Abschied nehmen

Hilfe für Angehörige: Wenn um Kinder getrauert wird

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Wenn ein Kind stirbt, ist der Schmerz bei Eltern und Geschwistern meist besonders groß. Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung an.

Der Tod eines Kindes ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Der Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister bietet Hilfe. Immer mehr Menschen nehmen sie an.

Frankfurt/Main - Die Anschläge von Nizza oder auch München - aber auch Unfälle, Krankheiten und Suizide: Wenn Kinder sterben, stürzt für ihre Eltern und Geschwister die Welt ein.

Abschied nehmen, über den Verlust sprechen, andere Betroffene treffen, seien nach einer solchen Katastrophe für die Trauernden wichtig, sagte die Vorsitzende des in Leipzig ansässigen Bundesverbands Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland (VEID), Petra Hohn. Der Verband vermittelt Angebote zur Selbsthilfe.

"Trauer muss weh tun - leider. Denn Trauer ist Liebe und besonders schlimm bei einem Kind, weil das unser Liebstes ist", sagt Hohn, die vor 18 Jahren ihren damals 18 Jahre alten Sohn verlor. "Sich Hilfe zu suchen ist der erste Schritt zu einer gesunden Trauer." Die Solidarisierung mit anderen Betroffenen mache es auch leichter. "Immer mehr Menschen haben den Mut, sich Hilfe zu suchen."

Rund 75 000 Betroffene hätten sich 2015 an die Selbsthilfegruppen im Netzwerk des VEID gewandt, vor zehn Jahren seien es erst 20 000 gewesen. Der Selbsthilfeverband wolle Menschen zurück ins Leben führen. "Es geht darum, die Ressourcen zu mobilisieren, die der Trauernde noch hat." Fast 3700 Kinder und Jugendliche sterben in Deutschland laut Statistik pro Jahr.

Hohn sagt: "Unser Hauptaugenmerk sind die Einzelschicksale." Bei großen Katastrophen bekämen die Angehörigen meist zunächst viel Unterstützung und Anteilnahme aus der Politik und der Region. Beim Krebstod böten viele Palliativstationen den Angehörigen Hilfe. Bei kleinen Katastrophen wie Suizid, einem Unfall oder einer tödlichen Gewalttat sei dagegen meist niemand da. "Die Menschen hängen im luftleeren Raum."

Einige suchten sofort nach dem Tod Hilfe, insbesondere, wenn das Kind während der Geburt gestorben sei. "Manche kommen auch erst nach drei oder sogar zehn Jahren, weil sie es erst allein versucht haben", sagt Hohn. Vor allem Familien suchten den Kontakt, oft auf Initiative der Mütter.

Ein bis zweimal pro Tag klingelt das Telefon im Durchschnitt in der VEID-Geschäftsstelle in Leipzig. Andere Betroffene informierten sich bloß auf der Homepage. Der VEID verschickt nach dem Erstgespräch Adressen, Fach-Literatur und Texte von anderen Betroffenen.

Rund 500 Selbsthilfegruppen gehören dem Bundesverband an, der auch mit Hospizvereinen und anderen Organisationen kooperiert. In jedem Bundesland gibt es eine Regionalstelle.

Unter dem Motto "Mourning in motion - Trauer in Bewegung" organisiert der 1997 gegründete VEID bis Sonntag (31. Juli) erstmals einen internationalen Fach-Kongress samt Trauermarsch. Erwartet werden dazu in Frankfurt am Main rund 200 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern.

dpa

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