Nicht wegschieben: Mögliche Folgen unverarbeiteter Trauer

+
Dr. Iris Hauth ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Foto: Alexianer St. Joseph Krankenhaus Berlin-Weißensee

Der Verlust eines nahen Angehörigen oder eines guten Freundes ist hart. Unter der Trauer leiden Körper und Psyche - das ist für eine gewisse Zeit normal. Es kann aber auch zum bleibenden Problem werden.

Berlin (dpa/tmn) - Wenn ein naher Angehöriger stirbt, ist das ein Schlag. Ein existenzieller Verlust, der psychische und körperliche Folgen haben kann. Die Trauerphase kann ein bis zwei Jahre dauern.

"Es kann aber auch sein, dass Betroffene in der Trauer steckenbleiben und sich die Symptome sogar verschlimmern", erklärt Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Experten sprechen dann von pathologischer Trauer, die auch zu einer Depression oder in eine Sucht führen kann. In der Regel beeinträchtigt pathologische Trauer auch den Alltag und die Fähigkeit, sich neu zu binden.

Die Anzeichen frühzeitig zu erkennen, ist nicht so leicht. "Wer die Bedeutung des Angehörigen verleugnet, sollte das als Warnsignal nehmen", sagt Hauth. Auch wenn man sich etwa nach der Beerdigung in die Arbeit stürzt und etwa alle Formalitäten erledigt, kann das ein Zeichen sein. Gleiches gilt, wenn man Rituale - wie etwa den Frühstückstisch für den Verstorbenen mit eindecken - partout nicht aufgibt oder man gar nicht zur Ruhe kommen und über das Geschehene nachdenken mag. Ein weiteres Warnsignal ist, den Verlust und den Umgang damit kleinzureden und zu bagatellisieren.

Bemerkt man solche Verhaltensweisen, sollte man innehalten, über das Geschehen nachdenken und am besten mit einem guten Freund oder nahen Angehörigen darüber sprechen, rät Hauth. Im Zweifel holt man sich professionelle Hilfe beim ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten. "Trauerarbeit ist Arbeit für die Psyche."

Grundsätzlich kann Trauer kognitive Störungen wie Konzentrationsprobleme mit sich bringen. Sehnsucht, Einsamkeit, gefühlte Sinnlosigkeit, vielleicht auch Schuldgefühle machen Trauernden emotionale Probleme, ergänzt Hauth. Außerdem kann Trauer zu körperlichen Beschwerden wie Kreislaufproblemen führen. Nicht zuletzt neigen Trauernde dazu, sich abzukapseln. All das ist - in einem gewissen Rahmen - eine normale Reaktion.

Mehr zum Thema:

Kulturfest des Waldorfkindergartens Scheeßel

Kulturfest des Waldorfkindergartens Scheeßel

Wie werde ich Kirchenmaler/in?

Wie werde ich Kirchenmaler/in?

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

Proklamation beim Schützenfest in Aschen

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

40 Jahre Städtepartnerschaft Bonnétable und Twistringen gefeiert

Meistgelesene Artikel

Carbage Run: Billige Schrottkiste statt teurer Oldtimer

Carbage Run: Billige Schrottkiste statt teurer Oldtimer

Noch nie geflogen? So wird's garantiert peinlich

Noch nie geflogen? So wird's garantiert peinlich

Wer auf diese zwei Wörter verzichtet, soll erfolgreicher werden

Wer auf diese zwei Wörter verzichtet, soll erfolgreicher werden

Warum Sie Ihr Flugticket nach der Reise schreddern sollten

Warum Sie Ihr Flugticket nach der Reise schreddern sollten

Kommentare