Günstiges Arzneimittel

Antidepressiva als Schutz vor schweren Coronavirus-Infektionen: Deutsche Forscher mit neuer Therapie-Option

Apotheker vor Medikamenten-Schublade
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Weltweit kommen Medikamente „off-label“ gegen Covid-19 zum Einsatz – vielleicht auch schon bald ein Antidepressivum?

Ein Wirkstoff in Antidepressiva stoppt die Vermehrung von Coronaviren in menschlichen Zellen: Würzburger Forscher kommen in einer Studie zu vielversprechenden Ergebnissen.

  • Seit fast einem Jahr sind Mediziner auf der Suche nach wirksamen Medikamenten gegen Covid-19. Doch nur ein Arzneimittel ist bislang speziell für die Behandlung von Corona-Patienten zugelassen worden: Remdesivir. Neue Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lassen allerdings erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit des Medikaments* aufkommen.
  • Zum einen wird an neuen Corona-Medikamenten geforscht, allerdings werden auch bereits gegen andere Krankheiten zugelassene Arzneimittel an Covid-19-Patienten erprobt – mit teilweise sehr gutem Erfolg.
  • Virologen und Chemiker der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) kamen in einer aktuellen Studie zu der Schlussfolgerung, dass auch eine Substanz in Antidepressiva die Verbreitung von Coronaviren hemmen kann.

Malaria- und HIV-Medikamente sowie blutverdünnende Substanzen wie Acetylsalicylsäure in Aspirin haben in Studien Wirkung gegen Covid-19 gezeigt. Weltweit setzen Ärzte Medikamente „off-label“ gegen Corona ein, obwohl es ein speziell gegen Sars-CoV-2 zugelassenes Arzneimittel auf dem Markt gibt: Remdesivir. In einer weltweiten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) initiierten Testreihe – dessen Ergebnisse der Deutschen Presseagentur dpa zufolge noch von Wissenschaftlern geprüft werden müssen – zählte das Präparat allerdings zu den Corona-Medikamenten mit wenig oder keinem Nutzen.

So setzen Forscher weiterhin ihre Hoffnungen auf „off-label“ angewendete Präparate. Mit „off-label-use“ ist sinngemäß „nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch“ gemeint: Arzneimittel werden gegen eine Krankheit (in dem Fall Covid-19) eingesetzt, für deren Behandlung sie keine Genehmigung vonseiten der Zulassungsbehörden haben. Ein neuer vielversprechender Kandidat gegen Corona ist Würzburger Forschern zufolge der Wirkstoff Fluoxetin, ein gegen Depressionen eingesetzter Arzneistoff.

Antidepressiva gegen Corona: „Fluoxetin hemmt SARS-CoV-2 bereits in einer sehr geringen Konzentration“

Forscher am Institut für Virologie und Immunbiologie am Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hatten in einer Studie geprüft, wie Coronaviren auf den Arzneistoff Fluoxetin reagieren. Dazu hatten die Wissenschaftler im Labor menschliche Zellen mit dem Wirkstoff in Kontakt gebracht – in Konzentrationen, wie sie üblicherweise bei der Therapie von Depressionen eingesetzt werden. Anschließend wurden die Zellen mit SARS-CoV-2 infiziert, wie aus einer Pressemitteilung der JMU hervorgeht. Die Ergebnisse sind vielversprechend: „Fluoxetin hemmt SARS-CoV-2 bereits in einer sehr geringen Konzentration“, so Studienleiter Prof. Dr. Jochen Bodem vom Institut für Virologie und Immunbiologie an der JMU. Da Fluoxetin die Vermehrung der Viren vom Typ SARS-CoV-2 deutlich hemmen würde, biete sich der Einsatz des Arzneistoffes besonders bei Risikogruppen im frühen Stadium der Covid-19-Erkrankung an, wie die Wissenschaftler in ihrer Studie erklären.

Sie konnten nachweisen, dass Fluoxetin die Proteinexpression im Coronavirus hemmt und es so daran hindert, Bausteine zu bilden, die es für die Vermehrung in menschlichen Zellen benötigt. Die Forscher um Bodem weisen auch darauf hin, dass Fluoxetin sehr speziell auf Viren vom Typ Sars-CoV-2 anspricht. Bei anderen Viren konnten die Wissenschaftler keine Effekte beobachten. „Es spricht also alles dafür, dass Fluoxetin virusspezifisch wirkt, dennoch muss die Wirkung im Erkrankten bestätigt werden“, so der Virologe. Was ebenfalls für Fluoxetin als Mittel gegen Corona spricht: Medikamente mit dem Wirkstoff werden seit mehr als 40 Jahren eingesetzt, sind relativ günstig und Fluoxetin hemmt die Zytokin-Ausschüttung. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Zur Studie

Weiterlesen: Zytokinsturm als Grund für gefährliche Covid-19-Verläufe - das steckt dahinter.

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Annette Bernjus leitet Achtsamkeitsübungen an, wenn sie mit den Teilnehmern ihrer Kurse so wie hier im Wald unterwegs ist. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto
Annette Bernjus leitet Achtsamkeitsübungen an, wenn sie mit den Teilnehmern ihrer Kurse so wie hier im Wald unterwegs ist. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
Zum Themendienst-Bericht von Bernadette Winter vom 22. August 2018: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Foto: Anja Lehmann/Immanuel Krankenhaus Berlin
Zum Themendienst-Bericht von Bernadette Winter vom 22. August 2018: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin. Foto: Anja Lehmann/Immanuel Krankenhaus Berlin © Anja Lehmann
Wer im Wald "badet", soll nicht nur die Geräusche des Waldes bewusst aufnehmen, sondern die Umgebung auch mit den anderen Sinnen erleben. Foto:Manfred Bernjus/embe-Foto
Wer im Wald «badet», soll nicht nur die Geräusche des Waldes bewusst aufnehmen, sondern die Umgebung auch mit den anderen Sinnen erleben. Foto:Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
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Einfach mal einen Baum umarmen: Annette Bernjus leitet die Teilnehmer ihrer Seminare an, die Natur wieder bewusster wahrzunehmen. Foto: Manfred Bernjus/embe-Foto © Manfred Bernjus
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