Die Sache mit dem Schlüsselloch

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Die erste minimal-invasive durchgeführte Blinddarmoperation geht auf das Jahr 1981 zurück, die erste laparoskopische Gallenblasenoperation erfolgte 1988. Seit dieser Zeit entwickelten sich die Operationstechniken rasant weiter. Heute werden viele Erkrankungen durch Schlüsselloch-Operationen behandelt werden.

Die so genannte Schlüssellochchirurgie mit kleinen Schnitten und dem Einsatz einer Videokamera verursacht dem Patienten im Vergleich zu konventionellen Operationen weniger Operationsschmerzen. Eine raschere Erholung nach der Operation, kürzere Krankenhausaufenthalte, kürzere Arbeitsunfähigkeit und eine gute Kosmetik sprechen auch für die minimal-invasiven Eingriffe. Diese Techniken werden mittlerweile auf viele Krankheitszustände des gesamten chirurgischen Spektrums angewandt.

Besonders Eingriffe im Bauchraum (Laparoskopie) sind dafür gut geeignet, aber auch Eingriffe im Bereich der kleinen und großen Gelenke (Arthroskopie) bieten hervorragende Therapiemöglichkeiten bei der Diagnostik und Therapie verschiedenster Krankheitsbilder.

Steriles Gas schafft Platz

Um eine möglichst geringe Verletzung von Weichteilen oder Haut zu erreichen, werden drei bis vier kleine Schnitte im Bereich der Bauchdecke gesetzt. Darüber werden Trokare (lange dünne Röhrchen) durch die Bauchdecke geführt. Über diese Arbeitskanäle gelangen eine hochauflösende Videokamera, eine Lichtquelle sowie diverse Spezialinstrumente, wie zum Beispiel die Ultraschall-Schere, zum Operieren in den Bauchraum. Dieser wird nach dem Einbringen der Trokare mit einem sterilen Gas (Kohlenstoffdioxyd) druckgesteuert gefüllt, sodass genügend Platz entsteht, um die Operation durchführen zu können.

Dr. Carsten Bismarck

 „Auf diese Weise bleiben den Patienten große Bauchschnitte erspart. “ Dr. Carsten Bismarck

„Das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar verfügt über minimal-invasive Operationstechniken im Bereich der gesamten Viszeralchirurgie (Eingeweidechirurgie) und Unfallchirurgie / Orthopädie. Ausgedehnte Erfahrungen bestehen dabei in der laparoskopischen Magenchirurgie bei Refluxkrankheiten (Refluxoesophagitis)“, sagt Dr. Carsten Bismarck, Chefarzt der Abteilung für Viszeral- und Unfallchirurgie. Gutartige Erkrankungen des Darmtraktes zum Beispiel Divertikelerkrankungen des Dünndarmes und des Dickdarmes werden ebenso wie bösartige Tumore laparoskopisch operiert.

Wenig belastend

Besonders Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) profitieren von der minimal-invasiven Chirurgie. Die laparoskopische Gallenblasen- oder Blinddarmentfernung gehören ebenso wie das minimal-invasive Operationsvorgehen bei Leisten-, Nabel-, oder anderen Bauchwandbrüchen zum Standardrepertoire. Für Patienten fortgeschrittenen Alters mit Mastdarmvorfall (Rektumprolaps) ist die minimal-invasive Operationstechnik als wenig belastendes Verfahren ebenfalls gut geeignet. Zudem können unklare Herdbefunde (zum Beispiel der Leber) oder vergrößerter Lymphknoten laparoskopisch diagnostisch abgeklärt werden. Bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen oder lymphatischen Erkrankungen kommen laparoskopische Bauchspiegelungen zur Festlegung des Erkrankungsstadiums zum Einsatz, um Therapiekonzepte festlegen zu können. „Auf diese Weise bleiben den Patienten große Bauchschnitte erspart“, so Dr. Carsten Bismarck.

Zugang im Bauchnabel

Neben der Erweiterung des Indikationsspektrums auf große Operationen besteht außerdem das Ziel, vor allem bei häufigen Operationen immer kleiner werdende Zugangswege zu nutzen, um die postoperative Erholung sowie die kosmetischen Aspekte weiter zu verbessern. Dr. Bismarck operiert auch über so genannte Single-Port-Operationszugänge (SILS - single incision laparoscopic surgery). Er erklärt: „Hierbei handelt es sich um eine neue, noch minimal-invasivere Technik, bei der über einen einzigen, sehr kleinen Zugang im Bauchnabel, der später kaum mehr sichtbar ist, die Gallenblase entfernt wird.“ Nicht jeder Patient und nicht jedes Krankheitsbild eignen sich allerdings für die Technik der Schlüsselloch- Chirurgie. Um das passende Behandlungs- und Operationsverfahren zu erstellen, müssen notwendige Untersuchungen veranlasst werden und dem Patient anschaulich das auf ihn zugeschnittene Behandlungskonzept erläutert werden. (nh)

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