Schönheits-Operation

Der Teenager-Traum vom perfekten Körper

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Nur schön ist vielen nicht schön genug: Auch Teenager wünschen sich eine Schönheitsoperation.

Eine 16-Jährige mit Silikonkissen im Busen, eine 17-Jährige, die sich Fett absaugen lässt: Wenn es nach Union und SPD geht, soll es so etwas in Deutschland nicht mehr geben.

Prof. Dr. med. Milomir Ninkovic

Sie wollen Schönheitsoperationen bei Jugendlichen verbieten, wenn dazu keine medizinische Notwendigkeit besteht. Eine solche liegt allerdings auch dann vor, wenn die Betroffenen wegen ihres Aussehens massive seelische Probleme haben. Wir sprachen mit Prof. Dr. med. Milomir Ninkovic, Chefarzt der Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand- und Verbrennungschirurgie des Städtischen Klinikums München Bogenhausen.

Welche Schönheits-OP haben Sie zuletzt an einem Minderjährigen durchgeführt?

Das Anlegen von Segelohren. Das ist der einzige Eingriff aus rein ästhetischen Gründen, den wir hier bei Kindern vornehmen. Man sollte das auch in Zukunft machen – am besten noch vor der Einschulung. Kinder sind oft grausam ehrlich. Wer abstehende Ohren hat, wird ständig gehänselt. Das ist für das Kind eine enorme psychische Belastung.

Nach Angaben der Union ist bei jeder zehnten Schönheits-OP der Patient unter 20.

Es gibt keine Statistik, wie viele ästhetische Eingriffe in Deutschland überhaupt vorgenommen werden. Meiner Erfahrung nach sind solche Operationen bei Jugendlichen sehr selten. Richtig ist allerdings: Viele junge Menschen haben heute die fixe Idee, einen perfekten Körper haben zu müssen. Dazu gehören bei Frauen vor allem straffe, volle Brüste, eine hübsche Nase und bloß keine Fettpolster. Da herrscht ein gewaltiger gesellschaftlicher Druck. Schuld daran sind vor allem die Medien.

Was halten Sie von Fernsehshows wie „Extrem schön“?

Für mich vermitteln sie eine falsche Botschaft. Natürlich kann bei Patienten, die etwa stark abgenommen und deshalb viel überschüssige Haut haben, eine Operation nötig sein. Auch wir nehmen hier in der Klinik zum Beispiel Oberarm- und Bauchstraffungen vor – oder auch Ganzkörper-Liftings. Doch im Fernsehen geht es nur um Äußerlichkeiten, auch bei diesen Model-Wettbewerben. Ich habe mir das mal angeschaut: Das ist doch kein Vergnügen. Das ist der totale Drill! Wieso suchen sie nicht den Super-Mathematiker? Oder begabte junge Maler oder Autoren? Das wäre ein gutes Signal.

Kommt es denn vor, dass ein junges Mädchen zu Ihnen kommt und sagt: „Herr Doktor, ich will unbedingt einen größeren Busen“?

Es passiert schon mal, dass eine 16- oder 17-Jährige in meiner Sprechstunde sitzt und wissen will, ob sie ihre Brüste vergrößern lassen kann, die Nase operieren oder Fett absaugen. Das sind die drei häufigsten Wünsche. Manche kommen durchaus auch ohne Eltern, um sich zu informieren.

Was sagen Sie ihnen dann?

Vor allem muss man die Patienten ernst nehmen. Denn der Wunsch und das dahinter stehende Leiden sind ja echt. Das hat Auswirkungen auf die ganze Persönlichkeitsentwicklung. Dann muss man sie vor allem gut aufklären. Schließlich verändert sich der Körper in diesem Alter ja noch stark. Er lässt sich außerdem auch mit gesunder Ernährung und Sport formen. Durch Aufklärung kann man viel erreichen – auch bei den Eltern. Die müssen dem Eingriff schließlich zustimmen. Und sie haben offenere Ohren für die Risiken, die eine solche Operation hat – wie jede andere Operation auch. Von denen wollen die jungen Leute eher nichts hören.

Gibt es denn ästhetische Eingriffe, die Sie auch bei Jugendlichen für sinnvoll halten?

Neben extrem abstehenden Ohren gibt es eine Reihe von Fehlbildungen. Manche haben eine dritte Brustwarze oder ein großes Muttermal mit Haaren. Das stört nur optisch, sollte aber operiert werden. Auch starker Brustansatz bei jungen Männern ist eine Indikation für einen ästhetischen Eingriff. Eine reine Schönheits-OP wie eine Brustvergrößerung bei Minderjährigen vorzunehmen, halte ich jedoch für falsch. Die Persönlichkeit entwickelt sich ja erst noch.

Ein Verbot würde Aufklärung unnötig machen. Würde das nicht viel erleichtern?

Ich bin generell eher nicht für Verbote. Die haben oft eine ungute Wirkung, machen es etwa interessant, das Verbot zu umgehen. Wer einen Weg finden will, der findet ihn – und sei es im Ausland. Ich halte hier Aufklärung für den besseren Weg.

Nicht jeder Arzt wird sich die Zeit nehmen. Zumal jeder Mediziner sich Schönheitschirurg nennen darf. Auch das will die Union ja ändern.

Das wäre in der Tat äußerst wichtig. Jeder kann sich Schönheitschirurg nennen. Das ist keine geschützte Bezeichnung. Ich hatte jüngst eine Patientin, bei der hatte ein Zahnarzt eine Oberlidstraffung durchgeführt – ein schwieriger Eingriff. Es gibt alles, selbst Tierärzte, die Fett absaugen. Hier müssten dringend klare Verhältnisse her. Eine verpflichtende mehrjährige Zusatzausbildung zum ästhetischen Chirurgen – das könnte ein richtiger Weg sein.

Das Interview führte Sonja Gibis

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