Aus dem Gleichgewicht: Mit psychischen Krisen umgehen

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Freunde und Angehörige sollten Betroffene in psychischen Krisen nicht allein lassen. Foto: Diagentur

Nach einem schlimmen Ereignis gerät die eigene Welt oftmals aus den Fugen. In der Fachsprache wird das akute psychische Krise genannt. Professionelle Hilfe brauchen Betroffene nicht unbedingt, wohl aber die Unterstützung von Freunden und Angehörigen.

Berlin (dpa/tmn) - In einer akuten psychischen Krise brauchen Betroffene nicht immer professionelle Hilfe. Wichtig ist, dass sie von Freunden und Angehörigen nicht alleine gelassen werden.

Das rät Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Sie sollten Unterstützung signalisieren, Gespräche anbieten und möglichst ein Gefühl von Sicherheit vermitteln. Belastungen und Stress vermeidet man möglichst.

Es kann helfen, Betroffene "anzuregen und dabei zu begleiten, das zu tun, was ihnen aus ihrer Erfahrung heraus gut tut", empfiehlt Hauth. Das könne ein Spaziergang sein, aber auch die Wohnung aufräumen oder etwas kochen. Von Entspannungsübungen rät Hauth ab: Denn dabei konzentriert man sich noch mehr auf sein Inneres, was zu noch mehr Anspannung führen kann.

Verlust, Vereinsamung oder ein großer Umbruch - solche Ereignisse können Menschen in eine psychische Krise stürzen. Bei Betroffenen löst entweder ein Schock oder eine andauernde Belastung etwa Angst, Aggressivität, Verwirrtheit oder sogar Halluzinationen aus. "Eine akute Krise beinhaltet den Verlust des inneren Gleichgewichts, den Menschen verspüren", erklärt Hauth.

In einer akuten Krise sind oft Denken und Fühlen gestört. Die Gedanken drehen sich im Kreis und können nicht zu Ende gebracht werden. Manche können die eigenen Gefühle gar nicht wahrnehmen oder sie sind so stark, dass man sie nicht unter Kontrolle bekommt. Wut, Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer oder Einsamkeit wirken übermächtig und bedrohlich.

Bekommt man diese Situation nicht ohne professionelle Hilfe in den Griff, können Betroffene sich an verschiedene Anlaufstellen oder auch Beratungshotlines wenden:

- Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes vor Ort

- psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen

- psychiatrische Institutsambulanzen

- Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie

- Ärztlicher (psychiatrischer) Bereitschaftsdienst unter der EU-weiten Telefonnummer 116117

- anonyme Telefonseelsorge (kostenlos) unter 0800 1110111 oder 0800 1110222

Bei einem Zusammenbruch sollte der Notarzt gerufen werden, oder man sucht die Notfall-Ambulanz einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Internet.

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