Friesenhäuser und Windmühlen

Auf Föhr lässt sich Urlaub machen fast wie in alten Zeiten

Dünen an der Nordsee: Seit 200 Jahren zieht Föhr als offizielles Seebad Urlauber an, die Erholung suchen. Foto: Oliver Franke/Föhr Tourismus GmbH
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Dünen an der Nordsee: Seit 200 Jahren zieht Föhr als offizielles Seebad Urlauber an, die Erholung suchen. Foto: Oliver Franke/Föhr Tourismus GmbH
Die Zeit scheint manchmal stillzustehen auf Föhr - wie hier an der Borgsumer Mühle im Südwesten der Nordseeinsel. Foto: Moritz Kertzscher/Föhr Tourismus GmbH
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Die Zeit scheint manchmal stillzustehen auf Föhr - wie hier an der Borgsumer Mühle im Südwesten der Nordseeinsel. Foto: Moritz Kertzscher/Föhr Tourismus GmbH
Der Hafen von Wyk auf Föhr: Fähren verbinden die Insel in etwa 50 Minuten mit dem Festland an der schleswig-holsteinischen Westküste. Foto: Moritz Kertzscher/Föhr Tourismus GmbH
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Der Hafen von Wyk auf Föhr: Fähren verbinden die Insel in etwa 50 Minuten mit dem Festland an der schleswig-holsteinischen Westküste. Foto: Moritz Kertzscher/Föhr Tourismus GmbH
Wattwandern gehört zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten auf Föhr - nicht selten mit Blick auf die Fahrrinnen für die Fährschiffe zum Festland. Foto: Oliver Franke/Föhr Tourismus GmbH
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Wattwandern gehört zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten auf Föhr - nicht selten mit Blick auf die Fahrrinnen für die Fährschiffe zum Festland. Foto: Oliver Franke/Föhr Tourismus GmbH
Steinmetz Markus Thiessen - hier an der Kirche St. Laurentii in Süderende - setzt auf der Insel Föhr die Tradition der "sprechenden Grabsteine" fort. Foto: Alexandra Frank
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Steinmetz Markus Thiessen - hier an der Kirche St. Laurentii in Süderende - setzt auf der Insel Föhr die Tradition der "sprechenden Grabsteine" fort. Foto: Alexandra Frank
Heimatliebe auf dem Flaschenetikett: Volker Martens braut im "Biar Brauhüs" auf Föhr nordfriesisches Bier. Foto: Alexandra Frank
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Heimatliebe auf dem Flaschenetikett: Volker Martens braut im "Biar Brauhüs" auf Föhr nordfriesisches Bier. Foto: Alexandra Frank
"Es darf nicht alles Mainstream werden" - Marion Koziol gehört zu den touristischen Dienstleistern auf Föhr, die die Einzigartigkeit der Insel bewahren möchten. Foto: Alexandra Frank
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"Es darf nicht alles Mainstream werden" - Marion Koziol gehört zu den touristischen Dienstleistern auf Föhr, die die Einzigartigkeit der Insel bewahren möchten. Foto: Alexandra Frank
Gelebte Tradition: Viele Frauen auf Föhr tragen bei Festen ihre friesischen Trachten mit silbernem Brustschmuck. Foto: Hergen Schimpf/Föhr Tourismus
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Gelebte Tradition: Viele Frauen auf Föhr tragen bei Festen ihre friesischen Trachten mit silbernem Brustschmuck. Foto: Hergen Schimpf/Föhr Tourismus

Vor 200 Jahren wurde Wyk auf Föhr zum Seebad. Heute setzen die Einheimischen auf der Nordseeinsel auf friesische Traditionen ebenso wie auf neue Angebote. Bier spielt eine Rolle - aber auch Grabsteine.

Wyk auf Föhr (dpa/tmn) - Lange geheim halten konnte Volker Martens sein Hobby nicht. Als der gelernte Tischler damit anfing, Bier zu brauen, sprach sich das auf Föhr rasch herum.

Nur 82 Quadratkilometer groß ist die Insel vor Schleswig-Holsteins Westküste - und im Winter, wenn der pfeifende Wind von der Nordsee die Menschen näher zusammenrücken lässt, verbreiten sich Neuigkeiten wie ein Lauffeuer.

Bierbrauer auf der Insel

"Zunächst wollten Freunde mein Bier testen, dann kamen Anfragen von Gastronomen und Hofläden", erzählt Martens. Anfang 2019 ging sein "Biar Brauhüs" an den Start. "Regionalität und lokale Produkte werden den Menschen immer wichtiger, Einheimischen und Touristen", sagt er.

Seine Heimatverbundenheit drückt Martens schon auf dem Etikett aus. "Hünjmots" soll sein Bier heißen, friesisch für Pilz. Ein Bild zeigt den Strand im Südwesten Föhrs: die Wellen der Nordsee, den Himmel, an dem sich Wolken zusammenbrauen, Dünengras im Wind.

Ruhiger als auf den Nachbarinseln

Breite Strände, salzige Luft und das Wattenmeer: Das sind auch die Dinge, die Urlauber anlocken. Im Windschatten von Sylt und Amrum gelegen, ist die Nordsee bei Föhr ruhiger als anderswo, das zieht vor allem Familien an, sagt Walter Stubenrauch vom Nationalpark-Haus Föhr. Seit mehr als 30 Jahren führt der Biologe Besucher ins Watt.

Genau 200 Jahre ist es her, dass der Land- und Gerichtsvogt Hans Friedrich Carl von Colditz die Inselhauptstadt Wyk zum Seebad erklärte. Im Frühjahr 1819 gründete Colditz mit wohlhabenden Mitstreitern eine Aktiengesellschaft. Mit deren Startkapital wurden ein Haus mit vier Badewannen für Warmbäder sowie drei Badekarren angeschafft. "Ein frühes Start-up, wenn man so will", sagt Ulrike Wolff-Thomsen, Direktorin des Museums Kunst der Westküste.

Namhafte Gäste badeten schon hier

Föhr gehörte damals zu Dänemark, dessen erstes Seebad Wyk war. König Christian VIII. reiste an, mit ihm sein Hofstaat, und mit dem Adel kamen auch Künstler: die Schriftsteller Theodor Fontane und Theodor Storm und der Komponist Johann Strauß zum Beispiel. "Ich habe jeden Tag gebadet, und ich muss sagen, dass es das unvergleichlichste Wasser ist", schwärmte Märchendichter Hans Christian Andersen.

Im Museum Kunst der Westküste im Dorf Alkersum zeigt eine Ausstellung noch bis Mitte Juli Werke aus der 200-jährigen Seebadgeschichte - und bietet Raum für Fragen: Welche touristischen Wege will Föhr gehen?

Besinnung auf Traditionen

"Es ist wichtig, das Einzigartige von Föhr hervorzuheben", sagt Marion Koziol, die vor ein paar Jahren ein Friesenhaus auf der Insel gekauft und renoviert hat. Blau-weiße Kacheln zieren das Esszimmer, es gibt Badewannen statt Duschen, "weil das früher halt so war". Man könne Traditionen zwar modifizieren, damit sie dem Geschmack heute entsprechen, so Koziol. "Aber es darf nicht alles Mainstream werden."

Mit Traditionen kennen sich die Föhrer aus. Viele Einheimische sprechen Platt oder Fering, wie die friesische Sprache auf der Insel genannt wird. Frauen tragen bei Feiern ihre Trachtenkleider und silbernen Brustschmuck. Die Dörfer schmücken sich mit Windmühlen, Reetdachhäuschen und ganz besonderen Friedhöfen.

Südlich von Süderende, im Schatten der backsteinernen St. Laurentii-Kirche, stehen zum Beispiel "sprechende Grabsteine", wie Markus Thiessen sie nennt. "Schon vor Jahrhunderten war es üblich, in Inschriften und symbolischen Motiven etwas über den Verstorbenen zu erzählen", sagt der Steinmetz, der an diese Tradition anknüpft. "Wer etwas von sich hielt, gab schon zu Lebzeiten Grabsteine in Auftrag, die prächtigsten hatten den Gegenwert eines ganzen Hauses." Auch neue symbolträchtige Grabsteine schmücken deshalb nun die alten Friedhöfe. Oft zeigen sie das, was Föhrer und Urlauber gleichermaßen schätzen: das Meer, die Küste und den weiten Horizont.

Informationen:

Föhr Tourismus, Tel.: 04681/300, www.foehr.de

Nationalpark-Haus Föhr, http://nph-foehr.nationalparkservice.de

Föhr Tourismus

Wyker Dampfschiffs-Reederei

Museum Kunst der Westküste

Nationalpark-Haus Föhr

Föhr Tourismus (Tel.: 04681/300, www.foehr.de), Nationalpark-Haus Föhr (http://nph-foehr.nationalparkservice.de).

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