Experte: An Verkehrsunfälle denken Touristen selten

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Crash auf der Ferienfahrt: SOS International muss häufig bei Verkehrsunfällen helfen. Foto: ADAC

Berlin (dpa/tmn) - An Malaria und andere Krankheiten denken fast alle, bevor sie nach Südostasien oder Afrika reisen. Verkehrsunfälle sind dagegen eine unterschätzte Gefahr, erklärt ein Gesundheitsexperte im Interview.

Auf Reisen in ferne Länder fürchten viele Urlauber und Geschäftsreisende vor allem Krankheiten wie Malaria oder Magen-Darm-Beschwerden. Doch es gibt noch andere Gesundheitsrisiken, die gravierender sind und häufig unterschätzt werden, erklärt Stefan Eßer, Ärztlicher Leiter von International SOS im Interview.

Welches Risiko auf Reisen wir am ehesten unterschätzt?

Stefan Eßer: Bei Reisen nach Südostasien, Afrika und Südamerika wird vor allem das Infektionsrisiko gefürchtet. Das ist auch berechtigt. Aber für die Menge der Evakuierungen, die wir durchführen müssen, sind zwei Fälle noch häufiger: zum einen Verkehrs- und Arbeitsunfälle, zum anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu Infektionskrankheiten wird am meisten beraten, aber in den Fällen, wo es ernst wird, geht es meistens um Unfälle.

Welches Risiko besteht bei Verkehrsunfällen?

Eßer: In vielen Ländern raten wir ganz generell vom eigenen Fahren ab, weil die Verkehrsverhältnisse ungewohnt sind und die rechtlichen Konsequenzen bei Unfällen sehr ernst sein können. In einigen Ländern gibt es kein oder nur ein schlecht funktionierendes Rettungssystem bei Unfällen, und auch die Verkehrsinfrastruktur lässt es vor allem in ländlichen Gebieten oft nicht zu, dass schnell eine medizinische Versorgung erfolgen kann.

Wie lassen sich Unfälle im Ausland am ehesten verhindern?

Eßer: Ich sollte die Funktionsfähigkeit des Autos prüfen und sicherstellen, dass der Fahrer vertrauenswürdig ist. Es fängt schon damit an, dass man prüft, ob es einen Sicherheitsgurt gibt. In vielen Ländern gibt es Limousinen-Services. Aber das ist nicht gerade die günstigste Lösung. An den Flughäfen sollte man zertifizierte Taxis nutzen und sich nicht privat eine Fahrt organisieren, nur um ein paar Euros zu sparen. Die in vielen Ländern eingesetzten Minibusse werden meist privat betrieben. Sie sind oft in technisch desaströsem Zustand und vollkommen überladen. Wir raten dringend von diesen Bussen ab.

Was kann ich tun, wenn ich in einen Unfall verwickelt bin?

Eßer: Einzelreisende sollten sich vorab die Adressen einiger Krankenhäuser beschaffen, etwa über die Botschaft und die Reiseversicherung. Viele Auslandsreisekrankenversicherungen decken zwar bei einem Unfall den Rücktransport nach Deutschland finanziell ab. Aber für den Transport vor Ort gibt es in vielen Ländern in Asien oder Afrika erst einmal keinen Rettungsdienst. Hier muss man sich lokal eine Fahrmöglichkeit zum Arzt oder ins Krankenhaus organisieren. Dafür ist es nützlich, ausreichend Bargeld dabei zu haben.

In mehr als 100 Ländern der Erde besteht für Reisende ein hohes Gesundheitsrisiko. Das geht aus der "Health Risk Map 2015" von International SOS hervor. Demnach gibt es in 75 Ländern ein hohes und in 36 Ländern ein extrem hohes Risiko, an Infektionen zu erkranken, in einen Verkehrsunfall verwickelt zu werden oder keine ausreichende medizinische Versorgung zu erhalten. 40 Prozent der medizinische Notfälle, die von dem Unternehmen für Reise- und Gesundheitsdienstleistungen analysiert wurden, ereigneten sich in diesen Hoch- und Extremrisikoländern. Insgesamt wurden rund 330 000 Fälle ausgewertet.

In einigen Ländern Afrikas wie Äthiopien, Kenia oder Südafrika hat sich das medizinische Risiko verringert, erklärt International SOS. Diese Staaten profitierten von privaten und staatlichen Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur. Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien zeichnen sich durch eine hochwertige medizinische Versorgung in den Großstädten und ein niedriges Versorgungsniveau in den ländlichen Regionen aus.

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