Knochenschwund tut nicht weh

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Dr. Karsten Wurm

Ein unglücklicher Sturz, ein gebrochener Schenkelhals und danach dauernde Pflegebedürftigkeit – das ist die Schreckensvision vieler älterer Menschen. Die ist nicht unbegründet: „Die Zahl der Schenkelhalsbrüche steigt stark an. Derzeit sind es in Deutschland etwa 160 000 pro Jahr, die überwiegend in Zusammenhang mit Osteoporose und Sturz stehen“, sagt Dr. Karsten Wurm.

Karsten Wurm ist Facharzt für Orthopädie und Osteologe sowie Experte in Sachen Osteoporosebehandlung. Bei Osteoporose geht die natürliche Architektur des Knochens verloren. Normalerweise ist im Knocheninneren ein komplexes Gerüst aus Quer- und Längsbälkchen. Durch den Abbau der Querbälkchen verringert sich die Stabilität. Knochenbrüche sind die Folge.

Defizit an Vitamin D

In Deutschland sind etwa sechs Millionen Menschen an Osteoporose erkrankt, oft ohne es zu wissen: Die Krankheit tut meist nicht weh. Sie wird häufig erst in Zusammenhang mit einem Knochenbruch festgestellt. Osteoporose ist ein Alterungsprozess, der durch verschiedene Faktoren begünstigt wird. Dazu gehört beispielsweise bei Frauen die Zeit nach den Wechseljahren, Bewegungsmangel und ein Defizit an Vitamin D. „Die Bedeutung dieses Vitamins ist lange Zeit unterschätzt worden“, sagt Dr. Wurm. Er rät zu einer Nahrungsergänzung, da fast siebzig Prozent der Bevölkerung an einem Mangel leiden. Rauchen fördert die Erkrankung, ebenso eine Cortisontherapie und genetische Vorbelastung. Die Knochendichtemessung ist bei jeder Frau über siebzig und jedem Mann über achtzig Jahren sinnvoll, bei entsprechenden Risikofaktoren auch früher. Sie gibt indirekt Auskunft darüber, wie porös ein Knochen ist.

Genaue Untersuchung

Zusätzlich erstellt der Spezialist ein Risikoprofil und schließt durch eine spezielle Blutuntersuchung andere Knochenerkrankungen aus, die ebenfalls mit einer verminderten Knochendichte einhergehen. So kann er beurteilen, ob ein Patient an Osteoporose leidet und inwieweit er von einer Behandlung profitieren würde. Das Sturzrisiko spielt für die Behandlung eine große Rolle. Es kann mit einfachen Tests bestimmt werden. Sind diese auffällig, besteht ein erhöhtes Risiko besonders für einen Schenkelhalsbruch. Damit verbunden ist oft der Verlust von Selbständigkeit. Stürze werden begünstigt durch die Abnahme der Muskelkraft, einen Vitamin D-Mangel und die Einnahme von mehr als vier verschiedenen Medikamenten täglich. „Bei älteren Menschen ist das keine Seltenheit“, sagt Dr. Wurm. Muskelkraft kann trainiert, Vitamin D zugeführt und einzelne Medikamente können nach Rücksprache mit dem Arzt häufig reduziert werden. Eine Verbesserung der Stand- und Gangsicherheit kann durch das Training auf speziellen Vibrationsplattformen erreicht werden.

„Egal in welchem Alter: Bewegung ist das A und O.“

Dr. Karsten Wurm Therapeutisch kommen bei Osteoporose Medikamente zum Einsatz, die den Knochenabbau bremsen und den Knochenaufbau fördern können. Art und Dosis werden individuell bestimmt. Dr. Wurm zählt auf die Eigenverantwortung der Patienten. Seine Tipps: Nicht Rauchen, kalziumreiches Mineralwasser trinken, Vitamin D einnehmen und Sport treiben. „Egal in welchem Alter: Bewegung ist das A und O“, sagt der Orthopäde.

Von Ilona Polk

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