Risiko nicht auszuschließen

Krankmacher in Kaugummi und Süßigkeiten gefunden: EU kündigt drastisches Verbot an

Süßigkeiten
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Ein weit verbreiteter Zusatzstoff in Lebensmitteln könnte EU-weit bald verboten werden. Er kommt insbesondere in Kaugummi und Dragees vor.

Deutschland – In Kaugummis oder Tabletten sorgt der Zusatzstoff E171 dafür, dass sie ihre optisch ansprechende, weiße Farbe erhalten. Daneben kommt der Stoff mit vollem Namen Titandioxid beispielsweise auch in Süßigkeiten, Backwaren, Suppen und Salatsoßen vor. Nach neuesten Erkenntnissen der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist ein Gesundheitsrisiko für Verbraucher nicht auszuschließen, berichtet RUHR24.*

Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutzoberste Bundesbehörde
Gründung 1949
BehördenleitungJulia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft

Bedenklicher Zusatzstoff in Lebensmitteln wie Kaugummi entdeckt – Behörde bewertet Risiko neu

Denn die EFSA hat mögliche gesundheitliche Risiken von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff jetzt neu bewertet, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt. Das Ergebnis der EFSA wurde am 6. Mai 2021 veröffentlicht.

Bei der Neubewertung wurden laut BfR insgesamt 12.000 Studien berücksichtigt. Dabei handelt es sich ausschließlich um Tierexperimente und mechanistische Studien. Studien am Mensch liegen nicht vor.

Zusatzstoff Titandioxid in Kaugummi: Verwendung in Lebensmitteln ist „nicht sicher“

Zwar wurden keine direkten schädlichen Effekte belegt, nach Auswertung der Daten konnte der Verdacht aber auch nicht entkräftet werden, dass Titandioxid eine erbgutschädigende Wirkung hat. Auch sei nicht ausgeschlossen, dass der Stoff krebserregend wirke. Vielmehr bestünden weiterhin Unsicherheiten bezüglich der Sicherheit des Stoffes.

Daher schlussfolgern die Experten der EFSA, dass die Verwendung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr länger als sicher angesehen werden kann. Es wurde dabei noch nicht einmal eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge definiert.  

Experte über Titandioxid in Kaugummi: Zusatzstoff kann sich im Körper ansammeln

Prof. Maged Younes, EFSA-Experte für Lebensmittelzusatzstoffe und Aromastoffe, erklärt dazu: „Nach oraler Aufnahme ist die Resorption von Titandioxidpartikeln zwar gering, sie können sich jedoch im Körper ansammeln.“ Sprich: Wir nehmen bei der oralen Einnahme zwar nicht viel von dem Stoff auf, er kann sich aber im Körper ansammeln – mit bislang noch ungeklärten Folgen.

Auch das BfR kommt in einer ersten eigenen Einschätzung zu einem entsprechenden Schluss. Es will seine Empfehlungen bezüglich der Verwendung des Stoffes jetzt neu formulieren (hier mehr Artikel zu Rückrufen und Warnungen* lesen).

Video: Krebs-Gefahr: Achtung – Experten warnen vor diesen Lebensmitteln

Nach Neubewertung durch die EFSA – weiße Substanz könnte bald verboten werden

Wie das BfR erklärt, bilden die Bewertungen der EFSA normalerweise die Grundlage für Entscheidungen des Risikomanagements von EU-Kommission, Mitgliedstaaten und EU-Parlament über die Zulassung und Verwendung von Lebensmittelzusatzstoffen. 

Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner (CDU), spricht sich dementsprechend bereits für ein EU-weites Verbot von Titandioxid in Lebensmittel aus,* wie auch hna.de berichtet. Die Ministerin erklärt, dass die Gesundheit der Verbraucher an erster Stelle stehen müsse.

Zusatzstoff E171: Bundesministerin für Zulassungsstopp – EU-Kommission zögert noch

„Im Sinne des Vorsorgeprinzips muss die EU-weit geltende Zulassung für Titandioxid daher zurückgenommen werden. Es ist nicht auszuschließen, dass der Lebensmittelzusatzstoff erbgutschädigend wirkt“, so Klöckner in ihrem entsprechenden Pressestatement.

Weiter führt die Bundesministerin aus, sie habe sich „bereits an die EU-Kommission gewandt und sie aufgefordert, hier tätig zu werden.“ Die EU-Kommission spricht sich ebenfalls für einen Stopp der Zulassung aus. Die Behörde sieht aber keine akute Gesundheitsgefahr. Daher werde man den EU-Staaten einen Zulassungsstopp vorschlagen, aber nach einer Übergangsfrist.

Gesundheitsrisiko durch Zusatzstoff: Sollte man Lebensmittel mit E171 jetzt nicht mehr essen?

Die EFSA gibt bislang noch keine konkrete Antwort auf die Frage, ob Verbraucher nun Lebensmittel meiden sollten, die Titandioxid enthalten. Vielmehr heißt es auf ihrer Webseite, man müsse auf Basis der neuen Erkenntnisse noch „über geeignete Regulierungsmaßnahmen oder Empfehlungen für Verbraucher entscheiden.“

Fakt ist aber: Die Substanz gilt schon länger als umstritten. In Frankreich ist sie bereits seit 2020 verboten. Und auch Foodwatch warnt seit Langem vor Titandioxid.

Lebensmittelzusatzstoff E171: Nach Neubewertung – nächstes EU-Land verbietet Titandioxid

Die EFSA war im Jahr 2016 hingegen noch zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verwendung von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff unbedenklich sei. 2018 hatte sie diese Einschätzung nochmals bekräftigt.

Sowohl EFSA als auch das BfR sahen aber damals schon weiteren Forschungsbedarf. Diese neuen Forschungserkenntnisse liegen mit der Neubewertung nun vor. Die Schweiz prescht bereits vor und will den Stoff verbieten.

Auch ein EU-weites Verbot des Stoffes scheint immer wahrscheinlicher. Schließlich hat der Titandioxid als Zusatzstoff in Lebensmitteln auch keine besonders wichtige Aufgabe. Vielmehr wird er immer dann eingesetzt, wenn Lebensmittel glänzender und schöner aussehen sollen. *RUHR24 und hna.de sind Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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