Therapien bei Tumoren in der Mundhöhle

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Rauchen kann Mundhöhlenkrebs verursachen.

Krebs in der Mundhöhle ist tückisch: Der Tumor wächst meist im Verborgenen und bereitet lange keine Beschwerden. Doch je früher er entdeckt wird, desto besser sind die Aussichten der Betroffenen.

Raucher riskieren, an Lungenkrebs zu erkranken. Wer oft und viel Alkohol trinkt, schadet damit seiner Leber: Solche Warnungen haben die meisten Menschen schon gehört. Weniger bekannt ist hingegen, dass Tabak und Alkohol auch das Risiko erhöhen, einen Tumor der Mundhöhle zu bekommen – zumal diese Erkrankung meist erst im höheren Lebensalter auftritt. Besonders häufig wird die Diagnose bei 60- bis 70-Jährigen gestellt. Doch steigt die Zahl der Erkrankungen bereits nach dem 50. Lebensjahr an. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Unter 100.000 Einwohnern zählt man in Deutschland pro Jahr 16 Neuerkrankungen bei den Männern, bei den Frauen sind es zwei von 100.000.

Wie entstehen Mundhöhlentumore?

Videos zum Thema in Kooperation mit "Neues aus der Medizin":

Infofilm Mundhöhlenkrebs

Animationsfilm Mundhöhlenkrebs

Talk über Mundhöhlenkrebs

30 Prozent aller Krebserkrankungen im Bereich von Kopf und Hals sind Tumore der Mundhöhle. Zu dieser zählen die gesamte Mundschleimhaut von den Lippen bis zum vorderen Gaumenbogen, der Gaumen, der Mundboden, die Zunge und das Lippenrot. Bei den meisten Patienten mit bösartigen Tumoren der Mundhöhle gehen diese von der Schleimhaut aus. Dieses Gewebe besteht aus sogenannten Epithelzellen, die wie Platten aneinander angeordnet sind. Tumore, die sich aus diesen Zellen entwickeln, werden darum auch Plattenepithelkarzinome genannt. Nur selten entstehen Tumore der Mundhöhle auch aus anderen Geweben oder kleinen Speicheldrüsen.

Wer ist besonders gefährdet?

Tabak und Alkohol erhöhen das Risiko, an einem Tumor der Mundhöhle zu erkranken: Das hat man in Studien nachgewiesen. Besonders hoch ist die Gefahr einer Erkrankung aber bei Rauchern, die außerdem viel Alkohol trinken. Auch mangelhafte Mundhygiene und mechanische Reizungen im Mund, etwa durch eine schlecht sitzende Zahnprothese, begünstigen die Entstehung. Starke Sonneneinstrahlung erhöht zudem das Risiko, an einem Karzinom der Lippe zu erkranken. Doch erkranken auch Menschen an einem Tumor der Mundhöhle, die zu keiner der genannten Risikogruppen gehören.

Welche Anzeichen gibt es?

Ein Tumor der Mundhöhle bereitet den meisten Betroffenen lange Zeit keine Probleme. Beschwerden haben sie oft erst, wenn die Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. Dann haben sie zum Beispiel das Gefühl, einen Fremdkörper im Mund zu haben, spüren eine Schwellung oder leiden unter Blutungen, Gefühlsstörungen und Schluckbeschwerden. Schmerzen haben Betroffene aber nur selten. Untersucht man die Mundhöhle genauer, lassen sich aber auch Tumore erkennen, die sich in einem frühen Stadium befinden und noch keine Beschwerden machen. Das sieht man zum Beispiel daran, dass die Schleimhaut an einer Stelle ein Stück hervorragt oder in ihrer Farbe verändert ist. Besonders früh fallen solche Veränderungen an der Lippe auf. Tumore werden dort oft bereits festgestellt, wenn sie noch nicht zu Beschwerden geführt haben. Doch sollte man in jedem Fall sofort einen HNO-Arzt aufsuchen, wenn man verdächtige Veränderungen bemerkt oder gar Beschwerden hat. Denn je früher ein Tumor entdeckt wird, desto früher kann der Patient behandelt werden. Doch vergehen bis zur Diagnose im Durchschnitt leider immer noch sechs Monate, nachdem eine Veränderung der Mundschleimhaut entdeckt worden ist.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Besteht der Verdacht auf einen Tumor der Mundhöhle, muss der Arzt mehr über die Krankengeschichte des Betroffenen erfahren, um eine sichere Diagnose zu stellen. In einem Gespräch befragt er diesen zum Beispiel auch nach seinen Rauch- und Trinkgewohnheiten. Vor allem aber untersucht er die verdächtige Veränderung genauer. Unerlässlich ist es dabei, eine Gewebeprobe (Biopsie) zu entnehmen. Das lässt sich meist unter örtlicher Betäubung und ambulant in der Praxis durchführen. Bestätigt sich der Verdacht, sind weitere Untersuchungen notwendig. Darin bestimmt der Arzt, wie groß der Tumor ist und schließt aus, dass es noch weitere Tumore im Bereich des Kopfs und Halses gibt. Möglich ist das mit einer Panendoskopie. Bei dieser Untersuchung, die unter Vollnarkose erfolgt, führt der HNO-Arzt ein Rohr durch den Mund bis tief in den Rachen. Damit kann er nicht nur den gesamten Bereich der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfs, sondern auch die Speise- und Luftröhre genau untersuchen. Meist sind zudem noch weitere Untersuchungen notwendig, etwa Ultraschall, Röntgen und eine Computeroder Kernspintomografie (MRT). Damit lassen sich die Bereiche am Hals untersuchen, an denen die Lymphe abfließt. Bei größeren Tumoren kann man damit überprüfen, ob auch Organe im Brustund Bauchraum befallen sind, der Tumor also bereits gestreut hat. Gerade bei größeren Tumoren ist eine Schichtbild- Diagnostik sinnvoll. Eine Möglichkeit dafür ist eine MRT-Untersuchung. Damit kann der Arzt genau feststellen, wie groß der Tumor ist und wie tief er ins Gewebe eingedrungen ist. Nur nach einer sorgfältigen Diagnose lässt sich eine geeignete Therapiestrategie festlegen.

Wie läuft die Behandlung ab?

Es sind in erster Linie die Größe und die Lage des Tumors, die darüber entscheiden, welche Behandlung im Einzelfall den größten Erfolg verspricht. Doch ist es grundsätzlich die Therapie der Wahl, Tumore der Mundhöhle in einer Operation zu entfernen. Vor allem bei größeren Tumoren kann es zudem nötig sein, auch angrenzende Lymphknoten mitzuentfernen, wenn diese von Metastasen befallen sind, also von Absiedlungen des Tumors. In solchen Fällen kann nach der OP zusätzlich eine Strahlentherapie notwendig sein, eventuell kombiniert mit einer Chemotherapie. Gibt es keine Hinweise, dass die Hals-Lymphknoten von Metastasen befallen sind, kann man bei kleineren Tumoren auch darauf verzichten, die Lymphknoten zu entfernen.

Wie behandelt man bei großen Tumoren?

Ist der Tumor sehr groß, entnimmt man die Lymphknoten vorbeugend, weil diese dann häufig von Metastasen befallen sind. Wird ein sehr großer Tumor entfernt, etwa in der Zunge, ist es oft notwendig, dieses Organ im Anschluss zu rekonstruieren. Das geschieht zum Beispiel, indem körpereigenes Gewebe an die Stelle verpflanzt wird, an der zuvor der Tumor war. So füllt man das entstandene Loch und stellt so die Funktion des Organs wieder her. Lässt sich der Tumor in einer Operation nicht entfernen, bleibt als Alternative nur, die Strahlen- und Chemotherapie allein einzusetzen. Ein weiterer Spezialfall liegt vor, wenn der Tumor gestreut hat, wenn also Krebszellen über den Blutstrom in entfernte Organe gelangt sind und dort Metastasen gebildet haben (Fernmetastasierung). Auch solche befallenen Organe kann man behandeln, wenn so eine Therapie Erfolg verspricht. Welche Behandlung man wählt, muss in jedem Einzelfall festgelegt wer-den. Die Therapie richtet sich dabei immer auch nach dem Allgemeinzustand des Patienten und möglichen Begleiterkrankungen. Über die Behandlung entscheiden dann alle an der Therapie beteiligten Ärzte der verschiedenen Fachdisziplinen gemeinsam mit dem Patienten. Doch können sich auch nach erfolgreicher Behandlung erneut Tumore oder Metastasen bilden. Darum ist auch die Nachsorge ein wichtiger Teil der Betreuung des Patienten.

Wie hoch sind die Heilungschancen?

Sechs von zehn Patienten mit einem Tumor der Mundhöhle überleben die ersten fünf Jahre nach der ersten Diagnose, wenn man die genaue Lage des Tumors, seine Größe und das Vorliegen von Metastasen nicht berücksichtigt. Nur bei Tumoren der Lippe sind die Aussichten etwas besser, weil diese den Patienten sofort auffallen und die Therapie daher früh beginnen kann. Insgesamt hängt die Prognose und das Risiko eines erneuten Tumor-Wachstums aber von verschiedenen Faktoren ab: Dazu gehört die Größe des Tumors, aber auch die Beschaffenheit des Tumorgewebes, ein Befall von Lymphknoten oder auch von anderen Organen. Wie sich solche Faktoren auf die Wahrscheinlichkeit auswirken, die ersten fünf Jahre nach der Diagnose zu überleben, soll folgendes Beispiel verdeutlichen: Bei Patienten mit einem Tumor der Zunge, dessen Durchmesser vier Zentimeter nicht überschreitet, beträgt die Überlebensrate nach fünf Jahren 64 bis 95 Prozent, wenn ihre Lymphknoten nicht befallen sind. Ist der Tumor größer als vier Zentimeter oder ist ein Lymphknoten befallen (mit Wachstum bis zu einer Größe von drei Zentimeter), sinkt sie auf 40 bis 70 Prozent. Sind mehrere Lymphknoten befallen, ist eine Metastase in den Lymphknoten größer als drei Zentimeter oder haben sich bereits in anderen Organen Metastasen gebildet, sinkt sie auf nur noch 16 bis 25 Prozent. Auch die Wahl des Therapiekonzepts hat Einfluss auf die Überlebenschancen der Patienten.

Was können Patienten selbst tun?

Die Patienten können aber auch selbst etwas tun, um ihre Chancen zu verbessern. So erhöht Rauchen und zu viel Alkohol nicht nur das Risiko zu erkranken. Damit verschlechtern sich auch die Überlebenschancen, wenn man bereits betroffen ist. Auch die Nachsorge sollten Patienten auf keinen Fall vernachlässigen: Um ein erneutes Wachstum des Tumors oder von Metastasen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, sind regelmäßige Kontroll-Untersuchungen unerlässlich. Damit steigen die Chancen einer erfolgreichen Therapie. Grundsätzlich gilt für bösartige Tumore der Mundhöhle: Je früher die Therapie beginnen kann, desto besser sind die Überlebenschancen. Zudem kann die Funktion der Organe, also etwa der Zunge, viel eher erhalten werden, wenn der Tumor früh entdeckt wird. Auch die Lebensqualität der Patienten ist nach Abschluss der Therapie viel höher, wenn die Erkrankung früh entdeckt und behandelt wurde. Möglich ist so eine frühe Diagnose aber nur, wenn jeder auf Veränderungen in der Mundhöhle oder der Lippe achtet. Verschwinden diese nicht schnell von selbst, sollte man zum Arzt gehen. Hat eine konservative Behandlung auch nach spätestens etwa 14 Tagen keinen Erfolg, sollte dieser die Ursache der Veränderung unbedingt genauer abklären. Denn nur so ist eine frühzeitige Therapie möglich, wenn tatsächlich die Diagnose Krebs gestellt wird.

Von Alexander Berghaus und Katharina Engelke

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