Nahrungsmittelallergien treten besonders im frühen Kindesalter auf

Atemnot nach dem Apfel

Offenbach-Post

Achim - BREMEN/SYKE n Lebensmittelallergie  – gibt es das? Um es vorwegzunehmen, das gibt es. Jeder hat es selbst oder bei anderen erlebt, dass nach Genuss von Erdbeeren oder Erdnüssen, vielleicht auch Lachs, Beschwerden auftreten. Dabei kann es nur zu einer Schwellung der Lippen, zu einem juckenden Hautausschlag oder aber auch zu einem Asthmaanfall kommen.

Abgesehen von diesen Beispielen, wo der Zusammenhang zwischen Nahrungsaufnahme und Symptomen eindeutig erscheint, ist das Problem viel schwerer zu fassen. Man spricht deswegen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Diese werden in Nahrungmittelintoleranzen (NMI) und Nahrungsmittelallergien (NMA) unterschieden. Intoleranzen sind sehr viel häufiger.

Nahrungsmittelallergien treten besonders im frühen Kindesalter auf und verschwinden spontan mit zunehmendem Alter. Die Häufigkeit bei Kindern wird auf etwa 5 %, bei Erwachsenen auf 1 % geschätzt. Demgegenüber klagen etwa 20 % der Erwachsenen in Industrienationen über Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Meist ist es keine Allergie.

Die häufigste Nahrungsmittelintoleranz in der westlichen Welt ist die gegenüber Milchzucker. Es besteht ein Mangel an dem Ferment, das Milchzucker (Lactose) in der Dünndarmwand spaltet. Dadurch kommt es nach Genuss von Milch zu Blähungen, Bauchkrämpfen und Durchfall. Eine ähnliche Krankheit gibt es bei Fruchtzucker- (Fructose-) intoleranz. Es ist eine Krankheit durch einen Stoffwechseldefekt, keine Allergie.

Andere Nahrungsmittelintoleranzen entstehen durch quasi allergische Reaktionen. Dies ist eine chemisch vermittelte Reaktion der Mastzellen mit ähnlichen Beschwerden wie bei Nahrungsmittelallergien. Bekannt ist die Unverträglichkeit von Glutamat, das als Gewürz und Geschmacksverstärker gern chinesischem Essen zugesetzt wird. Dazu gehört auch die Histaminintoleranz. Histamin befindet sich in vielen Lebensmitteln.

Allergische Reaktionen auf Lebensmittel sind eher selten. Sie können milde Reaktionen bis zu lebensbedrohlichen Erkrankungen hervorrufen. Es handelt sich um Überempfindlichkeitsreaktionen, die durch Eiweißstoffe ausgelöst werden. Sie sind wenig erforscht und schlecht zu diagnostizieren.

Nahrungsmittelallergien können ein buntes Spektrum an Beschwerden hervorrufen. Es sind Beschwerden an den Atmungsorganen zu nennen. Dann gibt es die Reaktionen an der Haut. Jeder kennt die „Nesselsucht”. Dabei kommt es zu juckenden Quaddeln. In schweren Fällen kann eine Schwellung des Gesichtes, der Lider, der Lippen, schlimmer auch der Zunge und des Kehlkopfes mit schwerer Atemnot entstehen. Schließlich gibt es eine Vielzahl von Beschwerden am Verdauungstrakt.

Da Allergien dem Alles-oder-Nichts-Gesetz folgen, sind auch durch kleinste Mengen des auslösenden Stoffes schwerste Krankheitserscheinungen wie ein Schock auszulösen.

Die Erscheinungen am Magen-Darm-Trakt sind wesentlich schlechter zu fassen und zu erforschen als die Reaktion der Haut und Atemwege. Zum einen sind die Beschwerden am Magen-Darm-Trakt meist sehr unspezifisch. Deswegen ist der Arzt aufgefordert, bei Verdacht auf Nahrungsmittelallergien andere Erkrankungen auszuschließen. Das gilt für spezielle Darmentzündungen, die genannten Stoffwechseldefekte, Krebserkrankungen und viele andere. Es fehlt ein spezifisches Messsystem, das beweisen könnte, dass Bauchbeschwerden auf eine Nahrungsmittelallergie zurückzuführen sind. Hautteste, Inhalaltionsteste, Blutuntersuchungen, die bei Hautreaktionen, Heuschnupfen, Asthma funktionieren, helfen meist nicht. Methoden, allergische Reaktionen des Darmes zu messen, sind höchst unpraktikabel.

Die wichtigste Nahrungsmittelallergie ist die Zöliakie. Dabei besteht eine Unverträglichkeit gegenüber einem Eiweißstoff (Gluten) des Weizens, der sich auch in anderen Getreidesorten finden kann. Durch die allergische Reaktion im Dünndarm wird dessen Oberfläche zerstört, und es kommt bei Kindern zu schwersten Mangelerscheinungen und Durchfall. Bei Erwachsenen gibt es auch milde Verlaufsformen.

Wenn wir keine guten Testmethoden haben, wie soll man dann eine Nahrungsmittelallergie erkennen? Nach dem Ausschluß anderer Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes ist eine Eliminationsdiät und dann eine Provokation sinnvoll. Dabei wird zuerst versucht, das entsprechende Nahrungsmittel wegzulassen. Typische allergene Speisen sind Milch, Ei, Nüsse, Muscheln, Fisch, bestimmte Obst- und Gemüsesorten. Das hört sich leicht an, ist aber schwer durchzuführen. Unter ärztlicher Aufsicht kann dann ein Provokationsversuch folgen. Dann sind Allergietests zu erwägen.

In der Behandlung ist der Verzicht auf die verantwortliche Nahrung anzustreben. In bestimmten Fällen sind Medikamente hilfreich.

Von Dr. Bernd Rühlmann

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