Mysteriöse Krankheit

Patient fühlt sich beobachtet: Ärzte vermuten Angststörung - doch noch etwas Anderes steckt dahinter

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Typisch für Paranoia sind wahnhafte Vorstellungen - zum Beispiel, wenn man sich beobachtet fühlt.

Alles sprach dafür, dass ein chinesischer Patient unter psychischen Problemen litt. Doch was Mediziner für eine Panikattacke hielten, kristallisierte sich als ganz anderes Problem heraus.

Manche Symptome sprechen ganz klar für eine bestimmte Krankheit. Fieber und Gliederschmerzen sind etwa typische Anzeichen für einen grippalen Infekt. Auch im Fall psychischer Leiden geben bestimmte Anzeichen Hinweise auf die dazugehörige Krankheit. Für Panikattacken sprechen Atemnot, Engegefühl in der Brust, Herzrasen, Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern und Gedanken wie "Das ist ein Herzinfarkt".

Doch nicht immer können sich Ärzte auf den direkten Zusammenhang zwischen Symptomen und Krankheiten verlassen. So geschehen ist das bei einem chinesischen Patienten, dessen Fall auf dem Fachportal "East Asian Archives Of Psychiatry" veröffentlicht wurde.

Mann hat psychische Probleme - angstlösende Medikamente wirken zunächst

Der namentlich nicht genannte Mann war bereits mehrere Male in psychiatrischer Behandlung gewesen, unter anderem wegen Schlafstörungen und paranoider Gedanken. Als er wegen Herzrasen, Ängsten und Kurzatmigkeit in eine Psychiatrie überwiesen wurde, diagnostizierten die behandelnden Mediziner eine vorübergehende psychotische Störung. Die Beschwerden verschwanden durch eine Therapie mit den Medikamenten Risperidon und Citalopram. Die Behandlung schlug an, nach einiger Zeit konnte der Patient die Medikamente wieder absetzen.

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Doch Monate später dasselbe Problem, eine erneute Behandlung mit den beiden Medikamenten begann und die Beschwerden klangen ab. Der Patient nahm die Arzneien ab dem Zeitpunkt deshalb dauerhaft, wie der Spiegel berichtete. Doch sein Zustand spitzte sich zu: Er hörte Stimmen und fühlte sich beobachtet. Auch Zitteranfälle, Herzrasen und Kurzatmigkeit veranlassen die Ärzte, ihn wegen einer Angststörung zu behandeln. Die Behandlung mit Benzodiazepin beginnt - ein Präparat, das ein angstlösende Wirkung entfaltet. 

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Risiko Vorerkrankungen: Gefahr von Fehldiagnosen steigt

Als der Patient zusammenbrach, dachten sie zuerst an eine Panikattacke. Doch dann untersuchten sie ihn eingehender. Ein Elektrokardiogramm des Herzens und eine CT-Aufnahme brachten die Mediziner auf die richtige Spur: Der Mann hatte eine Lungenembolie, bei der ein Blutgerinnsel eine Lungenarterie verstopft, wodurch dahinterliegendes Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Nach der erfolgreichen Behandlung verschlechterte sich sein Zustand aber nochmals, er erlitt einen Herzstillstand. Die Ärzte konnten ihn retten, er bekam einen Herzschrittmacher.

Das Erstaunliche: Nach dem Eingriff erholt sich der chinesische Patient schnell und die psychischen Probleme traten nicht mehr auf. Der Veröffentlichung im "East Asian Archives Of Psychiatry" zufolge hätte eher bemerkt werden sollen, dass keine psychischen, sondern körperliche Ursachen für seinen Zusammenbruch verantwortlich waren. Die früheren Diagnosen hätten aber davon abgelenkt. Die Gefahr von Fehldiagnosen sei vor allem dann extrem hoch, wenn eine langjährige Vorerkrankung besteht.

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Weiterlesen: Langes Objekt: Was dieser Mann 20 Jahre lang im Darm hatte, schockiert zutiefst.

jg

Was tun bei Panikattacken?

Bei immer wiederkehrenden Attacken kann nach Ausschluss körperlicher Ursachen eine psychologische Behandlung sinnvoll sein. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Bei immer wiederkehrenden Attacken kann nach Ausschluss körperlicher Ursachen eine psychologische Behandlung sinnvoll sein. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Regelmäßig für Entspannung zu sorgen kann gegen Panikattacken helfen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Regelmäßig für Entspannung zu sorgen kann gegen Panikattacken helfen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Zum Ausbruch kommen Panikattacken häufig in schwierigen Lebenssituationen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Zum Ausbruch kommen Panikattacken häufig in schwierigen Lebenssituationen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Wer Panikattacken in den Griff bekommen möchte, sollte Entspannungstechniken in seinen Alltag einbauen, Atemtechniken zum Beispiel. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Wer Panikattacken in den Griff bekommen möchte, sollte Entspannungstechniken in seinen Alltag einbauen, Atemtechniken zum Beispiel. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © Christin Klose
Prof. Manfred E. Beutel ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz. Foto: Peter Pulkowski/dpa-tmn
Prof. Manfred E. Beutel ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz. Foto: Peter Pulkowski/dpa-tmn © Peter Pulkowski

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