprit ihrer gut 900 Flugzeuge ausgeben. Das war ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum, so stark war der Ölpreis gestiegen. Neue sparsamere Flugzeuge mussten her - und American Airlines bestellte auf einen Schlag 460 Maschinen. Es war der bis dahin größte Flugzeugauftrag aller Zeiten. Der Rivale Southwest Airlines, dessen Tankrechnung auf 4,2 Milliarden Dollar lautete, zog mit einer Order über immerhin 208 neue Jets nach.

Nachdem sich die Fluglinien lange um die Anschaffung neuer Maschinen gedrückt haben, ist im Jahr 2011 eine regelrechte Modernisierungswelle losgebrochen. Denn moderne Flugzeuge versprechen nach Angaben der Weltluftfahrt-Organisation IATA gegenüber der Vorgängergeneration eine Spritersparnis von 20 bis 30 Prozent. Beim europäischen Hersteller Airbus und seinem US-Erzrivalen Boeing quellen die Auftragsbücher über. Die Hersteller haben auf Jahre hinaus Arbeit - und Airbus-Chef Thomas Enders zeigte sich jüngst gar nicht böse darüber, dass sich 2012 die Bestellungen wohl normalisieren werden. Sonst käme die Firma mit der Produktion gar nicht hinterher.

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Die Passagiere dürften sich freuen: Die Zeit verschlissener Sitzpolster und ausgeleierter Kopfhörer-Buchsen neigt sich dem Ende entgegen. Moderne Flieger sind sogar vielfach mit kleinen Fernsehern an jedem Sitzplatz und drahtlosem Internet ausgestattet. Diejenigen Fluggäste, die in Boeings neuem Langstreckenjet 787 Dreamliner Platz nehmen, dürfen sich zudem über größere Fenster, weniger trockene Luft und einen angenehmeren Kabinendruck freuen. Kopfschmerzen, Müdigkeit und ein trockener Mund sollen damit beim Reisen über den Wolken der Vergangenheit angehören.

Möglich macht das eine neuartige Konstruktion aus leichten und stabilen Karbonfasern statt dem üblichen Aluminium. Das Material bereitete aber anfangs derart große Probleme, dass Boeing den Dreamliner mit mehr als drei Jahren Verspätung erstmals im September ausliefern konnte. Beim beliebten Kurz- und Mittelstreckenjet 737 geht Boeing einen anderen Weg: Der Verkaufsschlager wird lediglich grundlegend renoviert - unter anderem mit neuen Triebwerken - und als 737 Max ab 2017 ausgeliefert.

Airbus hatte die Richtung vorgegeben und damit Boeing unter Zugzwang gesetzt. Statt seinen Bestseller A320 durch einen Nachfolger zu ersetzen und damit hohe Risiken einzugehen, entscheiden sich die Europäer für eine effiziente Überarbeitung. Sparsamere Triebwerke und Flügelenden, die die spritfressenden Turbulenzen reduzieren, sorgten aus dem Stand für einen neuen Verkaufschlager.

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Airbus hatte sich bei seiner Entscheidung für eine Überarbeitung von den Erfahrungen mit seinem Hightech-Flieger A350 leiten lassen. Die Airbus-Antwort auf Boeings Dreamliner war ein gewagter moderner Entwurf, bei dem technologisch in vielfacher Hinsicht Neuland betreten wurde - mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen wie Kosten- und Fristüberschreitungen.

Doch die waghalsigen Neuentwürfe sind überlebenswichtig für die beiden großen Hersteller. Denn vor allem aus China droht Konkurrenz. Ab 2016 sollen die ersten chinesischen Mittelstreckenjets vom Typ C919 ausgeliefert. 200 Bestellungen meist von chinesischen Airlines liegen vor. Aber auch ausländische Linien sind interessiert.

Bei einem Besuch in Shanghai zeigte sich Ryanair-Chef Michael O'Leary beeindruckt vom Potenzial der Commercial Aircraft Corporation of China (Comac), die den Weltmarkt grundlegend verändern könne. Bei seinen Plänen für den Kauf von 200 bis 300 neuen Maschinen ab 2014 denkt der Billigflieger offenbar auch an die C919, die günstiger als Airbus oder Boeing sein soll. Chinas Zeitplan könnte aber zu ehrgeizig sein, weil schon der selbst entwickelte 90-sitzige Regionaljet ARJ21 um vier Jahre hinterherhinkt. Aber dass sich China langfristig zum Wettbewerber mausern wird, ist unstrittig.

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Sowohl Airbus als auch Boeing gehen in den kommenden 20 Jahren von einer massiv steigenden Nachfrage nach neuen Flugzeugen aus: Auf der einen Seite können sich immer mehr Menschen in Schwellenländern wie eben China das Reisen über den Wolken leisten, auf der anderen Seite müssen in Industriestaaten ältere Maschinen ersetzt werden.

Im traditionell größten Luftfahrtmarkt der Welt, den USA, lag das Durchschnittsalter der Jets bei den großen Gesellschaften 1993 noch bei 10,4 Jahren; 2008 waren es schon 12,6 Jahre, wie aus einer Erhebung des US-Verkehrsministeriums hervorgeht. Bei American Airlines etwa bildet bis heute Boeings MD-80 das Rückgrat der Flotte. Das Modell wird schon nicht mehr produziert. Die hohen Betriebskosten sind ein Grund dafür, warum American Airlines sich vor einigen Wochen in den Gläubigerschutz geflüchtet hat - und für den geplanten Neustart sehnsüchtig auf die bestellten modernen Flieger wartet. Der Rivale Delta Airlines fliegt nach eigener Auskunft sogar noch den Vorgängertyp DC-9. Durchschnittsalter: 33 Jahre.

dpa

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