Brennende Schmerzen

So werden Sie das Sodbrennen los

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Saures Aufstoßen ist nicht nur unangenehm. Unbehandelt kann die aggressive Magensäure langfristig die Speiseröhre schädigen – und sogar das Krebsrisiko erhöhen.

Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland leidet daran: Sodbrennen ist zur Volkskrankheit geworden. Doch es gibt wirksame Therapien. Je nach Art der Beschwerden.

PD Dr. Reinhold A. Lang  

Wohl jeder hat es schon einmal gehabt: saures Aufstoßen, auch Sodbrennen genannt. Zur Krankheit wird es allerdings erst, wenn die Beschwerden mindestens ein- bis zweimal pro Woche auftreten und sich die Lebensqualität der Betroffenen dadurch sehr verschlechtert. Mediziner sprechen dann von der Refluxkrankheit. Diese zeigt sich nicht nur durch Sodbrennen, sondern auch andere Beschwerden, wie zum Beispiel einem brennenden Gefühl hinter dem Brustbein oder gar dem Zurücklaufen von Säure in den Mund. Auch Schmerzen in der Brust, aber auch chronischer Husten, Asthma, Brennen im Hals und Heiserkeit können als atypische Beschwerden auftreten.

Wie entsteht Sodbrennen?

Die Refluxkrankheit ist eine Motilitätsstörung der Speiseröhre, also eine Störung ihrer Beweglichkeit. Sie trifft Männer und Frauen gleichermaßen. Bei Gesunden wirkt ein Muskelring zwischen Speiseröhre und Magen wie ein Rückfluss-Ventil: Die Nahrung gelangt durch Mund und Speiseröhre in den Magen, kann dann aber nicht mehr in die Speiseröhre zurückfließen. Zu einem Reflux, also einem Rückfluss, kommt es, wenn dieser Muskelring zu schwach ist (Cardia-Insuffizienz) oder zu häufig erschlafft. Säurehaltiger Mageninhalt kann dann zurücklaufen und dabei die Oberfläche der Speiseröhre schädigen. Der Patient nimmt dies als Sodbrennen wahr. Zudem findet man bei den meisten Betroffenen einen Zwerchfellbruch, eine sogenannte Hiatushernie. Der obere Teil des Magens ist dann nach oben in den Brustkorb gerutscht. Die Beschwerden treten mit steigendem Lebensalter immer häufiger auf.

Ist Sodbrennen gefährlich?

In den meisten Fällen bewirkt die Refluxkrankheit vor allem ein Brennen in der Speiseröhre. Doch können die Beschwerden die Lebensqualität erheblich verschlechtern – bis hin zur Berufsunfähigkeit, wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind. Die Patienten leiden dann unter einer anhaltenden Heiserkeit, Schluckstörungen und dem ständigen Drang, sich zu räuspern, dem sogenannten Räusperzwang.

Lebensbedrohlich wird die Refluxkrankheit nur in seltenen Fällen. Die Speiseröhre kann dem sauren Mageninhalt nicht dauerhaft standhalten. Wirkt der Rückfluss viele Jahre lang auf die Schleimhaut ein, kann es durch Entzündungen und körpereigene Reparaturen zu narbigen Engstellen oder zu Zellveränderungen kommen. Dank moderner Therapien sind Engen selten geworden. Immer häufiger wird jedoch eine chronische Zellveränderung festgestellt: die Barrett-Schleimhaut. Aus ihren Zellen kann sich, besonders wenn die betroffene Fläche sehr groß ist, eine Vorstufe von Speiseröhrenkrebs entwickeln.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Klagt ein Patient über die typischen Symptome der Refluxkrankheit wie Sodbrennen oder Säurerückfluss in den Mund, reicht das bereits aus, um die Diagnose zu stellen und die nötigen Medikamente zu verordnen. Eine weitere Untersuchung ist dann nicht nötig. Anders ist das bei atypischen Beschwerden wie Brustschmerz, chronischem Husten oder Heiserkeit. Dann muss der Arzt zunächst prüfen, ob vielleicht eine Erkrankung des Herzens, der Lunge oder des Kehlkopfes die Beschwerden auslöst. Wenn das nicht der Fall ist, ist eine Magenspiegelung (Gastroskopie) unumgänglich. Sie ist auch bei Patienten mit typischen Beschwerden nötig, die nicht ausreichend auf die Medikamente ansprechen.

Bei der Magenspiegelung untersucht der Arzt die Speiseröhre, den Magen und den Zwölffingerdarm. Etwa ein Drittel der Patienten mit Refluxkrankheit haben bei der Gastroskopie sichtbare Entzündungen in der Speiseröhre (Refluxösophagitis), die eine Diagnose erlauben. Bei den anderen zwei Dritteln ist das nicht der Fall. Helfen Medikamente nicht, die Speiseröhre ist aber entzündungsfrei, sollte eine Funktionsdiagnostik durchgeführt werden. Die wichtigste Untersuchung darunter ist die 24-Stunden-pH-Metrie. Dabei wird der pH-Wert in der Speiseröhre über mindestens 24 Stunden gemessen. Die Untersuchung kann mittels einer sehr dünnen Nasensonde oder mit einer in der Speiseröhre eingezwickten pH-Mess-Kapsel erfolgen (Kapsel-pH-Metrie). Die pH-Metrie zeigt, wie sauer das Milieu im Inneren der Speiseröhre zu verschiedenen Zeitpunkten ist. Während der Messung kann der Arzt sehen, ob der pH-Wert sinkt, wenn die Beschwerden auftreten.

Darüber hinaus gibt es heute Methoden, mit denen sich die Funktion der Speiseröhre sehr genau messen lässt: Eine hochauflösende Druckmessung (Manometrie) gibt wertvolle Hinweise zur Muskelfunktion der Speiseröhre; die Impedanzmessung erlaubt es, ihre Transportfunktion zu erfassen – auch von nicht-saurem Rückfluss.

Kann auch eine Diät ausreichen?

Bei einem milden oder frühen Stadium der Refluxkrankheit reichen manchmal Änderungen der Ess- und Lebensgewohnheiten aus, um die Beschwerden zu lindern. Auf folgende Lebensmittel, die die Säureproduktion anregen, sollte man verzichten: scharfgewürzte und gesalzene Speisen, stark gebratenes Essen, geräucherte und fettreiche Lebensmittel, Bohnenkaffee (Koffein), Tomaten, Pfefferminztee, alkoholische Getränke, Süßigkeiten mit hohem Fettgehalt, wie etwa Schokolade, Zitrusfrüchte und Säfte. Rauchen, sehr üppige Mahlzeiten und Übergewicht begünstigen ebenfalls den Rückfluss. Außerdem sollte man sich nicht gleich nach dem Essen hinlegen. In der Nacht lässt sich Sodbrennen mindern, wenn man den Oberkörper hoch lagert, etwa mit einem dicken Kissen. Diese Maßnahmen allein haben allerdings meist nur einen geringen Effekt – mit einer Ausnahme. Wenn Übergewichtige abnehmen, verringern sich ihre Beschwerden oft deutlich.

Welche Pillen soll ich schlucken?

Medikamente können die Magensäure und damit auch das Sodbrennen reduzieren. Besonders bewährt haben sich dabei sogenannte Protonen-Pumpen-Hemmer (PPIs). Diese Mittel haben sich als die bei weitem wirksamsten, dabei aber nebenwirkungsärmsten Arzneien durchgesetzt. Sie heißen zum Beispiel Pantoprazol, Esomeprazol, Omeprazol, Lansoprazol oder Rabeprazol und senken je nach Dosis die Produktion der Magensäure. Wenn Patienten bisher noch keine Medikamente gegen Sodbrennen eingenommen haben, erhalten sie PPIs für vier bis acht Wochen. Die Dosis wird dabei immer weiter reduziert, bis der Patient schließlich gar keine Tabletten mehr einnimmt. Einige bleiben dann beschwerdefrei. Bei den meisten Patienten ist die Erkrankung aber chronisch. Sie müssen die Medikamente dauerhaft – täglich oder bei Bedarf – einnehmen, um keine Probleme zu haben. PPIs sind seit Anfang der 1990er-Jahre bekannt. Die meisten Patienten vertragen sie sehr gut. Zudem können sie nach heutigem Wissensstand ein Leben lang ohne Probleme eingenommen werden.

Wann ist eine Operation nötig?

Eine Operation kann eine Alternative sein, wenn ein Patient nicht dauerhaft Medikamente nehmen will. Natürlich muss er zuvor auch eine Zeit lang ausprobiert haben, ob er mit den Tabletten leben kann. Ehe man so einen Eingriff in Erwägung zieht, müssen auch die genannten Untersuchungen durchgeführt worden sein, also die Magenspiegelung sowie eine Druck- und Säuremessung.

Dabei gibt es durchaus Patienten, bei denen die Tabletten nicht helfen. Das ist etwa bei einem sogenannten Volumenreflux der Fall, wenn zum Beispiel beim Sport oder auch beim Binden der Schnürsenkel große Mengen an Mageninhalt in den Mund gelangen. Auch bei einem großen Zwerchfellbruch, der oft mit einer Refluxkrankheit einhergeht, kann eine Operation nötig werden. Denn dieser kann zu anhaltenden Schmerzen führen. Ein Eingriff kann zudem sinnvoll sein, wenn Patienten monate- oder jahrelang Medikamente einnehmen, aber trotzdem nicht völlig beschwerdefrei sind oder die Beschwerden trotz der Tabletten sogar stärker werden. Über eine Operation sollte man auch nachdenken, wenn Patienten die Medikamente nicht vertragen und auf die Tabletten mit Unwohlsein, Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen reagieren. Dann kann ein Eingriff helfen, um die Beschwerden dauerhaft loszuwerden.

Wie groß ist der Schnitt bei der OP?

Wer über eine Operation nachdenkt, muss keine Angst vor einem großen Schnitt haben. Der Eingriff, den Mediziner als Laparoskopische Fundoplicatio bezeichnen, wird minimal-invasiv in sogenannter Schlüsselloch-Technik durchgeführt. Dafür sind nur vier bis fünf sehr kleine, etwa einen Zentimeter lange Schnitte durch die Bauchdecke nötig. Sie erlauben es dem Arzt, die OP-Instrumente in den Körper einzuführen und damit den in den Brustkorb verrutschten Magen zurück in die Bauchhöhle zu bringen. Das Loch im Zwerchfell wird anschließend mit Nähten um die Speiseröhre herum verschlossen. Zudem wird die Magenblase um die Speiseröhre herumgeführt und so zu einem neuen Ventil umfunktioniert, das den zu schwachen Muskelring verstärkt. Die so entstandene Magenfalte (Fundoplicatio) verhindert, dass saurer Speisebrei aus dem Magen in die Speiseröhre hochsteigen kann. Die Patienten können in der Regel bereits etwa zwei Tage nach der OP nach Hause entlassen werden.

Gibt es auch kleinere Eingriffe?

Derzeit erprobt man auch mehrere endoskopische Verfahren, die in einer Magenspiegelung durchgeführt werden. Doch darf für diese Verfahren die Schwäche des Muskelrings zwischen Speiseröhre und Magen nicht sehr ausgeprägt sein. Auch darf (fast) kein Zwerchfellbruch bestehen. Darum kommen diese Methoden nur für sehr wenige Patienten infrage. Zudem ist das Ergebnis bislang unbefriedigend: Das Sodbrennen lässt sich damit nicht nachhaltig reduzieren.

Von Dr. Reinhold A. Lang

PD Dr. Reinhold A. Lang war Leiter der Adipositas und Refluxchirurgie am Klinikum der Ludwig- Maximilians-Universität München in Großhadern. Ab 1. Oktober wird er Chefarzt im Krankenhaus Weilheim. Dort gibt es auch eine gastrointestinale Funktionssprechstunde, zu erreichen unter Tel. 08 81/18 85 80.

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