Infektion mit Sars-CoV-2

Coronavirus-Pandemie: Desinfektionsmittel ausverkauft? So stellen Sie es selbst her

Händedesinfektionsmittel sind derzeit häufig ausverkauft. Viele Menschen gehen davon aus, dass sie wichtig sind im Kampf gegen das Coronavirus.
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Händedesinfektionsmittel sind derzeit häufig ausverkauft. Viele Menschen gehen davon aus, dass sie wichtig sind im Kampf gegen das Coronavirus.

Desinfektionsmittel sollen Viren und Bakterien abtöten und so vor Krankheiten schützen. Doch in Hinblick auf das Coronavirus herrschen besondere Empfehlungen.

Wer sich mit Desinfektionsmitteln eindecken will, wird zurzeit entweder vor leeren Regalen stehen oder sich mit überteuerten Preisen konfrontiert sehen. So berichtet ein Merkur-Leser von massiv überhöhten Preisen für Handdesinfektionsmittel. Nicht nur im Einzelhandel, auch auf Online-Marktplätzen wie Amazon oder Ebay kursieren horrende Preise. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz von Desinfektionsmitteln in Hinblick auf die Ausbreitung von Coronavirus-Infektionen wirklich?

Coronavirus-Infektion vorbeugen: Ist Händedesinfektion wirklich sinnvoll?

Dr. Christoph Spinner, Infektiologe im Klinikum Rechts der Isar in München, weist darauf hin, dass Desinfektionsmittel nicht zwingend notwendig sind. "Auch Seife inaktiviert in der Regel fast alle atemwegsübertragbaren Erkrankungen. Die Handdesinfektion hilft natürlich zusätzlich dabei, ist aber außerhalb des Gesundheitswesens nicht zwingend erforderlich", sagte der Mediziner im Interview mit Focus Online. 

In der Regel genügt im Alltag also gründliches Händewaschen*, um krankmachende Viren – sei es Corona- oder Influenza-Viren* – unschädlich zu machen. Doch darüber hinaus könne bei infektanfälligen Menschen eine Händedesinfektion sinnvoll sein, wie das Fachportal PTA heute berichtete. Auch Risikogruppen wird empfohlen, diese Schutzmaßnahme zu ergreifen. Zu besonders gefährdeten Gruppen zählen:

  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck*
  • Diabetiker
  • Personen mit Atemwegserkrankungen wie Asthma
  • Krebs-Patienten

Nicht nur eine gute Händehygiene zählt zu den wichtigsten Schutzvorkehrungen*, die vor einer Coronavirus-Infektion schützen. Ebenfalls sollten Sie mindestens einen Meter Abstand zu kranken Menschen halten und den Besuch von Risikogebieten meiden

Mehr zum Thema: Schützt eine Mundschutzmaske vor einer Coronavirus-Infektion? Wer sie tragen sollte.

Desinfektionsmittel geeignet für Menschen mit Vorerkrankungen und medizinisches Personal

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten sieht Berichten des Bayerischen Rundfunks (BR) zufolge keine Notwendigkeit für gesunde Menschen, im Alltag Desinfektionsmittel anzuwenden. Der BR zitiert Lars Schaade, Vizepräsident des RKI, der großflächige Desinfektionen nur im Umgang mit Patienten und in Krankenhäusern als sinnvoll erachtet. Ansonsten sei die Wahrscheinlichkeit, "dass man irgendwo auf das Virus trifft und das mit der Hand aufnimmt*, nicht sehr groß".

Wer aufgrund von Vorerkrankungen wie Krebs oder Asthma zur Risikogruppe zählt oder Kontakt zu immungeschwächten Menschen hat, für den sei der Gebrauch von Desinfektionsmitteln allerdings sinnvoll. Um die Struktur der Coronaviren (auch SARS-CoV-2 genannt) zu zerstören, müssen zur Händedesinfektion Ethanol-basierte Mittel mit einem Gehalt ab 62 Prozent Ethanol angewandt werden. Auch Alkohol-basierte Händedesinfektionsmittel auf Propanol-Basis mit der Deklarierung "begrenzt viruzid" seien PTA heute zufolge wirksam. Mittel mit dem Wirkungsbereich "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid" seien ebenfalls geeignete Desinfektionsmittel, wie das RKI meldete. Dagegen wirken Produkte mit der Kennzeichnung "antibakteriell" nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren.

Ein ausreichender Schutz steht und fällt allerdings mit der richtigen Anwendung. Mindestens drei Milliliter Handdesinfektionsmittel werden benötigt, um Viren unschädlich zu machen. Damit sollten die Hände komplett benetzt und danach an der Luft getrocknet werden.

Lesen Sie auchCoronavirus und Grippe im Vergleich: So unterscheiden sich die beiden Viruskrankheiten.

Im Video: So einfach können Sie Desinfektionsmittel selbst herstellen

Händedesinfektionsmittel selber machen

Sind keine Fertigpräparate zur Händedesinfektion erhältlich, können einige Apotheken diese selbst herstellen. Der Weltapothekerverband FIP verweist hier auf zwei von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Rezepturen bestehend einmal aus Ethanol, Wasserstoffperoxid, Glycerol und Wasser oder Isopropanol, Wasserstoffperoxid, Glycerol und Wasser.

Doch man kann Händedesinfektionsmittel auch selbst herstellen. Wie SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) berichtet, empfiehlt sich selbstgemachtes Desinfektionsmittel nur als Notlösung, da es die Haut weit mehr austrocknet als käufliche Händedesinfektionsmittel. Dies fördere auch die Entstehung von allergischen Reaktionen. Andreas Widmer, Leiter Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, gibt eine Anleitung: "Acht Deziliter Alkohol (Ethanol) und zwei Deziliter abgekochtes Wasser dazu. Wenn Sie noch etwas Glycerin dazugeben, schützen Sie die Haut. Alkohol löst das Hautfett heraus".

Quellen: www.ptaheute.de; www.rki.de; www.br.de; www.deutsche-apotheker-zeitung.de; www.srf.ch; www.focus.de; www.derwesten.de

Umfrage zum Thema

Weiterlesen: Gefährlicher Medikamenten-Engpass in Deutschland? Coronavirus-Pandemie mit gravierenden Folgen.

jg

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Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
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