Fröhlich im Radaunest

Auf Erich Kästners Spuren durch Berlin

Erich Kästner (1899-1974) zog 1927 nach Berlin. Zu seinen bekanntesten Kinderbüchern zählen unter anderem "Das fliegende Klassenzimmer", "Pünktchen und Anton" und "Emil und die Detektive". Foto: Georg Göbel
1 von 11
Erich Kästner (1899-1974) zog 1927 nach Berlin. Zu seinen bekanntesten Kinderbüchern zählen unter anderem "Das fliegende Klassenzimmer", "Pünktchen und Anton" und "Emil und die Detektive". Foto: Georg Göbel
Die Gedächtniskirche war ein Schauplatz in "Emil und die Detektive" - und ist ein Wahrzeichen Berlins. Foto: Lisa Ducret
2 von 11
Die Gedächtniskirche war ein Schauplatz in "Emil und die Detektive" - und ist ein Wahrzeichen Berlins. Foto: Lisa Ducret
Ein Wandbild an einem Spielplatz in der Schöneberger Motzstraße erinnert an eine bekannte Szene aus dem bis heute beliebten Kinderbuch "Emil und die Detektive". Foto: Lisa Ducret
3 von 11
Ein Wandbild an einem Spielplatz in der Schöneberger Motzstraße erinnert an eine bekannte Szene aus dem bis heute beliebten Kinderbuch "Emil und die Detektive". Foto: Lisa Ducret
Rathaus Wedding in Berlin: Zu Kästners Zeit galt der Stadtteil als verrufen, dort landete auch der Protagonist aus "Fabian". Foto: Lisa Ducret
4 von 11
Rathaus Wedding in Berlin: Zu Kästners Zeit galt der Stadtteil als verrufen, dort landete auch der Protagonist aus "Fabian". Foto: Lisa Ducret
Großer Schriftsteller: Gedenktafel an Kästners ehemaligem Wohnhaus in Berlin in der Prager Straße. Foto: Lisa Ducret
5 von 11
Großer Schriftsteller: Gedenktafel an Kästners ehemaligem Wohnhaus in Berlin in der Prager Straße. Foto: Lisa Ducret
Erich Kästner ist auch heute noch im Stadtbild präsent. Das Wandbild an einem Spielplatz in der Motzstraße erinnert an seine Geschichte "Emil und die Detektive". Foto: Alexandra Stahl
6 von 11
Erich Kästner ist auch heute noch im Stadtbild präsent. Das Wandbild an einem Spielplatz in der Motzstraße erinnert an seine Geschichte "Emil und die Detektive". Foto: Alexandra Stahl
Früher das "Café Leon", heute ein Grillhaus: Hier hielt sich Erich Kästner gerne auf und beobachtete Menschen. Foto: Lisa Ducret
7 von 11
Früher das "Café Leon", heute ein Grillhaus: Hier hielt sich Erich Kästner gerne auf und beobachtete Menschen. Foto: Lisa Ducret
Autor und Journalist Michael Bienert auf dem Grundstück von Erich Kästners ehemaliger Wohnung in der Roscherstraße. Foto: Alexandra Stahl
8 von 11
Autor und Journalist Michael Bienert auf dem Grundstück von Erich Kästners ehemaliger Wohnung in der Roscherstraße. Foto: Alexandra Stahl

"Emil und die Detektive" oder "Fabian": Die Bücher von Erich Kästner sind Klassiker. Viele seiner Geschichten spielen in Berlin, wo der Autor in den 1920ern und 30ern hochproduktiv war. Eine Spurensuche.

Berlin (dpa/tmn) - Erich Kästner ging es wie auch heute vielen jungen Leuten: Er wollte in Berlin leben. "Bin sehr fröhlich, wieder mal in diesem Radaunest zu sein", schrieb der Schriftsteller seiner Mutter im Sommer 1926 auf einer Postkarte.

An Silvester kam der damals 27 Jahre alte Dresdner zurück in die Hauptstadt. Seinem Leben und seinen Büchern kann man bis heute nachspüren. Kästner (1899-1974) schrieb für die "Neue Leipziger Zeitung", bevor er im Sommer 1927 nach Berlin zog. Bald arbeitete er für verschiedene Zeitungen und das Kabarett, machte sich einen Namen. "So geschwind, so steil, so geradlinig wie Kästner hat sich damals kein zweiter Autor auf dem Literatur- und Pressemarkt durchgesetzt", schreibt der Journalist Michael Bienert in seinem Buch "Kästners Berlin".

Wer etwas über die Zeit des scharfsinnigen Dichters in Berlin herausfinden will, kommt an Bienert nicht vorbei. Der 54-Jährige hat die Stadt durchforstet, von ehemaligen Wohnungen und Arbeitgebern Kästners bis zu den Schauplätzen seiner Werke. "Mit Kästner kann man einen frischen, frechen und wachen Blick auf die Stadt lernen", sagt Bienert. Auf Führungen bringt er Schülern, Touristen und Literaturinteressierten die Orte des Schriftstellers näher.

"Wir sind hier mittendrin", ruft Bienert auf der Terrasse der Schaubühne in Charlottenburg am Kurfürstendamm. Zu Kästners Zeiten gab es die Schaubühne nicht. Gegenüber aber lag das Kabarett der Komiker, daneben Kästners Stammcafé: "Ich sitze viel im "Café Leon", um braun zu werden." Heute ist dort ein türkischer Grill.

In der nahen Roscherstraße wohnte der Autor von 1929 bis 1944 in einer recht großen Wohnung. Kästner, dessen Biograf Sven Hanuschek ihm ein "in erotischer und literarischer Hinsicht hyperaktives Leben" attestierte, schrieb der Mutter gleich: "Das Bett hab ich wirklich allein eingeweiht. Also keine Sorge von wegen Lasterbett."

Bienert zeigt einen Grundriss der Wohnung und deutet in einen Baumwipfel: Ungefähr dort müsse die Loggia gelegen haben. Das Hinterhaus der Nummer 16, in der Kästner lebte, wurde im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Kinos, Theater, Kabarett und Künstlercafés umgaben Kästner im Westen, wo er lebte. Im "Carlton" soll er "Emil und die Detektive" geschrieben haben. Ein Szene-Café nannte er "Wartesaal der Talente". "Es gibt Leute, die hier seit zwanzig Jahren, Tag für Tag, aufs Talent warten. Sie beherrschen, wenn nichts sonst, so doch die Kunst des Wartens in verblüffendem Maße." Kästner hing lieber mit den Etablierten rum. Keines der Lokale hat bis heute überdauert.

Anders ist es mit den Schauplätzen aus "Emil und die Detektive" (1929): Bahnhof Zoo, Ku'Damm, Gedächtniskirche oder Nollendorfplatz sind immer wieder Teil von Kästner-Führungen. Neben Bienert bietet der Veranstalter Stattreisen solche Touren an, auch für Kinder.

Kästner siedelte die Geschichte um den zwölfjährigen Emil Tischbein, der zusammen mit dem Berliner Jungen Gustav mit der Hupe und anderen Kindern einen Bankräuber überführt, bewusst im damals eher unbekannten Westen an. In der Ufa-Verfilmung von 1931 tauchte dann der Potsdamer Platz als zentrales Motiv auf, damals absoluter Touristen-Hotspot, ähnlich wie heute das Brandenburger Tor.

Umfassend verewigte er die Hauptstadt in "Fabian" (1931), das er erst "Saustall" oder "Sodom & Gomorrha" nennen wollte. In dem satirischen Roman lässt Kästner seinen Protagonisten im Zuge der Wirtschaftskrise durch die Stadt irren, von Kreuzberg über den Grunewald oder Alexanderplatz bis in den Wedding.

Kriminalität und Prostitution prägten den Arbeiterbezirk im Norden, der auch heute noch lange nicht schick ist. Fabian landet in Onkel Pelles Nordpark, damals ein Vergnügungspark für Arme, in dem man Mehl oder Butter gewann. Heute steht dort das Rathaus Wedding, daneben das Jobcenter. Läden heißen "MäcGeiz" oder "Fleischersnack".

In Mitte kann man Kästner ebenfalls nachspüren: Rund um die Weidendammer Brücke an der Friedrichstraße etwa spielte "Pünktchen und Anton". Auf dem nahe gelegenen Bebelplatz vor der Humboldt-Universität musste Kästner 1933 wiederum zusehen, wie die Nazis seine Bücher verbrannten. Er emigrierte nicht und arbeitete während des Nationalsozialismus unter Pseudonym weiter. Erst 1944 floh er nach Tirol. Nach Kriegsende lebte er in München.

Stadtführungen zu Kästners Berlin:

Der Veranstalter Stattreisen bietet Führungen zu offenen Terminen an. Eine Tour dauert drei Stunden und kostet pro Person 13 Euro (ermäßigt 10 Euro). Nächster Termin: 26. Oktober, 18.00 Uhr. Voranmeldung nicht nötig. Zudem können Touren vorab gebucht werden (Tel.: 030/455 30 28, E-Mail: info@stattreisenberlin.de). Michael Bienert macht ebenfalls Touren, nächster Termin: 29. September, 14.00 Uhr. Die Führung dauert zwei Stunden. Ein Ticket kostet regulär 12 Euro, für Studenten 8 Euro, für Schüler 3 Euro. Voranmeldung erwünscht. Daneben können individuelle Touren gebucht werden (E-Mail: anmeldung@text-der-stadt.de, www.text-der-stadt.de).

Literatur:

Michael Bienert, Kästners Berlin, 160 Seiten, ca. 180 Abb., Verlag für Berlin und Brandenburg, 4. Auflage, Berlin 2017, 25 Euro.

Kästner-Führungen von Stattreisen

Literarischer Spaziergang mit Michael Bienert

Erich Kästner ist einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller. Zu seinen Werken zählen neben Gedichten und Glossen der satirische Roman "Fabian" und Kinderbücher wie "Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton", "Das fliegende Klassenzimmer" und "Das doppelte Lottchen".

1899 in Dresden geboren, kämpfte Kästner 1917 im Ersten Weltkrieg (1914-1918). Nach dem Krieg studierte er Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theatergeschichte. Er arbeitete für verschiedene Zeitungen und das Kabarett, veröffentlichte Gedichte und Romane. Zunächst arbeitete er in Leipzig, von 1927 bis 1944 in Berlin, nach Ende des Zweiten Weltkriegs (1933-1945) in München. Während der NS-Zeit wurden seine Werke bis auf "Emil und die Detektive" verboten.

Kästner wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Von 1951-1962 war er Präsident des Westdeutschen PEN-Zentrums, einer Schriftstellervereinigung. Er hatte verschiedene langjährige Beziehungen, aber heiratete nie. 1957 wurde sein Sohn Thomas geboren. Kästner starb 1974 in München.

Das könnte Sie auch interessieren

Feuer bei Alga zerstört Werkstatt und Lager

Beim Nutzfahrzeug- und Maschinenhersteller Alga in Sittensen hat es am Montagabend gebrannt. Bis in die Nacht dauerten die Löscharbeiten, die nicht …
Feuer bei Alga zerstört Werkstatt und Lager

Fotostrecke: Werder feiert Weihnachten

Bei Werder weihnachtet es schon: Die Grün-Weißen haben am Dienstag eine Weihnachtsfeier für ihre Mitarbeiter in der „Meierei“ veranstaltet. Von …
Fotostrecke: Werder feiert Weihnachten

Großbrand in Hatten-Munderloh

Zu einem Brand ist es am Dienstagmorgen auf dem Gelände eines Recyclinghofes in Hatten-Munderloh gekommen. Der Feuerwehr ist gegen 6.15 Uhr …
Großbrand in Hatten-Munderloh

Fotostrecke: So lief das Werder-Training am Dienstag

Die Werder-Profis wurden beim Training am Dienstagnachmittag in zwei Gruppen aufgeteilt, die nacheinander auf dem Platz arbeiteten. Im Fokus standen …
Fotostrecke: So lief das Werder-Training am Dienstag

Meistgelesene Artikel

Experte enthüllt: Das prüfen Stewardessen heimlich, wenn Sie ins Flugzeug steigen

Experte enthüllt: Das prüfen Stewardessen heimlich, wenn Sie ins Flugzeug steigen

Wann Sie auf der Kreuzfahrt besser keine weiße Kleidung tragen sollten

Wann Sie auf der Kreuzfahrt besser keine weiße Kleidung tragen sollten

Pilot enthüllt  wahren Grund, warum Sie den Flugzeug-Tisch hochklappen müssen

Pilot enthüllt  wahren Grund, warum Sie den Flugzeug-Tisch hochklappen müssen

Die schönsten Reiseziele 2019: Deutschland räumt Spitzenposition ab

Die schönsten Reiseziele 2019: Deutschland räumt Spitzenposition ab

Kommentare