Zahl der Erkrankten hat sich verdreifacht

Gefährliche Schwangerschaftsdiabetes frühzeitig erkennen

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Die Schwangerschaftsdiabetes, auch Gestationdiabetes genannt, zählt in Deutschland zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen. Etwa vier bis fünf Prozent der schwangeren Frauen sind davon betroffen.

Demnach konnte bei rund 29.100 von insgesamt 658.000 Schwangeren eine Diabetes diagnostiziert werden. Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der in den letzten 10 Jahren mehr als verdreifacht hat. Die Ursachen für die Erkrankung sind teilweise noch unklar, doch fest steht – eine frühe Diagnose ist entscheidend.

Echter Insulinmangel als Ursache für Gestationdiabetes

Welche Ursachen es für die Diabetes während der Schwangerschaft gibt, ist medizinisch und klinisch noch nicht abschließend geklärt. Teilweise wird davon ausgegangen, dass bei einigen Frauen schon vor
der Schwangerschaft eine genetische Veranlagung zur Diabeteserkrankung vorgelegen hat.

Da es sich bei der Gestationdiabetes um eine Glukosetoleranzstörung handelt, kommt am ehesten ein gesteigerter Insulinbedarf beziehungsweise eine verstärkte Insulinresistenz als Ursache für eine Schwangerschaftsdiabetes in Betracht. Das begründet sich im Wesentlichen durch den bei einer Schwangerschaft entstehenden erhöhten Energiebedarf. Um diesen zu decken, muss der Körper mehr Glukose produzieren. Das bedeutet, dass die Pankreas (Bauchspeicheldrüse) mehr Insulin freisetzen muss, damit vermehrt Glukose in die Zellen transferiert werden kann. Allerdings ist wie bei Diabetes Melitus Typ-2 nicht jede Bauchspeicheldrüse in der Lage genügend Insulin zu produzieren, um den Energiemangel zu decken. Die Folge ist ein sogenannter echter Insulinmangel.

Schwangerschaftsdiabetes aufgrund relativem Insulinmangel

Außerdem konnte bei umfangreichen Studien eine Kausalität zu der bei einer Schwangerschaft
üblichen hormonellen Umstellung nachgewiesen werden. So kommt es im ersten Trimester, also dem ersten Drittel der Schwangerschaft zu einer verstärkten Ausschüttung von Hormonen wie HGC und HPL, was zu einer Sensibilisierung der Zellen auf Insulin führt. Allerdings kommt es im zweiten sowie
dritten Trimester zu hormonellen Wechselwirkungen von Östrogen, humanem Plazentalaktogen und Insulin.

Das heißt, die Zusammensetzung der körpereigenen Hormone ändert sich, worauf die Zellen
mit einer erhöhten
Insulinresistenz reagieren, Obwohl genügend Insulin vorhanden ist, kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht senken. Es entsteht ein sogenannter relativer Insulinmangel.

Risikofaktoren für eine Schwangerschaftsdiabetes

Medizinisch gesichert ist, dass bestimmte Risikofaktoren wie unter anderem das Alter der Patientin (höheres Diabetesrisiko ab 35 Jahre), Bewegungsmangel, falsche Ernährung sowie Übergewicht (BMI > 30) beziehungsweise Adipositas die Entwicklung von Gestationdiabetes begünstigen. Ebenso konnte mittlerweile ein Zusammenhang zwischen Schlaf-Apnoe-Syndrom und Schwangerschaftsdiabetes labortechnisch nachgewiesen werden.

Typische Symptome

Das Problem bei einer Schwangerschaftsdiabetes ist das Fehlen einer eindeutigen Symptomatik, wie sie bei einer normalen Blutzuckererkrankung üblicherweise auftritt. Demnach leiden schwangeren Frauen weder an übermäßigem Durst oder starkem Harndrang, was normalerweise Rückschlüsse auf eine Diabetes zulassen würde.

In den meisten Fällen wird eine Gestationdiabetes erst nach der 25. Schwangerschaftswoche durch einen Zuckerbelastungstest entdeckt. Auch auffällige Ultraschallaufnahmen, bei denen ein übermäßiges Wachstum oder ein zu hohes Gewicht des Fötus erkennbar ist, lässt in den meisten Fällen auf eine Blutzuckerstörung schließen.

Frühzeitige Diagnose entscheidend

Generell besteht die Gefahr, dass die Schwangerschaftsdiabetes aufgrund fehlender Symptomatik übersehen wird, was sowohl für die Mutter als auch für das Kind schwerwiegende Folgen haben kann. Daher wir jeder Schwangeren empfohlen, zwischen der 25. und 28. Schwangerschaftswoche ein sogenanntes Screening durchführen zu lassen.

Dabei muss die werdende Mutter 50 Gramm Glukoseflüssigkeit zu sich nehmen. Nach etwa einer Stunde wird dann der Glukosewert im Blut bestimmt. Ist eine Überschreitung der Norm gegeben, bringt ein Glukosetoleranztest Klärung. Werden auch hier die Toleranzwerte überschritten, muss ein Diabetologe hinzugezogen werden.

Folgen für Mutter und Kind

Bleibt die Zuckererkrankung unerkannt und somit unbehandelt, kann das gravierende Folgen für Mutter und Kind haben. So weisen fast 40 Prozent der Neugeborenen bei einer unbehandelten Diabetesschwangerschaft die Symptome einer Fetophatie auf. Das bedeutet, dass das Kind abnorm groß und schwer ist (4,5 Kilo, teilweise auch mehr). Zudem sind bei dem Kind deutliche Entwicklungsrückstände erkennbar. Insbesondere die Lunge ist in vielen Fällen betroffen, so dass ein Atemnotsyndrom nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Hauptgefahr mütterlicherseits besteht in einem massiven Kreislaufversagen mit Ödembildung, Nierenfunktionsstörung sowie Bluthochdruck. Auch eine unter Umständen tödlich verlaufende Eklampsie kann nicht ausgeschlossen werden. Nicht selten kommt es dann zu einer Fehlgeburt.

Therapieansätze

Wird eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert, hilft in den meisten Fällen eine Ernährungsumstellung in Verbindung mit viel Bewegung, um den Blutzuckerhaushalt zu korrigieren. Ansonsten muss Insulin verabreicht werden. Dazu sollte sich die Patientin unter die Kontrolle eines diabetologisch ausgebildeten Arztes begeben.

Entscheidend ist jedoch die Diagnose der Erkrankung, damit eine Behandlung erfolgen kann. Das haben auch die Krankenkassen, wenn auch ziemlich spät erkannt und haben den Test in ihr Leistungspaket aufgenommen. Mittlerweile gehört der Test zur Routineuntersuchung. Durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung, sowie körperliche Bewegung , wie zum Beispiel Aqua-oder Schwangerschaftsgymnastik, kann eine Schwangerschaftsdiabetes oft schon im Vorfeld verhindert werden.

Mehr Informationen zu Schwangerschaftsdiabetes unter: euroClinix, Deutsche Diabetes Gesellschaft, DiabetesDe

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