Jede Sekunde zählt

Herzstillstand! 112 - Erste Hilfe am Telefon

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Bei einem Herz-Kreislauf-Zusammenbruch müssen Ersthelfer den Bewusstlosen sofort wiederbeleben.

Ein Bewusstloser atmet nicht mehr - was tun? Im Notfall richtig zu handeln ist sehr schwer. Mitarbeiter in den Rettungsleitstellen helfen per Telefon und geben eine Anleitung zur Wiederbelebung.

Wenn in der Rettungsleitstelle das Telefon klingelt und der Anrufer einen Notfall schildert, stellen sich für die Helfer zwei entscheidende Fragen: Ist die Person bewusstlos? Atmet sie noch? Tut sie das nicht, müssen die Disponenten in der Leitstelle handeln - und zwar schnell. „Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Herz-Kreislauf-Zusammenbruch“, sagt Joaquin Kersting, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Traunstein.

Der Ersthelfer vor Ort muss den Bewusstlosen sofort wiederbeleben - die Disponenten geben dabei am Telefon Anweisungen. Inzwischen sind die Anweisungen fast überall in Bayern einheitlich. Seit kurzem gibt es dafür einen Leitfaden im Freistaat.

Notruf 112

Zwar gibt es eine sogenannte Hilfsfrist in Bayern: Das bedeutet, dass innerhalb von zwölf Minuten ein Rettungsteam beim Patienten eintreffen sollte. „Man kann das aber nicht zu 100 Prozent abdecken“, schildert Kersting. Außerdem komme es bei einem Herzstillstand bereits nach drei Minuten zu Schäden am Gehirn. Eine Herzdruckmassage sei deshalb lebenswichtig - und somit auch eine einheitliche Regelung für die präzise Anleitung am Telefon.

Nach drei Minuten Schäden im Gehirn

Vor der Einführung der einheitlichen Anleitung hatten zwar viele Disponenten kritisiert, dass sie mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung auch so die richtigen Anweisungen geben würden, erinnert sich Thorsten Kohlmann vom Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement an der Uni-Klinik in München. Doch ein Test habe gezeigt, dass es trotz des Fachwissens manchmal schwer sei, medizinische Laien in einer solchen Stresssituation anzuleiten.

„Ein Disponent sagte zum Beispiel zum Probanden, er solle den Oberkörper frei machen“, erzählt Kohlmann von einer gescheiterten Übung. Der Ersthelfer habe daraufhin nicht die Reanimationspuppe ausgezogen - sondern den eigenen Pullover.

Reanimation per Telefon

Um solche Missverständnisse auszuschließen, haben Vertreter der Ärzteschaft, des Roten Kreuzes und der Feuerwehr mehr als ein Jahr lang einen Algorithmus entwickelt. Dieser Leitfaden gibt nicht nur die passenden Fragen vor, sondern enthält auch vereinfachte Begriffe für medizinische Laien. So werden die Mitarbeiter in den integrierten Leitstellen durch das Gespräch und die Reanimation geführt.

Vorangegangen war der Arbeitsgruppe eine Empfehlung aus dem Jahr 2010: In ihren Leitlinien hatten die Kardiologenverbände empfohlen, Anrufer bei Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand telefonisch zur Wiederbelebung anzuleiten. Kersting, zugleich Sprecher der Arbeitsgruppe Telefonreanimation Bayern, berichtet, dass mittlerweile fast alle 26 Leitstellen in Bayern über den Algorithmus verfügen. Die wenigen verbleibenden folgten bis zum Sommer. Kerstings erste Bilanz: „Wir haben das Gefühl, dass bei den Patienten weniger Folgeschäden auftreten.“

Ensprechend hält der Münchner Notfall-Spezialist Kohlmann auch die Einführung des Algorithmus auf Bundesebene für sinnvoll: „Es darf keine Rolle spielen, von wo aus man anruft“, sagt er - jeder Ersthelfer müsse die gleiche Hilfestellung bekommen. Ähnlich sieht das auch Michael Hayko von der Leitstelle Mittelfranken-Süd. Seit Dezember sind alle 33 Mitarbeiter dieser Notrufzentrale geschult, 84 Wiederbelebungen begleitete das Team bereits am Telefon. „Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv“, schildert Hayko. Deshalb meint auch er, dass das Modell auf ganz Deutschland ausgeweitet werden sollte - schließlich komme es auf jedes Menschenleben an.

dpa

Kreislaufstillstand 112

Erkennen:

  • Keine Reaktion auf Ansprache und Anfassen (vorsichtiges Rütteln an den Schultern): Bewusstlosigkeit.
  • Keine normale Atmung vorhanden, bzw. bestehen Zweifel daran, dass eine normale Atmung vorhanden ist.

Maßnahmen:

  • Notruf 112 veranlassen bzw. selbst durchführen (falls noch nicht geschehen).
  • Ist ein AED-Gerät in der Nähe, lassen Sie es holen oder veranlassen Sie dies. Schließen Sie das Gerät an den Betroffenen an und folgen Sie den weiteren Sprachanweisungen. Wenn mehrere Helfer vor Ort sind, wird die Herz-Lungen-Wiederbelebung solange durchgeführt, bis das AED- Gerät einsatzbereit ist.
  • 30 x Herzdruckmassage.
  • 2 x Atemspende.
  • Herzdruckmassagen und Atemspenden im Wechsel so lange durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft und die Maßnahmen vor Ort übernimmt und fortführt oder der Betroffene wieder normal zu atmen beginnt.

Erste Hilfe kann Leben retten. Mehr Infos zu Erste Hilfe und Rettung finden Sie beispielsweise beim Deutschen Roten Kreuz.

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