Atemnot in Tibet

+
Der Berg ruft: Bei der Gipfeljagd vergessen manche aus falschem Ehrgeiz, auf die Warnsignale des Körpers zu achten.

„No risk, no fun“ – ohne Risiko macht es keinen Spaß – lautet heute immer öfter die Devise. Auf Risiken und Nebenwirkungen des Abenteuerurlaubs wird kaum Rücksicht genommen. Das kann Folgen haben.

Tomas Jelinek kann sich noch gut an den Mann erinnern, der japsend die Treppe zu seiner Praxis im ersten Stock hochstieg: „Es war ein 72-Jähriger mit einer Lungenkrankheit, der mir freudestrahlend erzählte, dass er bald mit dem Zug von Peking nach Lhasa fährt“ – über gut 5000 Meter hohe Pässe in Tibet, wo er sicher Atemprobleme bekomme.

Dr. Tomas Jelinek , Wissenschaftl. Leiter des CRM

Für Jelinek, den Wissenschaftlichen Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf, ist der Fall nur ein Beispiel von vielen: Immer öfter werde Abenteuerurlaub auch von Senioren unternommen, sagte Jelinek. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung, die sich Ärzten stellt, wenn abenteuerlustige Urlauber zum Beratungsgespräch kommen. Ob Kreuzfahrten in die Antarktis, Trekking auf der Seidenstraße oder die Besteigung des fast 5900 Meter hohen Kilimandscharo: Immer leichter ist es für Urlauber geworden, in extreme Zonen vorzustoßen. „Das lässt sich alles pauschal buchen und wird entsprechend genutzt“, so Jelinek. Zugleich schafften es viele dieser Urlauber aber nicht, ein Bewusstsein für die Gesundheitsrisiken zu entwickeln, kritisiert Gunther von Laer, Regionalarzt der deutschen Botschaft in Indien.

Am Reiseziel treten dann Probleme auf, die leicht hätten vermieden werden können. Viele Abenteuerreisende haben ihre Buchung längst in der Tasche, wenn sie sich an den Arzt wenden, um zum Beispiel ihre Impfungen abzusprechen. „Das ist besser, als wenn sie gar nicht kommen“, sagt Jelinek. Noch sinnvoller aber sei es, wenn Urlauber, die nicht mehr topfit sind und eine außergewöhnliche Tour unternehmen wollen, zuerst zum Reisemediziner gehen würden – und erst anschließend in ihr Reisebüro. Ob Durchfall, Sonnenbrand oder Unfälle: Die Liste der Risiken für Abenteuerreisende ist lang. Sie deckt sich teilweise mit dem, was auch Strandund Städteurlaubern im Hotel widerfahren kann. Doch in der Wüste Zentralasiens oder bei Kajaktouren im einsamen Norden Kanadas liegt die nächste Klinik nicht immer um die Ecke.

Malaria Schnelltest im Gepäck

Daher sei es bei Abenteuerurlaubern besonders wichtig, ihnen auch Verhaltensempfehlungen für unterwegs mitzugeben, erläutert der CRM-Leiter. All das sollte nicht in letzter Minute geschehen, sondern möglichst frühzeitig vor dem Abreisetermin. Diskutiert wird in den Praxen manchmal auch die Frage, ob es sich lohnt, Medikamente für die Reiseapotheke erst nach der Ankunft am Zielort zu kaufen – schließlich sind Arzneien dort oft deutlich billiger. Gunther von Laer vom Auswärtigen Amt rät davon aber ab: Es seien viele„Hightech-Fälschungen“ mit täuschend echten Verpackungen auf dem Markt, die auch er als Arzt nicht von den Originalen unterscheiden könne. Statt der versprochenen Wirkstoffe enthielten diese Pillen oftmals nur Wasser, Mehl und Salz. Detailliert über Arzneimittel geredet werden sollte vor Reisen in Malariagebiete. Einer der Wirkstoffe zur Malaria-Vorbeugung hat mögliche Nebenwirkungen wie Kopfsausen und Antriebsverlust. In sehr seltenen Fällen komme es auch zu Epilepsie-Anfällen und Psychosen, erklärt Volkmer.

Vor dem Abenteuerurlaub zum Arzt

Weil er billiger ist als andere, werde dieser Wirkstoff jedoch oft verschrieben. Wer in seinem Urlaub zum Beispiel Tauchgänge plant, sollte den Arzt auf jeden Fall darauf hinweisen, denn unter Wasser könnten die Nebenwirkungen dieser Medikamente besonders riskant sein.

In Ländern mit Malariagefahr kann auch ein Schnelltest im Gepäck sinnvoll sein. „Früher haben wir Reisemediziner davon abgeraten, heute sehen wir das anders“, sagt Jelinek. Bei dem Schnelltest wird ein Tropfen Blut auf einen Papierstreifen aufgetragen. Dieser zeigt nach einiger Zeit an, ob Stoffwechselprodukte von Malariaparasiten im Blut sind. Liefert der Test ein positives Ergebnis, muss sofort ein Arzt aufgesucht werden – gegebenenfalls noch im Urlaubsland. Das CRM empfiehlt die Großpackungen, um zu Hause mehrmals den Ablauf des Tests trainieren zu können. Und was passiert, wenn der Arzt vor einem Abenteuerurlaub warnt? „Diejenigen, die zu uns kommen, sind einsichtig, wenn wir abraten“, sagt Rainald Fischer, Privatdozent an der Universität München. Aber es würden viele starten, die gar nicht erst fragen.

Christian Röwekamp

Ellen DeGeneres räumt bei People's Choice Awards ab

Ellen DeGeneres räumt bei People's Choice Awards ab

Die Meerjungfrauen in Floridas Weeki Wachee

Die Meerjungfrauen in Floridas Weeki Wachee

Dschungelcamp 2017: Tag sechs im Busch in Bildern

Dschungelcamp 2017: Tag sechs im Busch in Bildern

Deutschland besiegt Weißrussland - die Bilder

Deutschland besiegt Weißrussland - die Bilder

Meistgelesene Artikel

Überraschung: Hier befindet sich das Dschungelcamp 2017

Überraschung: Hier befindet sich das Dschungelcamp 2017

Schiff ahoi! Luxus-Kreuzer sucht Instagram-Praktikanten

Schiff ahoi! Luxus-Kreuzer sucht Instagram-Praktikanten

In diesen Luxus-Häusern machen die Stars Urlaub

In diesen Luxus-Häusern machen die Stars Urlaub

Russische Oma (89) reist seit sechs Jahren allein um die Welt

Russische Oma (89) reist seit sechs Jahren allein um die Welt

Kommentare