Unterfunktion der Schilddrüse bleibt oft lange unbemerkt

Seefisch hilft gegen Jodmangel

Dr. Bernhard M. Dohmen, Leiter des Instituts für Nuklearmedizin und Schilddrüsendiagnostik des Diakoniekrankenhauses Rotenburg.

Achim - ROTENBURG/SYKE n Müdigkeit, Energiemangel, das Gefühl überfordert zu sein – heutzutage fast schon Normalität. Aber nicht immer sind Stress und Belastung in Beruf oder Familie die Ursache.

Die Schilddrüse, ein 10 bis 20 Milliliter großes schmetterlingsförmiges Organ, liegt wie ein Schild unterhalb des Kehlkopfs vor der Luftröhre. Die von einer gesunden Schilddrüse dauerhaft sehr gleichmäßig gebildeten lebenswichtigen Hormone (Triiodthyronin und L-Thyroxin) sind jodhaltig und regulieren den Stoffwechsel und die Funktion in fast allen Körperzellen. Sie haben Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, Psyche und Fortpflanzung. Während eine Überfunktion meist schnell erkannt wird, bleibt die chronische Unterfunktion aufgrund der hier unspezifischen Beschwerden oft lange unbemerkt. Neben Müdigkeit, Energiemangel und Überforderungsgefühl klagen viele Patienten über Gewichtszunahme, trockene Haut, Verstopfung und Haarausfall.

Die Arbeit der Schilddrüse wird von Zwischenhirn und Hirnanhangdrüse durch die Abgabe des stimulierenden Hormons TSH gesteuert, das heißt, wenn die Schilddrüse (zu) schwach arbeitet, ist der TSH-Wert (zu) hoch und umgekehrt. Durch die einfache Bestimmung des TSH-Wertes im Blut lässt sich deshalb eine Störung der Schilddrüsenfunktion mit hoher Sicherheit ausschließen. Die Abgrenzung verschiedener Erkrankungen der Schilddrüse ist demgegenüber deutlich aufwendiger und erfordert nicht selten den Spezialisten.

Wird die Schilddrüse nicht ausreichend mit Jod (wird zur Herstellung der Schilddrüsenhormone in der Schilddrüse benötigt) versorgt, ist ihre Arbeit erschwert. Bei leichtem Jodmangel kann durch vermehrte Stimulation (TSH-Wert hochnormal oder erhöht) noch eine formal ausreichende Funktion erreicht werden, geringe Befindlichkeitsstörungen können jedoch bereits auftreten. Zudem passt sich die Schilddrüse durch Wachstum (Kropfbildung) an die Mangelsituation an. Durch Abtasten der Schilddrüse oder eine Ultraschallvermessung kann dies frühzeitig erkannt werden. Tritt der Jodmangel plötzlich auf, zum Beispiel bei Zuwanderung aus sehr jodreichen Ländern nach Deutschland oder ist er sehr ausgeprägt, kann es zur Schilddrüsenunterfunktion kommen. Zwar ist die Jodversorgung in Deutschland in den letzten Jahren besser geworden, jedoch noch immer relativ niedrig. Zudem zeigen neuere Forschungsergebnisse, dass die Fähigkeit zur Jodaufnahme und auch weitere Prozesse in der Herstellungskette von Jod zum Schilddrüsenhormon erblich variabel sind, das heißt, es gibt Menschen, deren Schilddrüse nur bei sehr guter Jodversorgung ausreichend funktioniert, während andere mit einer Mangelversorgung sehr gut klar kommen. Eine ausreichende Jodversorgung sicherzustellen ist sehr einfach, da der Körper Jod speichert: drei mal pro Woche Seefisch oder Jodtabletten (oder iodhaltige Multimineralpräparate). Auch die wöchentliche Einnahme einer höheren Dosis ist möglich.

Die Beseitigung einer Schilddrüsenunterfunktion durch Jod ist jedoch nur möglich, wenn die Schilddrüse im Übrigen gesund ist. Dies ist jedoch eher selten, bei stärkerer Unterfunktion fast nie, der Fall. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung (Frauen etwa fünf mal häufiger als Männer) leiden an einer chronischen Schilddrüsenentzündung, deren Vorliegen man durch Bestimmen von Immuneiweißen im Blut und eine Ultraschalluntersuchung in aller Regel nachweisen beziehungsweise ausschließen kann. Nur in seltenen Fällen ist eine Punktion der Schilddrüse erforderlich. Da Jod eine solche Autoimmunentzündung der Schilddrüse (nach ihrem Endecker Hashimoto benannt) verstärken kann, darf es in diesem Fall nicht eingenommen werden. Im Gegenteil entlastet man hier die Schilddrüse durch Gabe von Schilddrüsenhormon. Ein niedrig-normaler TSH-Wert zeigt eine ausreichende Entlastung an. Inwieweit Stress und Ernährung zusätzlich zu erblichen Faktoren eine Rolle spielen, ist nicht gesichert. Gewisse Effekte halte ich für hochwahrscheinlich, ohne dass es derzeit möglich wäre, alleine durch Änderungen der persönlichen Lebenssituation diese Erkrankung zu kurieren. Therapeutisch empfehle ich, je nach Blutwert Selen zu geben, da es hier zumindest einzelne Studien gibt, die eine Nützlichkeit andeuten. Zudem gibt es einen durchaus plausiblen Wirkmechanismus. Da die Anfälligkeit für Autoimmunerkrankung der Schilddrüse erblich ist, rate ich zu Laborwertkontrollen und gegebenenfalls zu einer Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse bei den engeren Blutsverwandten dieser Patienten.

Auch nach einer Schilddrüsen(teil)entfernung oder einer Bestrahlung der Schilddrüsenregion kann es zur Unterfunktion kommen. Nach Schilddrüsenoperationen ist deshalb in aller Regel die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormon notwendig. Auch eine Schwäche in der Achse Zwischenhirn-Hirnanhangdrüse mit Mangel des die Schilddrüse stimulierenden Hormons TSH kann zu einer Unterfunktion führen. Der erniedrigte TSH-Wert führt nicht selten zur fälschlichen Annahme einer Schilddrüsenüberfunktion. Im Gegensatz hierzu sind die Schilddrüsenhormonspiegel im Blut bei TSH-Mangel jedoch ebenfalls niedrig. Auch bei psychiatrischen und anderweitigen schweren Erkrankungen findet sich gelegentlich ein derartiges Bild. Die Gabe von Schilddrüsenhormon ist hier jedoch zumeist wenig nützlich. Raritäten sind Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion durch Schilddrüsenhormonantikörper, die TSH-Stimulation der Schilddrüse blockierenden Antikörper oder eine primäre Resistenz der Körperzellen gegenüber Schilddrüsenhormonen. Weiterhin gibt es Störungen der Jodaufnahme in die Schilddrüse, der Schilddrüsenhormonproduktion in der Schilddrüse sowie Störungen des Hormontransports in die Körperzellen. Diese Störungen sind genetisch bedingt und fallen in aller Regel bereits im Säuglings- oder Kindesalter auf.

Fazit für Patienten: Müdigkeit, Energiemangel, Überforderungsgefühl können Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sein. Eine solche lässt sich einfach ausschließen. Die Differenzierung verschiedener Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion und die Festlegung der jeweils optimalen Behandlung sind komplizierter. Die verordneten Medikamente sind richtig dosiert nebenwirkungsfrei, da nur Substanzen gegeben werden, die in der eingesetzten Menge ohnehin in einem gesunden Körper vorhanden sind.

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