Für mehr Verständnis

Wenn Profi-Patienten Patienten helfen: Deshalb sind Selbsthilfegruppen so wichtig

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In Selbsthilfegruppen können Patienten oft offener Reden als mit ihrem Arzt. (Symbolbild)

Ob Morbus Bechterew, Krebs oder Depression: Patienten, die sich mit anderen Betroffenen austauschen, verstehen ihre Krankheit besser und lernen mit ihr umzugehen.

Zusammen ist man stärker: Nach diesem Motto versammeln sich deutschlandweit regelmäßig Patienten in Selbsthilfegruppen. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine Erleichterung für Patienten und eine Entlastung für Ärzte sein.

Selbsthilfegruppen und "Patient Partner"-Programm

Nicht jeder Patient fühlt sich nach einem Gespräch mit seinem Arzt richtig informiert. Dies kann daran liegen, dass Mediziner zu oft auf Fachbegriffe zurückgreifen, die Erkrankte nicht verstehen können. Für eine ausführliche Erklärung fehlt vielen Ärzten immer öfter die Zeit. Oder es fällt den Medizinern nicht leicht, sich in die Situation eines Patienten hineinzuversetzen.

In solchen Fällen nehmen Selbsthilfegruppen eine äußerst wichtige Stellung ein. Diese ermöglichen den Austausch von Betroffenen auf Augenhöhe. Aber auch sogenannte "Patient Partner"-Programme können von großer Hilfe sein, erklärt Kathrin Reinsch (49), Mitglied im Führungsteam des Frauennetzwerks der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e.V. (DVMB) in einem Interview.

Die DVMB bietet solche Programme an und bildet Mitglieder aus, die Ärzte, Medizinstudenten, Physiotherapeuten und Patienten über Morbus Bechterew (MB) informieren.

Selbsthilfegruppen helfen, die eigene Erkrankung besser zu verstehen

Kathrin Reinsch leidet selbst an der seltenen Krankheit und hilft anderen Frauen, die ebenfalls an Morbus Bechterew erkrankt sind. Der Austausch mit anderen Patienten helfe dabei, die Krankheit besser zu verstehen. In Selbsthilfegruppen profitiert man von den Erfahrungen anderer. Sie helfen dabei, Symptome richtig einzuschätzen und zeigen neue Perspektiven auf, wie man mit ihnen umgehen kann. Selbsthilfegruppen zeigen Betroffenen, dass sie nicht alleine sind.

Der Austausch mit anderen Patienten stärkt zudem das eigene Selbstvertrauen – auch in Gesprächen mit Ärzten. Da man seine Krankheit besser versteht, kann man Mediziner bessere Auskünfte geben, die entsprechend darauf eingehen können.

Selbsthilfegruppen: Warum macht nicht jeder Betroffene mit?

Obwohl die Vorteile von Selbsthilfegruppen auf der Hand liegen, wollen sich manche Betroffene ihnen nicht anschließen. Der einfachste Grund dafür: Oft wissen Patienten nichts über die Gruppen. Andere wiederum hegen Vorurteile. So würden einige MB-Betroffene glauben, dass nur alte Leute in entsprechenden Gruppen seien.

Diesem Vorurteil tritt Kathrin Reinsch entgegen. Es gebe auch viele jüngere Patienten in den Selbsthilfegruppen und die älteren Betroffenen seien ein positiver Aspekt. Immerhin können diese ihre langjährige Erfahrung weitergeben.

Mehr Disziplin durch Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen können auch dabei helfen, sich an Therapiemaßnahmen zu halten. Bei Morbus Bechterew ist es unter anderem wichtig, regelmäßig zu trainieren – dazu gehören beispielsweise spezielle Funktionsgymnastik oder Wassergymnastik. In der Gruppe achtet man darauf, dass diese sportlichen Betätigungen auch tatsächlich gemacht werden. Wer hingegen alleine die Übungen machen will, braucht einen starken Willen, diese auch durchzuziehen.

Selbsthilfegruppen entlasten auch Ärzte

Nicht nur Betroffene profitieren von Selbsthilfegruppen. Ärzte sind durch solche Treffen nicht mehr der alleinige Ansprechpartner, der sich oft nicht ausreichend in die Situation seines Patienten versetzen kann. Wichtig ist auch ein Austausch von Arzt und Leiter einer Selbsthilfegruppe. Durch solche Gespräche verstehen Ärzte besser, dass hinter einem Krankheitsbild auch ein menschliches Schicksal steht. Außerdem können die Mediziner in zukünftigen Gesprächen mit Patienten auf Selbsthilfegruppen vor Ort aufmerksam machen.

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