Medizin-Apps auf dem Prüfstand: Experten sehen auch Risiken

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Hautarzt aus dem Internet: Medizin-Apps wie "Goderma" können eine sinnvoller Begleiter im Alltag sein. Sie ersetzen aber keinen Arztbesuch. Foto: Daniel Naupold

Puls oder Kalorienverbrauch messen mit dem Smartphone, Migräne-Tagebuch führen via Tablet - das kann hilfreich sein für einen Patienten. Aber bei Diagnose und Therapie allein auf eine App vertrauen? Experten sehen dabei große Risiken.

Bonn (dpa) - Mit der rasanten Zunahme von Gesundheits- und Medizin-Apps für Smartphones und Tablets rücken neben den Vorteilen auch die Risiken stärker in den Fokus. Es bestehe die Gefahr von Fehldiagnosen - besonders, wenn Verbraucher die Programme zur Diagnostik und Therapie-Einschätzung nutzten. Das sagte der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Karl Broich, bei einer Tagung mit 200 Experten in Bonn. Es müsse vorgebeugt werden, dass sich Patienten nicht am Ende allein auf ihre App verließen, statt Arzt oder Apotheker aufzusuchen.

Unter den mehr als drei Millionen Apps gebe es bereits rund 87 000 Angebote für den Bereich Fitness/Wellness und etwa 55 000 medizinische Apps, sagte Hartmut Gehring vom Uniklinikum Schleswig-Holstein. Auch im Klinikalltag würden solche Angebote genutzt, etwa, um die individuelle Dosierung von Medikamenten zu berechnen. Auch bei der Steuerung von OP-Robotern kommen sie laut BfArM zum Einsatz.

Die Grenzen zwischen Apps für den Wellness/Fitness-Bereich und zur medizinischen Anwendung sind laut Bundesinstitut oft nicht klar zu erkennen. Verbraucher müssten darauf vertrauen können, dass Medizin-Apps verlässlich geprüft werden. In punkto Anbieter-Überwachung und Kontrolle sei aber vieles noch ungeregelt, hieß es von Teilnehmern der Konferenz mit Vertretern aus Ärzteschaft, Politik, Industrie, Forschung und Patientenverbänden sowie Juristen.

Die angebotenen Apps decken eine große Bandbreite ab: Puls- oder Blutzuckermessung, elektronische Tagebuch-Führung etwa bei Migräne oder Asthma, auch für Herz- oder Parkinson-Kranke gibt es Angebote. Für die Patienten seien sie ein guter, sinnvoller Begleiter, betonte der Bundesverband Internetmedizin. Der mündige Verbraucher könne seine Behandlung stärker in Eigenregie und daheim mitsteuern - und entscheide letztlich selbst, ob er zusätzlich einen Arzt aufsuche.

Das BfArM sprach auch von Datenschutzrisiken. Wenn zunehmend Patientendaten gesammelt, über Netze übertragen und zentral gespeichert würden, müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für diesen schnell wachsenden Markt weiterentwickelt werden.

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