Allein in Deutschland werden jährlich 250 000 Patienten, meistens Männer, am Leistenbruch operiert

Sprechstunde: Leistenbruch - ein Loch in der Bauchwand

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Leistenbrüche lassen sich in den meisten Fällen minimalinvasiv mit einem Endoskop, ohne großen Bauchschnitt, durchführen.

Hernien sind Austritte von Bauchfell, teilweise mit Eingeweiden, durch die Muskelschicht des Bauches. Am häufigsten mit 250.000 Operationen pro Jahr allein in Deutschland kommen Leistenbrüche vor.

Dabei befindet sich die Öffnung innerhalb der Muskelschicht oberhalb des Leistenbandes. Ein Leistenbruch ist eine typische Männerkrankheit: 80 Prozent der Betroffenen sind Männer.

Bei älteren Frauen indes tritt häufiger eine Schenkelhernie auf, die sich unterhalb des Leistenbandes befindet. Diese Form des Bruchs ist laut Chefarzt Dr. Michael Hoffmann vom Hernienzentrum der Chirurgischen Klinik im Marienkrankenhaus Kassel nicht ungefährlich, da sich darin leicht eine kleine Darmschlinge verfangen und zu einem Darmverschluss führen kann.

Neben diesen herkömmlichen Hernien gibt es noch Narbenbrüche und den Zwerchfellbruch, unter denen viele Patienten zu leiden haben.

Dr. Hoffmann beantwortete die zahlreichen Fragen in einer Telefonsprechstunde.

Fragen und Antworten

Ich hatte vor fünf Jahren eine Leistenbruchoperation, die per Schnitt und nicht minimalinvasiv durchgeführt wurde. Seitdem verspüre ich im Oberschenkel ein unangenehmes Brennen und Ziehen. Kann das eine Folge der Operation sein?

Hoffmann: Das hört sich nach einem chronischen Leistenschmerz an, der manchmal als Folge der Operation auftritt. Möglicherweise ist bei der Naht ein Nerv irritiert worden. Als Folge treten Schmerzen in den Hoden und an der Innenseite des Oberschenkels auf. Es kann sich allerdings auch um ein Problem des Sehnenapparates am Beckenknochen handeln. Ebenfalls können Schmerzen im Oberschenkel von Wirbelsäulenschäden herrühren. Bevor man Ihr Problem behandeln kann, muss zunächst sorgfältig die Ursache für den Schmerz abgeklärt werden.

Ich hatte vor ein paar Jahren eine Gallenoperation mit starken Wundheilungsstörungen im Anschluss. Seit ein paar Wochen habe ich eine Beule über der Operationsnarbe, die aber weggeht, sobald ich mich auf den Rücken lege. Was kann das sein?

Hoffmann: Das ist vermutlich ein Narbenbruch. Nach dem Einbringen der Hülsen, die man für eine minimalinvasive Operation braucht, ist eine Lücke in der Bauchwand entstanden, die sich nicht wieder verschlossen hat. Das kommt sehr selten vor, lässt sich aber gut beheben. Dazu bringt man endoskopisch ein Netz in die Bauchhöhle und verschließt das Loch damit von innen. Die ursprüngliche Narbe wird dabei nicht angetastet. Sie sollten sich bald einem Chirurg vorstellen, denn diese Art des Nabelbruchs hat die Tendenz, sich schnell zu vergrößern.

Ich bin 87 Jahre alt und habe einen Leistenbruch. Er macht mir gar keine Probleme. Muss er trotzdem operiert werden?

Hoffmann: Nein, wenn der Bruch problemlos ist, kann man durchaus mit einer Operation abwarten. Sie müssen darauf achten, ob Schmerzen oder eine verhärtete, schmerzende Beule in der Leiste auftreten. Wenn das der Fall ist, müssen Sie sofort einen Arzt rufen. Die Gefahr, dass eine Einklemmung von Eingeweide auftritt, liegt, ebenso wie die Komplikationsrate im Falle einer Operation, bei drei Prozent.

Ich bin 85 Jahre alt und hatte vor 15 Jahren eine große Leistenbruchoperation. Kurz danach bekam ich dort einen Narbenbruch, den ich mit einem Bruchband stütze. Ich habe neuerdings oft Schmerzen an der Stelle. Mein Arzt sagte jetzt, der Bruch müsse operiert werden, da die Gefahr einer Einklemmung bestehe. Ich habe aber ziemliche Angst vor einer Operation. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Hoffmann: Bei einem Narbenbruch besteht tatsächlich, unter anderem aufgrund der verhärteten Ränder, eine erhöhte Einklemmungsgefahr. Wenn Sie ansonsten gesund sind, sollten Sie sich deshalb zu einer Operation entschließen.

Ich bin schon drei Mal an Zwerchfellhernien operiert worden. Jetzt habe ich schon wieder eine. Der Riss ist so unangenehm, dass ich nur noch winzige Portionen essen kann und oft unter Erbrechen oder Durchfällen leide. Kann man denn jetzt noch einmal operieren?

Hoffmann: Bei mehrfachen Operationen und einem Widerauftreten der Hernie sind die Optionen bei einer erneuten Operation eingeschränkt, aber nicht unmöglich. Ob sie sinnvoll ist, muss sorgfältig abgeklärt werden, unter anderem mit einer Druckmessung in der Speiseröhre und einer Magenspiegelung. Möglicherweise würden Sie auch von einer Aufdehnung der Speiseröhre profitieren.

Ich habe nach der Geburt meines ersten Kindes eine Hernie im Oberbauch bekommen. Ich bin wieder schwanger. Jetzt habe ich ein unangenehmes Druckgefühl in dem Bruch. Manchmal tut er auch richtig weh. Kann man jetzt noch operieren?

Hoffmann: Nein, das sollte man nur bei einer Einklemmung tun. Den Druck, der jetzt von innen kommt, können Sie nicht reduzieren. Hilfreich ist aber sicherlich eine Bauchbinde. Sie sollten die Hernie dann ungefähr ein Jahr, nachdem das Kind geboren ist, operieren lassen.

Man hat mir zur Behebung eines Leistenbruchs eine Operation per Endoskop und den Einsatz eines Netzes empfohlen. Jetzt habe ich aber gehört, dass es durch das Netz Schwierigkeiten geben kann, wenn mal eine Operation an der Prostata nötig sein sollte.

Hoffmann: Das stimmt nur, wenn an der Prostata wegen eines bösartigen Tumors operiert werden muss. Dann werden nämlich zusätzlich die Lymphknoten im Beckenbereich entfernt. Da läge tatsächlich das Netz im Weg. Wenn Sie damit Probleme befürchten, kann der Bruch auch mit der Lichtensteinmethode operiert werden. Dabei wird ein normaler Leistenschnitt gemacht und das Netz von außen auf die Bauchwand aufgelegt. Bei dieser Methode gibt es allerdings eine höhere Rate an Infekten, Blutergüssen und chronischem Leistenschmerz.

Von Susanne Seidenfaden

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