3517 Kilometer langer Gebirgsweg

Die Wildnis Neuenglands: Wandern auf dem Appalachian Trail

In Maine beginnt der Appalachian Trail. 3517 Kilometer entfernt endet er in Georgia. Foto: Courtesy of AMC/Dennis Welsh
1 von 12
In Maine beginnt der Appalachian Trail. 3517 Kilometer entfernt endet er in Georgia.
Der Mann mit dem Trailnamen "Matchbox" ist ein Thru-Hiker, der den gesamten Appalachian Trail wandern will. Foto: Christian Röwekamp
2 von 12
Der Mann mit dem Trailnamen "Matchbox" ist ein Thru-Hiker, der den gesamten Appalachian Trail wandern will.
Viel Wildnis: Ein Elch durchquert einen Bach. Foto: Christian Röwekamp
3 von 12
Viel Wildnis: Ein Elch durchquert einen Bach.
Unterwegs aus dem Appalachian Trail: Lindsay Downing hat den Weg 2011 in knapp fünf Monaten absolviert. Foto: Christian Röwekamp
4 von 12
Unterwegs aus dem Appalachian Trail: Lindsay Downing hat den Weg 2011 in knapp fünf Monaten absolviert.
Die "Gorman Chairback Lodge and Cabins" liegt mitten in der 100-Meilen-Wildnis zwischen den Orten Greenville und Milo. Foto: Courtesy of AMC/Dennis Welsh
5 von 12
Die "Gorman Chairback Lodge and Cabins" liegt mitten in der 100-Meilen-Wildnis zwischen den Orten Greenville und Milo.
Knapp oberhalb der Baumgrenze liegt die "Lake of the Clouds Hut". Sie bietet Platz für 90 Gäste. Foto: Courtesy of AMC/Dennis Welsh
6 von 12
Knapp oberhalb der Baumgrenze liegt die "Lake of the Clouds Hut". Sie bietet Platz für 90 Gäste.
Besonders bei Anglern populär ist die AMC-Lodge "Little Lyford" (im Bild eine der freistehenden Blockhütten auf dem Gelände der Lodge). Foto: Courtesy of AMC/Dennis Welsh
7 von 12
Besonders bei Anglern populär ist die AMC-Lodge "Little Lyford" (im Bild eine der freistehenden Blockhütten auf dem Gelände der Lodge).
Nasses Vergnügen: Unterwegs mit Wanderführerin Sandi Howard zu den Grand Falls. Foto: Christian Röwekamp
8 von 12
Nasses Vergnügen: Unterwegs mit Wanderführerin Sandi Howard zu den Grand Falls.

Es muss ja nicht gleich der ganze Appalachian Trail sein! Wanderer können Maines grüne Hügel und New Hampshires Höhen auch in kürzeren Etappen genießen.

Greenville - Mitten in der 100-Meilen-Wildnis von Maine steht er plötzlich auf dem Pfad. Schwerer Rucksack, zwei Stöcke in den Händen, Stutzen bedecken die Waden über den Stiefeln. Auf die Frage, ob er ein "Thru-Hiker" sei, antwortet der Mann namens Matchbox: "Yeah."

Am Mount Katahdin, dem nördlichen Startpunkt des Appalachian Trail, sei er vor zehn Tagen losgelaufen - und er will sogar über das 2186 Meilen entfernte Ziel in Georgia hinauswandern: "Bis Neujahr will ich in St. Petersburg in Florida ankommen." Dann erzählt er noch, er habe bis vor kurzem bei den Marines in den US-Streitkräften gedient.

Ein "Thru-Hiker" also. Einer, der es wirklich wissen will. Laut der Appalachian Trail Conservancy, die sich um den Fernwanderweg im Osten der USA kümmert, haben im Jahr 2014 mehr als 2740 Menschen die gesamte Strecke zwischen den Südstaaten und Neuengland in Angriff genommen. Immerhin 729 von ihnen haben ihr Ziel erreicht.

Wie Matchbox wirklich heißt, hat er nicht verraten. "Thru-Hiker" verwenden meist einen Trailnamen, den sie sich selbst geben oder von Mitwanderern erhalten haben. Er mache halt gerne Feuer und werde daher "Streichholzschachtel" genannt.

"Häufig ist es eine Zeit der Selbstfindung oder des Übergangs im Leben, in der sich Menschen entscheiden, den AT laufen zu wollen", sagt Lindsay Downing. Sie hat die Strecke vom Springer Mountain in Georgia zum Mount Katahdin 2011 in vier Monaten und 28 Tagen absolviert, Trail-Name: Shuffle. "Ich hatte damals eine schwere Knieverletzung überstanden und wollte mir beweisen, dass ich das kann", sagt die 28-Jährige. Sie arbeitet heute in der "Gorman Chairback Lodge And Cabins" des Appalachian Mountain Club (AMC).

Die Lodge liegt mitten in der 100-Meilen-Wildnis zwischen den Orten Greenville und Milo. Die Gegend heißt so, weil Wanderer hier etwa 100 Meilen lang durch kaum berührten Gebirgswald laufen müssen, bis sie wieder eine geteerte Straße sehen. Der AMC, so etwas wie der Alpenverein der Appalachen, betreibt die Lodge.

Irgendwo in der Nähe des Third Mountain muss auch Bill Bryson seinen Versuch, den Appalachian Trail zu meistern, abgebrochen haben. Der Bestsellerautor hat mit seinem 1998 erschienenen Buch "A walk in the woods" - auf Deutsch: "Picknick mit Bären" - viel zur gestiegenen Popularität des AT beigetragen. In den letzten Kapiteln beschreibt Bryson, wie er auf einer Staubpiste in der 100-Meilen-Wildnis einen Pickup mit Waldarbeitern anhält. Die Frage "Wo wollen Sie hin?" beantwortet er mit "Egal. Hauptsache weg von hier".

Neben dem AMC bietet in Maine auch Maine Huts & Trails (MHT) ein Wegenetz mit Übernachtungsmöglichkeiten an. Vier Öko-Lodges gibt es schon, weitere acht sollen noch hinzukommen. Ziel der Organisation ist eine 290 Kilometer lange Hüttenwanderroute, die - etwa zwei Autostunden westlich der 100-Meilen-Wildnis - die Mahoosuc-Berge im Süden mit dem Moosehead-See im Norden verbindet. Mehrfach kreuzt das bestehende Wegenetz den Appalachian Trail.

Wer als AT-Etappenwanderer einen eher alpinen Anspruch hat, sollte noch weiter westlich in Neuengland die Stiefel schnüren: in den White Mountains in New Hampshire, einem kargen Höhenzug. Acht Hütten und Lodges unterhält der AMC hier entlang einer 90 Kilometer langen Strecke, die unter anderem über den Mount Washington führt, mit 1917 Metern der höchste Gipfel im Nordosten der USA. Gut eine Stunde Fußweg davon entfernt liegt die "Lake of the Clouds Hut".

In ein paar Wochen wird auch Matchbox hier vorbeikommen, falls er seinen Versuch, den ganzen AT zu laufen, bis dahin nicht abgebrochen hat. Die Entschlossenheit in den Augen, die der wortkarge Mann auf dem schlammigen Pfad in der 100-Meilen-Wildnis gezeigt hat, lässt allerdings vermuten: Auch die steinigen White Mountains werden den durchtrainierten Ex-Soldaten kaum davon abbringen, einer der AT-Starter zu sein, die tatsächlich ihr Ziel erreichen.

Der Appalachian Trail: Reise-Infos

Anreise: Lufthansa fliegt nonstop von Frankfurt/Main und München aus nach Boston. Die Autofahrt von dort zur 100-Meilen-Wildnis in Maine (425 Kilometer) dauert rund 5,5 Stunden, zu den White Mountains in New Hampshire (260 Kilometer) sind es drei Stunden. Die Fahrzeiten kann etwa halbieren, wer nach der Atlantiküberquerung zum Beispiel von New York, Philadelphia oder Detroit aus einen Anschlussflug nach Portland in Maine nimmt und erst dort in seinen Mietwagen steigt. Nach Portland fliegen unter anderem United, Delta und US Airways.

Einreise: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum, müssen sich im Internet aber eine elektronische Einreiseerlaubnis besorgen (Esta). Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre.

Klima und Reisezeit: Wandersaison in Maine ist von Mitte Mai bis Ende Oktober. Im Juli und August liegen die Tageshöchstwerte oft bei 30 Grad. In den Höhenlagen New Hampshires ist es deutlich kühler. Die Hütten des AMC sind dort von Juni bis Mitte September bewirtschaftet, einige bis Mitte Oktober. Neuenglands Wetter kann rasch wechseln. In den Rucksack gehören warme Kleidung ebenso wie Shorts und T-Shirts.

Geld: Für einen Euro gibt es etwa 1,13 US-Dollar (Stand: Oktober 2015). Das Bezahlen mit Kreditkarten wird fast überall akzeptiert.

Informationen: Discover New England, c/o Get It Across Marketing, Neumarkt 33, 50667 Köln, Tel.: 0221/47 67 12 11, E-Mail: discovernewengland@getitacross.de

dpa/tmn

Das könnte Sie auch interessieren

Kuriose Blitzer-Bilder: Die verrücktesten Radarfotos

Mit Laserpistolen und Radarfallen macht die Polizei Jagd auf Temposünder. Dabei kommt es auch zu ungewöhnliche Radarfotos. Klicken Sie sich durch die …
Kuriose Blitzer-Bilder: Die verrücktesten Radarfotos

Kurios: So tierisch kann ein Stau sein

Stau, Stau und noch mehr Stau - Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann auf Stillstand eigentlich verzichten. Doch manchmal sind die Gründe dafür …
Kurios: So tierisch kann ein Stau sein

Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

München - Gaunerzinken dienen als geheime Verständigung und geben Informationen darüber, ob sich ein Einbruch lohnt. Das bedeuten die Geheimcodes der …
Gaunerzinken: Mit diesen Geheimcodes verständigen sich Einbrecher

Wenn die Kamera mitdenkt: das Huawei Mate 10 Pro im Test

Künstliche Intelligenz für bessere Fotos und schlauere Bedienung direkt an Bord: Das und nicht weniger verspricht Huawei für sein neues …
Wenn die Kamera mitdenkt: das Huawei Mate 10 Pro im Test

Meistgelesene Artikel

Stewardess packt aus: "Ich habe schlimme Dinge miterlebt"

Stewardess packt aus: "Ich habe schlimme Dinge miterlebt"

Warum Sie vermeiden sollten, an Flughäfen auf Toilette zu gehen

Warum Sie vermeiden sollten, an Flughäfen auf Toilette zu gehen

Warum haben Flugzeugfenster eigentlich immer ein Loch?

Warum haben Flugzeugfenster eigentlich immer ein Loch?

Quiz: Kennen Sie die Stadt zum Flughafen-Kürzel?

Quiz: Kennen Sie die Stadt zum Flughafen-Kürzel?