Kündigung für exzessives Surfen - Urteil

Berlin - Wer am Arbeitsplatz stundenlang im Internet surft, muss nach einem Gerichtsurteil sofort mit der Kündigung rechnen. Im konkreten Fall geht es um bis zu 100 Erotik-Mails am Tag.

Einem Arbeitnehmer kann auch ohne vorherige Abmahnung gekündigt werden, wenn er täglich mehrere Stunden private Mails liest und schreibt. So entschied das Landesarbeitsgericht  (LAG)Niedersachsen (Az.: 12 Sa 875/09).

In dem konkreten Fall hatte der stellvertretende Leiter eines Bauamts seinen PC am Arbeitsplatz über einen Zeitraum von mehr als sieben Wochen ausgiebig für private Mails genutzt. Auf seinem PC hatte er Mails mit erotischem Inhalt und pornografische Fotos abgelegt. An manchen Tagen erhielt der Mann über 100 private Nachrichten.

Der Arbeitgeber kündigte ihm verhaltensbedingt außerordentlich mit sozialer Auslauffrist. Das LAG wies die Kündigungsschutzklage des Mannes ab. Aufgrund seiner langen Betriebszugehörigkeit habe dem Mann zwar nur aus einem wichtigen Grund außerordentlich gekündigt werden können. Dieser liege jedoch vor.

Das exzessive private Mailen während der Arbeitszeit sei eine Verletzung der Arbeitspflicht in einer solcher Intensität, dass eine vorherige Abmahnung nicht notwendig gewesen sei.

Der Arbeitgeber habe private Mails auch nur geduldet, nicht ausdrücklich erlaubt. Zum anderen habe der Kläger, der eine Leitungsfunktion innehatte, den Vertrauensvorschuss seines Arbeitgebers massiv enttäuscht.

dpa

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