Das Dorf der Träume

+
Dorfcharakter: Die Häuser in Sitio Remedios wurden komplett neu errichtet – aus altem Baumaterial.

Ein Arzt aus Manila will mit dem Hoteldorf Sitio Remedios in Currimao im Norden der philippinischen Hauptinsel Luzon Geschichte und Tradition bewahren sowie Einheimischen eine berufliche Perspektive bieten.

Touristen freuen sich über eine authentische Unterkunft und ein Dorf, in dem man wunderbar träumen kann, wie Reiseredakteur Volker Pfau festgestellt hat.

Vorsichtig fegt der junge Mann ein paar trockene Blätter von den Steinplatten vor der dem heiligen Michael geweihten Kapelle. Behutsam schiebt er ein paar weiße Metallstühle zur Seite und fegt weiter. Ganz ruhig, ohne Lärm zu machen. Es ist kurz vor sieben Uhr, die meisten Gäste schlafen noch. Nur auf der niedrigen Mauer, die das Hotelgelände vom Strand trennt, sitzt ein schlafloser Jet-Lag-Geplagter und schaut ein paar herumtollenden Hunden zu, die sich durchs Wasser des südchinesischen Meers jagen.

Vom Hotelprojekt Sitio Remedios in Currimao profitieren auch Kindern wie Angelina (li.) und Salvacion: Ihre Eltern finden dort Arbeit, und wenn Geld übrig bleibt, finanziert der Hotelbesitzer damit Bildungsprogramme für Kinder.

Langsam nehmen die Sonnenstrahlen, die durch die Zweige scheinen, an Intensität zu. Die Nacht hat verloren, die Sonne wieder einmal gewonnen. Ein neuer Tag beginnt. Aus den Häusern kommen die Gäste zum Frühstück. Gemächlich, denn Hektik ist das Allerletzte, was man hier hat. Das Dorf füllt sich mit Leben. So hat es sich Dr. Joven R. Cuanang vorgestellt. Der Neurologe, der als medizinischer Direktor des renommierten St. Luke’s Medical Center in der Hauptstadt Manila lebt, eröffnete am 1. Mai 2006 im kleinen Küstenort Currimao das Hoteldorf Sitio Remedios. An diesem Tag erfüllte sich sein Traum, dass das Erbe dieser Region bewahrt wird und dass die Erinnerung an seine Familie bestehen bleibt – weswegen er das Hotel nach seiner Mutter benannt hat.

Joven R. Cuanang wuchs in Batac auf, einer Stadt im Hinterland der Küste. „Nach Currimao sind wir immer zum Baden gegangen und haben Picknick am Strand gemacht“, erinnert er sich. Also kaufte er dort ein 1,8 Hektar großes Stück Land direkt am südchinesischen Meer und ließ die Anlage von einem befreundeten Architekten planen. Wer durch das aus Ziegelsteinen gemauerte Eingangstor tritt, geht erst einmal entlang eines Wasserbassins auf einer Art Kreuzweg auf die zentral gelegene Kapelle zu und erst dann in eines der am Dorfplatz gelegenen Häuser, in denen die Zimmer sind.

Die Bauten entsprechen den historischen Vorbildern aus der Region, sie wurden von einheimischen Handwerkern errichtet mit der Auflage, möglichst viel Original- Material, zum Teil aus Abbruchhäusern, zu verwenden. „Die junge Generation schätzt die alten traditionellen Häuser nicht mehr“, klagt der Mediziner. Darum will er wenigstens hier die architektonischen Schätze der Kolonialzeit retten. Und so betritt man als Gast die nach Orten in der Provinz Ilocos Norte benannten Häuser, die so aussehen, als seien die Spanier gerade erstausgezogen.

Verkehr: Fahrt in einer traditionellen Pferdekutsche durch Vigan.

Die Räume mit dem dunklen Holzfußboden und den wenigen Möbeln strahlen Geborgenheit aus, man fühlt sich sofort wohl, als sei man zu Hause angekommen. Auf dem Bett ist aus lila und roten Blüten sorgfältig ein „Welcome Sir Volker“geformt. Ja, hier ist man willkommen. Auf moderne Standards wie Klimaanlage müssen die Gäste nicht verzichten, auf Fernseher und Musikanlagen dagegen schon. „Das ist ein bewusste Absage an alles, was ablenkt und Lärm macht“, sagt JovenR. Cuanang. Wer hierherkommt, kehrt zu Natur und Ursprünglichkeit zurück. Das Mobiltelefon signalisiert derweil beständig exzellenten Empfang.

Philippinen

Das Ziel, das der Mediziner mit Sitio Remedios verfolgt, ist – so sagt er – nicht primär das Geldverdienen. Joven R. Cuanang will Tradition bewahren, will Lebensart bewahren, will den Menschen aus der Umgebung Arbeit geben. Weswegen Bettzeug, Decken und Handtücher von einheimischen Webern gefertigt sind und in der Küche nur Produkte aus der Umgebung verwendet werden sollen. So gibt’s zum Frühstück beispielsweise ausgesprochen leckere Wurst vom Wasserbüffel, Früchte, Eier und selbst gemachte Marmelade auf den Toast. Das Geld, das am Ende des Tages übrig bleibt, fließt in ein Projekt, mit dem Kinder von einheimischen Fischern unterstützt werden. Damit auch sie sich einmal ihre Träume erfüllen können.

PHILIPPINEN & HOTEL – DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Hoteldorf Sitio Remedios liegt direkt am Strand in Currimao in der philippinischen Provinz Ilocos Norte auf der Hauptinsel Luzon.

ANREISE von Manila aus fliegt Philippine Airways täglich nach Laoag, vom dortigen Flughafen fährt man mit dem Auto etwa eine halbe Stunde bis zum Hoteldorf.

ANGEBOTE Ab zwei Teilnehmern können über Dertour und Meier’s Weltreisen individuelle Reisepakete für Ilocos Norte organisiert werden. Anfragen über das Reisebüro. In Sitio Remedios kostet eine Übernachtung mit Frühstück ab rund 60 Euro (pro Doppelzimmer). Info im Internet unter www.sitioremedios. com, Buchung über Dertour.

SEHENSWERT VIGAN Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe der Unesco und gilt als „spanischste“ Stadt der Philippinen, am besten zu sehen in der Calle Crisologo. Dort gibt’s in den Souvenirshops Gewebtes in guter Qualität zu günstigen Preisen.

KIRCHEN In der Region gibt es jede Menge gut erhaltener Kirchen, zwei sind Unesco-Weltkulturerbe (San Agustin in Paoay, Nuestra Senra in Santa Maria). Auffallend: Die Türme stehen in einiger Entfernung zum Hauptbau – Schutz bei Erdbeben.

BATAC Der 1989 gestorbene Ex-Diktator Ferdinand Marcos wird seit 18 Jahren in einem gekühlten Glassarg aufgebahrt, der in einem Mausoleum auf dem Marcos-Familiengrund-stück in Batac für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

HIDDEN GARDEN In einem kleinen Dorf außerhalb von Vigan hat ein Landschaftsarchitekt eine kleine grüne Oase mit seltenen Pflanzen, kunstvollen Gewächsen und zwitschernden exotischen Vögeln geschaffen.

REISEZEIT Die Temperatur beträgt fast das ganze Jahr über knapp 30 Grad. Von November bis Februar ist die Luftfeuchtigkeit am geringsten, von Mai bis November fällt der meiste Regen, dann ist es auch sehr schwül und es besteht die Gefahr von Taifunen.

REISETYP Sie lieben individuellen Urlaub abseits von Touristenmassen? Sie sind ein Entdeckertyp? Sie akzeptieren das einfache, aber haben auch nichts gegen etwas Luxus? Dann könnte ein Aufenthalt im Hoteldorf Sitio Remedios eine unvergessliche Erfahrung werden.

GELD Bezahlt wird mit dem Philippinischen Peso (PHP). Ein Euro entspricht knapp 65 Peso.

SICHERHEIT Die Philippinen sind ein vergleichsweise armes Land, trotzdem sind Gebiete, die Touristen besuchen, relativ sicher. Es ist aber angebracht, den gesunden Menschenverstand zu benutzen und als Urlauber seinen Reichtum nicht zu offen zur Schau zu stellen. 

INFO Philippinisches Fremdenverkehrsamt, Kaiserhofstraße 7, 60313 Frankfurt am Main; Tel. 069/91 39 90 61, Internet: www.wowphilippines.de.

Viele Tote bei Anschlag in Manchester - Täter ermittelt

Viele Tote bei Anschlag in Manchester - Täter ermittelt

Ajax gegen Man United: Ein "Giganten-Duell" im Schatten des Terrors

Ajax gegen Man United: Ein "Giganten-Duell" im Schatten des Terrors

Lkw-Unfall an Stauende in Oyten

Lkw-Unfall an Stauende in Oyten

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Trump: Lösung im Nahost-Konflikt kann Region befrieden

Meistgelesene Artikel

Das prüfen Stewardessen heimlich, wenn Sie einsteigen

Das prüfen Stewardessen heimlich, wenn Sie einsteigen

Wie dieses scheinbar harmlose Urlaubsfoto für Aufregung sorgt

Wie dieses scheinbar harmlose Urlaubsfoto für Aufregung sorgt

Beeindruckend: Das ist das größte Flugzeug der Welt

Beeindruckend: Das ist das größte Flugzeug der Welt

Studie: So unsicher ist Deutschland als Reiseziel wirklich

Studie: So unsicher ist Deutschland als Reiseziel wirklich

Kommentare