Firmen klagen über Nachwuchsmangel: 40.000 offene Lehrstellen

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Eine Jugendliche informiert sich mit ihrer Mutter im Berufsinformationszentrum (BIZ) der Agentur für Arbeit in Leipzig über Ausbildungsangebote.

Gut zwei Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sorgt sich die Wirtschaft um zehntausende unbesetzter Lehrstellen. Es gibt aber nach wie vor mehr unversorgte Bewerber als unbesetzte Ausbildungsstellen.

Berlin - Industrie, Handel und Gastronomie klagen nach Angaben des Deutschen Industrie- Handelskammertages (DIHK) über dramatischen Nachwuchsmangel. “Bundesweit sind in den Lehrstellenbörsen der Industrie- und Handelskammern derzeit rund 40 000 Ausbildungsplätze frei - ein Viertel mehr als 2010“, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann den Dortmunder “Ruhr Nachrichten“ (Montag).

Nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren Ende Mai offiziell knapp 448 000 Lehrstellen-Bewerber gemeldet. Das waren 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Davon hatten knapp 211 000 keine Lehrstelle. An Lehrstellen gemeldet waren mit knapp 425 000 gut elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Davon waren knapp 198 000 nicht besetzt.

Die aktuellen Juni-Zahlen wird die BA am Donnerstag bekanntgeben. Auch sie dürften aber kein exaktes Bild der Lage geben, da viele Ausbildungsverträge erfahrungsgemäß in den Wochen vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. September geschlossen werden - und jede Statistik damit sofort überholt ist. Auch dürften dann Jugendliche, die in Warteschleifen “parken“, eine Chance auf eine Lehrstelle bekommen.

Eine ganze Reihe von Kammerbezirken vermelden laut Driftmann inzwischen mehr als 1000 unbesetzte Ausbildungsplätze, darunter Stuttgart, Hannover, Berlin, Hamburg, Dresden oder auch Erfurt. “Für Jugendliche, die jetzt noch keine Stelle haben, bedeutet dies, sie haben noch alle Chancen: In nahezu jedem Beruf sind noch Lehrstellen zu haben“, sagte der DIHK-Präsident.

Das gelte auch für besonders beliebte Berufen wie Mechatroniker, Fachinformatiker oder Bank- und Versicherungskaufleute. Angesichts der großen Zahl offener Ausbildungsplätze befürchtet Driftmann, “dass in diesem Jahr mehr als 55 000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben“.

Die Bewerber halten sich vor allem in Branchen mit geringer Ausbildungsvergütung, vielen Überstunden und unregelmäßigen Arbeitszeiten zurück. Über Bewerbermangel klagen besonders Branchen wie Gastronomie, Lebensmittelhandel, Fleischer, Bäcker und Gebäudereiniger. Wegen der Abwanderung vieler Jugendlicher haben es Betriebe in Ostdeutschland inzwischen grundsätzlich schwer, offene Lehrstellen zu besetzen.

Die hohe Zahl an freien Plätzen hängt auch mit dem Rückgang der Bewerberzahlen zusammen. Laut DIHK kann dieser weder durch die doppelten Schulentlassungsjahrgänge in Bayern und Niedersachsen noch durch die Aussetzung der Wehrpflicht ausgeglichen werden. Auch 2011 sinke die Zahl der Abgänger aus Haupt- und Realschulen, der Hauptklientel für eine Berufsausbildung, und zwar um weitere 3,5 Prozent.

dpa

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