Sensation in Würzburg: Hoffnung für Gelähmte?

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Der gelähmte Tilo Werner schafft es dank seiner Gedanken und der Elektrodenhaube, einen Stift mit der Hand zu greifen

Würzburg - Forscher kommen dem Ziel, Querschnittsgelähmte über die Kraft der eigenen Gedanken wieder bewegungsfähig zu machen, Schritt für Schritt näher.

Am Donnerstag haben europäische Wissenschaftler in Würzburg neue Prototypen vorgestellt, die die Hirnströme des Gehirns messen, an einen Computer leiten und so bestimmte Bewegungen möglich machen. Neu sei dabei, dass der Patient mit seinen Gedanken genau auswählen könne, welches Körperteil er bewegen möchte, sagte Rüdiger Rupp vom Querschnittszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg.

Vorgeführt wurde das am Beispiel eines Gelähmten, der nur noch Kopf und Schultern bewegen kann. Tilo Werner sitzt seit 2009 nach einem Badeunfall im Rollstuhl. Am Donnerstag trägt eine sogenannte Elektrodenhaube, die die Hirnströme am Kopf misst und an den Computer weiterleitet. Auf seiner Schulter sitzt ein Sensor. Werner denkt “Hand“, bewegt seine Schulter und schon greift seine Hand nach dem Bauklötzchen auf dem Tisch. Wenig später denkt der 41-Jährige “Ellenbogen“, zieht wieder seine Schulter hoch und gleichzeitig hebt er den Bauklotz leicht an.

Für dieses Zusammenspiel von Hirnströmen und Muskeln trotz der Lähmung ist eine sogenannte Computer-Gehirn-Schnittstelle zuständig. Sie aktiviert über Elektrostimulation die Muskeln, die für das Greifen und Heben nötig sind. “Das ist sozusagen ein technischer Bypass für die Rückenmarks-Funktion“, sagte Rupp.

“Im Vergleich zu vor zehn Jahren haben wir riesige Fortschritte gemacht. Aber das ist noch nichts, was in den nächsten zwei Jahren auf dem Markt ist“, sagte Andrea Kübler von der Universität Würzburg. In der Stadt hatten sich Wissenschaftler von zwölf europäischen Universitäten getroffen, um über die Ergebnisse ihrer Arbeit zu sprechen. Sie sind Teil des internationalen Forschungsprojektes Tobi (Tools For Brain Computer Interaction, dt: Werkzeuge für das Zusammenspiel von Gehirn und Computer). Es soll anwenderfreundliche Gehirn-Computer-Schnittstellen für den Alltag von Gelähmten entwickeln. Weitere Anwendungsgebiete sind das Malen von Bildern, das Verschicken von Bildern sowie das Surfen im Internet. Das vierjährige Projekt wird bis 2013 mit zwölf Millionen Euro von der EU gefördert.

Doch bei allen Fortschritten: Es liegt noch viel Arbeit vor den Wissenschaftlern. Langfristig sollen die Patienten auch ohne Hilfe von den Entwicklungen profitieren können. Das ist im Moment bei fast allen Projekten unmöglich. “Die Kappe und das Kontaktgel machen den Querschnittsgelähmten viel Arbeit, die Software ist zu kompliziert und die Übertragung der Hirnströme ist noch zu langsam“, fasste Kübler weitere Herausforderungen zusammen. Die Technik soll zudem kleiner, schneller, zuverlässiger und auch ein wenig schicker werden.

dpa

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