Milch und Fleischwaren werden billiger - Landwirte besorgt

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Ein Überangebot sorgt derzeit für sinkende Milchpreise. Vor allem die Discounter reagieren auf diese Marktlage und bieten Milch und Molkereiprodukte deutlich günstiger an. Foto: Martin Gerten

Essen (dpa) - Deutsche Verbraucher können sich über Preissenkungen bei Milch, Molkereiprodukten und auch Fleisch freuen. Ein Überangebot macht das möglich. Landwirten bereitet die Talfahrt dagegen große Sorgen.

Milch und weitere Grundnahrungsmittel werden billiger. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd läuteten eine Preissenkungsrunde im Handel ein. Sie senkten die Preise für Frischmilch und H-Milch um jeweils zehn Cent je Liter. Auch bei einer Reihe von Molkereiprodukten wie Quark, Sahne und Kondensmilch sowie Fleischwaren wie Hackfleisch setzen die beiden Schwesterunternehmen den Rotstift an. Aldi-Konkurrenten künfigten an, nachziehen zu wollen. Landwirte betrachten die Preisentwicklung mit großer Sorge. Außerdem übten Tier- und Umweltschützer heftige Kritik an den zum Teil prozentual zweistelligen Preisabschlägen bei Aldi.

Aldi gilt im deutschen Lebensmittelhandel als Schrittmacher. An den Preisen der Discounter orientieren sich erfahrungsgemäß auch große Supermarktketten in ihrer untersten Preislage mit Eigenmarken-Produkten. Konkurrent Lidl reagierte prompt: "Lidl Deutschland vollzieht die von einem Mitbewerber ausgelöste Preissenkung ebenfalls nach und folgt damit dem Gesamtmarkt", hieß es in einer Mitteilung. Auch der Discounter Norma senkte eine Reihe von Preisen. Ein Sprecher von Rewe und Penny kündigte an, man werde mit den "jeweiligen Preiseinstiegseigenmarken auf die vom Wettbewerb ausgelöste Preisrunde bei Milch und Fleisch reagieren". Auch Edeka und die Edeka-Tochter Netto-Markendiscount bestätigten Preissenkungen und teilten mit, Einkaufsvorteile an die Kunden weitergeben zu wollen.

Der Deutsche Bauernverband bezeichnete es als "nicht akzeptabel, wenn Molkereien und Lebensmittelhandel als einzige Antwort auf die derzeitige Marktsituation in die alten Verhaltensmuster der Billigpreispolitik zurückfallen." Dies widerspreche auch deren Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Milchproduktion in Deutschland. Greenpeace forderte faire Preise. "Die Anforderungen an Qualität und Nachhaltigkeit müssen erfüllt werden", teilte die Umweltschutzorganisation mit. Der Deutsche Tierschutzbund sprach von einer Preis-Dumping-Strategie, die auf dem Rücken der Tiere und auch der Landwirte ausgetragen werde. Erst im Januar seien die Preise für Eier massiv gesenkt worden, im März die für Fleisch.

Aldi Nord und Aldi Süd verwiesen auf ein Überangebot auf den Märkten, das zu sinkenden Rohstoffpreisen führe. Im Detail fielen die Preise am Montag (4. November) bei Frisch- und H-Milch mit 1,5 Prozent Fettgehalt um zehn Cent je Liter auf 55 Cent (minus 15,4 Prozent). Bei Frisch- und H-Milch mit 3,5 Prozent Fettgehalt sanken die Aldi-Preise ebenfalls um zehn Cent auf 59 Cent je Liter (minus 14,5 Prozent).

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