Studie: Zwei Drittel würden Organ spenden

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Nach monatelangem Tauziehen ist der Weg für eine Neuregelung der Organspende frei. Die Bereitschaft der Bürger zu einer Spende solle regelmäßig abgefragt werden.

Berlin - Auf der Warteliste für ein lebensrettendes Organ zu stehen, kommt für viele einem Todesurteil gleich. Eine geplante Reform könnte eine Trendwende bringen.

Die geplante regelmäßige Abfrage zur Organspende dürfte laut einer Studie die Zahl der möglichen Spender drastisch erhöhen. Zwei von drei Bundesbürgern würden demnach bestimmt oder wahrscheinlich (jeweils 33 Prozent) ihre Einwilligung zur Spende geben, teilten die Bertelsmann Stiftung und die Krankenkasse Barmer GEK am Donnerstag in Berlin mit. 29 Prozent täten dies bestimmt oder wahrscheinlich nicht.

Das Institut GfK Healthcare hatte kurz nach der Einigung aller Fraktionen Ende November 1000 Frauen und Männer ab 14 Jahren befragt. Die im Grundsatz vereinbarte Entscheidungslösung sieht vor, dass die Spendebereitschaft der Bürger bald regelmäßig abgefragt wird - etwa mit dem Versand der Versichertenkarte.

Fast 70 Prozent meinen, die Organspendebereitschaft in der Bevölkerung werde so zunehmen. Heute haben laut der Umfrage nur 16 Prozent einen Organspendeausweis. Noch muss man per Ausweis oder gegenüber Angehörigen seine Bereitschaft zu Lebzeiten aktiv erklärt haben.

Wann das geplante Gesetz genau kommt, ist noch unklar. Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sagte der Nachrichtenagentur dpa: “Wir arbeiten konstruktiv an einem gemeinsamen Vorschlag. Denn genau diese 66 Prozent wollen wir erreichen, damit sie ihre Bereitschaft auch dokumentieren.“ 36 Prozent fühlen sich laut der Umfrage noch nicht ausreichend über Organspenden informiert.

Die Autoren des neuen Gesundheitsmonitors 2011 von Bertelsmann Stiftung und Barmer GEK halten bei der Entscheidungslösung ein Zentralregister für “nahezu unvermeidlich“. Darin sollten bundesweit positive wie negative Erklärungen zur Organspende erfasst werden, so die Expertin Marlies Ahlert von der Uni Halle-Wittenberge. Der Barmer-GEK-Vorstandschef Christoph Straub sagte: “Ich halte ein zentrales Register für geeignet.“

Straub forderte Verbesserungen bei den Krankenhäusern. So hätten viele kleinere Kliniken Probleme, Organspenden zu organisieren. “Ärzte und Pflegekräfte einer Intensivstation denken richtigerweise zunächst an ihre eigenen Patienten und nicht an jene unbekannten, die auf ein Transplantat warten“, stellt der Gesundheitsmonitor zudem fest.

Wer bekommt zuerst eines der begehrten Organe? 60 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich höheres Alter negativ auf die Vergabe auswirken soll. 53 Prozent wollen auch ein Mitverschulden am Organversagen etwa durch Alkohol oder Drogen berücksichtigt sehen. Rund 45 Prozent fürchten laut Ahlert, ihre eigene Lebensrettung habe im Ernstfall nicht mehr Vorrang, wenn sie einen Spendeausweis hinterlegt haben. Für den bereits vor dem Reformkompromiss erstellten Gesundheitsmonitor wurden 1778 Menschen befragt.

Laut jüngstem Eurotransplant-Bericht warteten 2010 rund 7870 Menschen in Deutschland auf eine Niere, 2160 auf eine Leber, 980 auf ein Herz, 640 auf eine Lunge und 300 auf eine Bauchspeicheldrüse. 1104 Menschen starben, während sie auf ein Organ warteten. Nur 1315 verstorbenen Spendern wurden - meist mehrere - Organe entnommen.

dpa

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