AOK-Studie: Viele Lehrlinge leben ungesund

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Ungesunder Lebenswandel: Wenig Bewegung, schlechte Ernährung und wenig Schlaf ist laut AOK-Studie bei jedem fünften Auszubildenden zu beobachten. Foto: Patrick Seeger

Kein Frühstück, zu viel Fastfood, zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol und "ständig" vor dem Computer. Der Lebenswandel vieler Azubis klingt nach frühem Herzinfarkt. Unternehmen sollte dies beunruhigen.

Berlin (dpa) - Viele Auszubildende in Deutschland leben nach einer Umfrage ungesund. Entsprechend schlecht ist ihre gesundheitlichen Verfassung. Ein Drittel der Auszubildenden berichte über häufig auftretende körperliche und psychische Beschwerden.

Gesundheitsgefährdendes Verhalten wie wenig Bewegung, schlechte Ernährung, wenig Schlaf, zu viel Zeit vor Fernseher, Computer oder Smartphone ist danach bei jedem fünften Auszubildenden zu beobachten. Bei fast jedem zehnten Befragten treten gesundheitliche Beschwerden und gesundheitsgefährdendes Verhalten gleichzeitig auf. Dies geht aus einer Befragung von Auszubildenden zu ihrer Gesundheit hervor, die im Rahmen des Fehlzeiten-Report 2015 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) vorgestellt wurde.

Ein solches Verhalten stellt Unternehmen, die händeringend Auszubildende suchen, auf Dauer vor große Schwierigkeiten. Der kommissarische Geschäftsführende Vorstand des AOK-Bundesverbandes, Frank Michalak, appellierte an die Unternehmen, sich bei der Prävention mehr auf diese Zielgruppe einzustellen.

Der stellvertretender WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder unterstrich, betriebliche Gesundheitsförderung für die jungen Mitarbeiter sei auch ein Wettbewerbsfaktor für Unternehmen. Ende 2014 gab es knapp 1,4 Millionen Auszubildende in Deutschland, etwa 37 000 Lehrstellen blieben unbesetzt.

Der Krankenstand der Auszubildenden ist laut Studie in Berlin mit 6,3 Prozent, Brandenburg mit 5,1 Prozent und Hessen mit 4,8 Prozent am höchsten. In Baden-Württemberg (4,1 Prozent), Bremen (3,9) und Bayern (3,4) ist er am niedrigsten. Der durchschnittliche Krankenstand bei Azubis liegt bei 4,3 Prozent, der aller AOK-Versicherten bei 5,2 Prozent oder 18,9 Fehltagen. Dabei stiegen die Fehlzeiten insgesamt wegen psychischer Erkrankungen wieder deutlich an.

Bei den psychischen Symptomen wurden in der Umfrage unter den Auszubildenden "Müdigkeit, Mattigkeit, Erschöpfung" von 36 Prozent genannt. Das ist mit Abstand der höchste Wert gefolgt von "Lustlosigkeit, ausgebrannt sein" (15,1 Prozent). Bei den körperlichen Symptomen wurden zuerst "Kopfschmerzen" (25,7 Prozent), "Verspannungen, Verkrampfungen" (22,1) und "Rückenschmerzen" (21,1) angesprochen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wies darauf hin, dass fast 40 Prozent aller Azubis Überstunden leisteten. Mehr als 25 Prozent hätten regelmäßig Schwierigkeiten, sich von der Ausbildung zu erholen. "Hier sind eindeutig die Arbeitgeber gefordert. Sie sind für gute Ausbildungsbedingungen verantwortlich", so der DGB.

WIdO-Fehlzeiten-Report 2015

Feiern Azubis in Berlin mehr als in Bayern?

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Befragung ist, dass der Krankenstandbei den Azubis in Berlin mit 6,3 Prozent fast doppelt so hoch ist wiein Bayern mit 3,4 Prozent. Das legt den Verdacht nahe, dass in derPartystadt Berlin auch die Azubis mehr feiern. Doch dies konnten dieAutoren der Studie nicht bestätigen. Der "blaue Montag", eintypischer Hinweis auf ein Party-Wochenende, zeige in beiden Ländernkeine nennenswerten Unterschiede.

Was sagen diese Unterschiede von Bundesland zu Bundesland?

Ein Argument für den unterschiedlichen Krankenstand ist, dass dieAzubis in Berlin im Schnitt ein Jahr älter sind als in Bayern. Mitzunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden.Auch mache der Mix der Tätigkeiten und Branchen viel aus. In derPartystadt Berlin gibt es eben viel Gastronomie, und in dieserBranche sind die Belastungen für die Beschäftigten besonders hoch.Ein weiteres Argument ergibt sich aus der sozialen Struktur derLänder. In den Berliner Milieus seien eben sehr viele bei derAllgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) versichert.

Sind Azubis häufiger krank als die übrigen Versicherten?

Der Krankenstand der Azubis liegt bundesweit bei 4,3 Prozent, deraller AOK-Mitgliedern bei 5,2 Prozent. Das seien insofern keineauffälligen Daten, als eben mit zunehmendem Alter unter anderemchronische Erkrankungen zunähmen. Auszubildende seien im Schnitthäufiger krank als ältere Menschen, aber nicht so lange, so dieAutoren. In der Jugend lebe man risikoreicher als im Alter. Das zeigesich im Übrigen in der Studie besonders daran, dass Azubis wesentlichöfter kurzfristig erkältet seien als ältere Versicherte.

Was machen die Azubis nun falsch?

Nach einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)unter rund 1300 Azubis stellte sich heraus: 27 Prozent nehmen keintägliches Frühstück zu sich, 30,5 Prozent schlafen unter der Wocheweniger als sieben Stunden täglich, 18,7 Prozent trinken ein- odermehrmals pro Woche mindestens sechs alkoholische Getränke und dabeibewegen sich 26,1 Prozent schlicht zu wenig; sie treiben nie oder nureinmal pro Monat Sport. Denn 7,5 Stunden am Tag sitzen siedurchschnittlich vor dem Fernseher, dem Computer oder am Smartphone.

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