Tropen-Krankheit

Gefährlicher West-Nil-Virus erreicht Deutschland: Erster Fall in Sachsen schockiert

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Das West-Nil-Virus unter dem Elektronenmikroskop: Im September 2019 wurde der erste Mensch in Deutschland infiziert.

Ein Mann aus Sachsen wurde wegen einer gefährlichen Infektion mit dem West-Nil-Virus im Krankenhaus behandelt. Wie es dem Patienten jetzt geht, erfahren Sie hier.

2018 war eine Schneeeule im Tierpark Wittenberg in Sachsen-Anhalt am West-Nil-Virus verstorben – der erste Fall einer derartigen Infektion in Deutschland. Auch Menschen wurden bereits in Deutschland behandelt, diese hatten sich allerdings im Ausland mit dem Virus angesteckt. Doch die Überträger des West-Nil-Fiebers – in erster Linie mit dem Virus infizierte Stechmücken – verbreiten sich nun auch in Deutschland. Das Robert-Koch-Institut meldet aktuell den ersten Fall der Krankheit, bei dem sich jemand durch eine infizierte Mücke in Deutschland angesteckt hat.

West-Nil-Virus: Darum müssen wir uns in Zukunft besser schützen

Der Mann aus Sachsen wurde im Krankenhaus wegen einer durch das West-Nil-Virus (WNV) ausgelösten Gehirnentzündung behandelt - und ist inzwischen wieder gesund. Das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin wies eine Infektion mit WNV nach. Und das wird wohl nicht der einzige Fall bleiben.

"Das Risiko weiterer Fälle nimmt derzeit ab, da die Zahl der Mücken im Herbst zurückgeht. In den kommenden Sommern müssen wir jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen", sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), in einer Pressemitteilung: "Glücklicherweise verläuft der Großteil der Fälle mild."

Video: Erste Erkrankung mit dem West-Nil-Virus

Hirnhautentzündung kann zum Tod führen

Das West-Nil-Virus wurde in Afrika entdeckt und breitet sich unter anderem wegen Klimaveränderungen und Tourismus auf dem gesamten Erdball aus. Vor allem durch Zugvögel und Stechmücken gelangt das Virus auch in nördliche Gefilde. Beim Menschen verlaufen dem RKI zufolge 80 Prozent der Infektionen ohne Symptome, bei den restlichen 20 Prozent kommt es zu Fieber, Hautausschlag oder anderen Beschwerden, die oft nicht direkt einer bestimmten Krankheit zuzuordnen sind.

Bei unter einem Prozent der Betroffenen führt eine Infektion mit dem West-Nil-Virus zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis). Vor allem bei älteren oder chronisch kranken Menschen können diese Ausprägungen l ebensbedrohliche Folgen haben.

Mehr zum Thema Hirnhautentzündung: Mallorca-Urlaub: Wer folgende "Delikatesse" verspeist, riskiert Infektion mit gefährlichem Parasiten.

West-Nil-Virus-Risikogebiete: Auch Bayern zählt dazu

Impfstoffe gegen das Virus gibt es noch nicht, Infektionen lässt sich nur durch Mückenschutz vorbeugen. Bereits seit 2018 empfiehlt das RKI Ärzten in betroffenen Regionen - darunter fallen Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg - Patienten mit Hirnentzündungen unklarer Herkunft auf West-Nil-Viren untersuchen zu lassen. Auch bei Fieber mit und ohne Hautausschlag könnte das West-Nil-Virus die Ursache sein, wie das Robert Koch-Institut warnt.

Lesen Sie auch: Studie deckt auf: Darum werden Sie ständig von Mücken gestochen - und andere gar nicht.

jg

Blutrünstige Plagegeister: Kleine Mückenkunde

Je feuchter und wärmer der Sommer, desto besser vermehren sich Mücken. Eine Pfütze reicht ihnen schon. Doch nur die Weibchen stechen zu. Eine kleine Mückenkunde: © dpa
Warum stechen Mücken? Stechmücken ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Für die Reifung der Eier bei der Vermehrung braucht das Weibchen allerdings eiweißreiche Nahrung. Nur darum saugt es Blut - bei Tier und Mensch. © dpa
Ein Mückenweibchen kann nach einer Blutmahlzeit bis zu 300 Eier legen. Die Vermehrung von Mücken ist temperaturabhängig und dauert im Sommer nur wenige Tage. © dpa
Mückenweibchen besitzen für das Blutsaugen einen hochspezialisierten Rüssel. Beim Blutsaugen wird Speichelflüssigkeit abgegeben, die unter anderem die Stichstelle betäubt. Das Speichelsekret wird in der Regel erst nach dem Stich vom Immunsystem des Gestochenen erkannt. Es löst den Juckreiz und kleine Schwellungen aus. © dpa
Können Mücken Krankheiten übertragen? Für unsere Breiten ist das nicht bekannt. Vor allem in den Tropen gelten Mücken aber als Überträger zahlreicher Krankheitserreger wie Viren, Einzeller und Fadenwürmer. © dpa
Gefährliche Krankheiten, die mit Stechmücken in Zusammenhang stehen, sind die Malaria oder das Gelbfieber. Doch nicht jede Mückenart kann jeden Erreger übertragen. © dpa
Wie schützt man sich am besten vor Mücken?Wer keine Plagegeister mag, sollte auf dünne Kleidung und nackte Haut verzichten. Da viele Mückenarten die Schwüle und die Dämmerung lieben, empfiehlt es sich, im Haus zu bleiben. Dort können Fenstergitter Mücken fernhalten. Haut mit natürlichen und synthetischen Abwehrstoffe einschmieren oder auch damit die Kleidung imprägnieren.  © dpa
Oberstes Gebot ist beim Mückenstich: nicht kratzen! Durch das Kratzen verlängert sich nicht nur der Heilungsprozess, sondern es kann auch zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen, die sich zu bösen Entzündungen entwickeln können. Durch Einreiben mit alkoholischen Lösungen kann man die Stichwunde desinfizieren. Kühlung hilft, den Juckreiz zu unterdrücken. Nach einigen Tagen sollten Juckreiz und Quaddel verschwunden sein.   © dpa

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