Integration

Auszubildende mit Fluchthintergrund gut begleiten

Nazir Nazari
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Nazir Nazari ist Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker beim Betrieb SUW Berger. Er stammt aus Afghanistan. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Mitarbeiter unterstützen
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Ob es um die Wohnsituation oder Termine bei der Behörde geht: Meinhard Berger (r) unterstützt seine Mitarbeiter, die als Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Integration
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Beim Rollladen- und Sonnenschutzunternehmen SUW Berger weiß man, wie man Auszubildende mit Fluchthintergrund gut begleitet. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Harmonieren als Team
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Ahmed Roble (l) und Meinhard Berger wählen die Farbe einer Markise aus. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Integration
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Nicht nur im Betrieb stets zur Hilfe: Meinhard Berger (l), Inhaber eins Rollladen- und Sonnenschutz-Unternehmens, begleitet seinen Auszubildenden Nazir Nazari auch zu Gesprächen mit Behörden. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Meinhard Berger
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Meinhard Berger, Inhaber des Rollladen- und Sonnenschutz-Unternehmens SUW Berger, hat gute Erfahrung damit gemacht, Menschen mit Fluchterfahrung in seinem Betrieb auszubilden. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Teamwork
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Nazir Nazari (l) kann sich als angehender Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker Dinge von seinem Kollegen Ahmed Roble abschauen. Beide kamen als Flüchtlinge nach Deutschland. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Fachkraft
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Der ausgebildete Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker findet es klasse, dass sein Ausbildungsbetrieb ihm von Beginn an etwas zugetraut hat. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Ob es um eine Unterkunft oder ums Einbinden ins Team geht: Auszubildende, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, brauchen vom Chef oft ein Extra an Unterstützung. Die zahlt sich aber aus.

München (dpa/tmn) - Asylberechtigung, Konventionsflüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte, Bleibeperspektive: All das sind Vokabeln, mit denen sich Betriebe in Deutschland zunehmend auseinandersetzen müssen, wenn es um den Fachkräftenachwuchs geht.

«Alleine im Münchner Handwerk hatten 2019 rund 15 Prozent aller neuen Lehrlinge einen Fluchthintergrund», sagt Harald Gerster. Er ist bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern für die Berufsbildung und Ausbildungsberatung zuständig.

Meinhard Berger hat gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen mit Fluchterfahrung in seinem Betrieb auszubilden. Er ist Inhaber der SUW Berger GmbH, einem Betrieb für Sonnenschutz in Hallbergmoos (Bayern). Ahmed Roble, in Somalia geboren, ist einer derjenigen, die Berger zum Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker ausgebildet hat.

Der ehemalige Azubi arbeitet mittlerweile als Geselle im Unternehmen. Er hatte sich auf eine Facebook-Anzeige gemeldet, ein Praktikum absolviert und bekam nach der Probewoche einen Ausbildungsvertrag.

Extra-Engagement vom Betrieb gefragt

Obwohl Ahmed Roble alle Voraussetzungen mitbrachte - starker Einsatzwille, gute Sprachkenntnisse, Selbstbewusstsein -, war seitens des Unternehmens eine Extraportion Engagement gefragt. «Der wichtigste Unterschied ist, dass man bei der Ausbildung von jungen Menschen, die hier ohne Eltern leben, nicht nur Arbeitgeber, sondern ein wenig auch Elternersatz ist», lautet Bergers Erfahrung.

Zu Beginn seiner Ausbildung lebte Roble in einem Flüchtlingswohnheim. Dort war es oft laut, und er fand kaum Ruhe, um seine Aufgaben für die Berufsschule zu erledigen. Mit Hilfe des Betriebs wurden Lösungen gesucht: Zuerst zog Roble in eine Obdachlosenunterkunft, bis Berger mit Hilfe der Gemeinde ein private Unterkunft für ihn gefunden hatte.

Ahmed Roble ist seinem Chef dankbar für die Unterstützung, nicht nur in der Wohnungsfrage. «Für mich war es klasse, dass man mir etwas zugetraut hat, dass ich eine Chance bekommen habe zu zeigen, was ich drauf habe», sagt er. «Wichtig war auch, dass ich mich sofort unter den Kollegen wohlgefühlt habe.»

Akzeptanz und Toleranz im Team

Die Integration ins Team ist ein entscheidender Faktor. In der Firma Berger wird akzeptiert, dass der gebürtige Somalier tiefgläubig ist, häufig betet und auch fastet. Nach Ahmed Roble hat das Unternehmen einen weiteren Azubi mit Fluchterfahrung eingestellt, einen jungen Mann aus Afghanistan. Wie alle seine Kolleginnen und Kollegen hat Nazir Nazari Interesse am Beruf, Sorgfalt und Leistungswillen mitgebracht.

Während bei Ahmed Roble der Aufenthaltsstatus geklärt war, sah es bei dem jungen Mann aus Afghanistan anders aus. Meinhard Berger musste mit der Ausländerbehörde in Kontakt treten, um ihn zu unterstützen. «Es gab Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung, die wir aber in gemeinsamen Gesprächen regeln konnten», schildert er.

Berger hält es für äußerst wichtig, Azubis bei Gesprächen mit Behörden zu begleiten: «Nach unseren Erfahrungen wird in den verschiedenen Ämtern nicht genug auf die Probleme der Flüchtlinge eingegangen, sondern nach Aktenlage entschieden.» Ein Gespräch der Firmenleitung mit dem jeweiligen Sachbearbeiter führe dagegen meist zu einer schnellen Lösung.

Hilfe in Anspruch nehmen

Tipps und Hilfestellung für Azubis sowie Unternehmen gibt es zum Beispiel bei der Handwerkskammer. «Bei uns gibt es neben den Ausbildungsberaterinnen und -beratern zusätzlich hauptamtliche Kräfte, die sich ausschließlich um die Belange von Menschen mit Fluchthintergrund kümmern», erklärt Harald Gerster.

Zu deren Aufgaben zählt neben der Berufsorientierung und der Vermittlung in Ausbildungsstellen auch die Begleitung und Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses. «Unter anderem bieten wir einen Workshop vor Beginn der Ausbildung, bei dem die jungen Menschen über Rechte und Pflichten in der Berufsausbildung aufgeklärt werden», sagt Gerster.

Je nach Region bieten auch weitere Angebote und Netzwerke eine Hilfestellung - für Auszubildende und Betriebe. Viele Tipps zur Ausbildung von Geflüchteten gibt etwa der Leitfaden von foraus.de, dem Ausbilderportal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

© dpa-infocom, dpa:201127-99-487941/2

BIBB: Geflüchtete ausbilden

Mediendienst Integration zu Flucht und Ausbildung

Rubriklistenbild: © Tobias Hase

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