Eine bleibende Erinnerung - Grabsteine werden individueller

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In ihrem Buch "Gestatten Sie, dass ich liegen bleibe" zeigen die Autoren Thorsten Benkel und Matthias Meitzler einige individuell gestaltete Grabstätten. Foto: Thorsten Benkel & Matthias Meitzler

Ein schlichter Grabstein, Geburts- und Sterbedatum - so war das früher häufig. Heute werden Gräber zu personalisierten Gedenkstätten, sagt ein Experte. Das sagt viel über unsere Gesellschaft.

Essen (dpa) - Auf einem Grab erinnert eine große Gitarre an den Verstorbenen, auf einem anderen hat der Grabstein die Form eines Mobiltelefons. Auch lebensgroße Fußballspieler oder ein Auto mit eingraviertem Nummernschild findet man auf den Friedhöfen im Land.

Es sind außergewöhnliche Denkmäler, die Angehörige für ihre geliebten Verstorbenen gesetzt haben. Das sei ein Trend, sagt Matthias Meitzler, der als Soziologe unter anderem in Essen forscht. Die Lebenswelt des Verstorbenen zeige sich viel stärker als früher in der Gestaltung des Grabs.

Fotos von mehreren tausend Grabstätten hat Meitzler gesammelt und untersucht. Der 29-Jährige promoviert in Frankfurt im Fach Thanatosoziologie, einem Bereich der Soziologie, der sich mit der sozialen Bedeutung von Tod und Sterben auseinandersetzt. Eines seiner Themen: Friedhoftrends.

Statt eines unauffälligen Grabs, das in ein einheitliches Bild des Friedhofs passt, werde ein Ort des Erinnerns geschaffen. Vielen Hinterbliebenen sei es wichtig, dass das Grab individuell auf den Verstorbenen abgestimmt ist und auffällt. Ein rätselhafter Spruch, ein Lebensmotto oder eine BVB-Kappe auf dem provisorischen Holzkreuz drücken Lebensleistung, Hobby und Persönlichkeit aus.

Mit der Tendenzen zur Individualisierung verschwinden traditionelle Grabsteine vor allem in Regionen, in denen die Kirche keine große Rolle mehr spielt. Religiöse Symbole werden durch weltliche ersetzt: eine Rose anstelle eines Kreuzes, ein Songtext statt eines Bibelverses, das Foto des Verstorbenen statt Jesu Antlitz.

Personalisierte Grabgestaltung müsse nicht heißen, dass die Umsetzung teuer und die Pflege aufwendig werde. Im Gegenteil, sagt Meitzler. "Insgesamt sind viele Gräber im Zeichen des Pragmatismus gestaltet." Auch preiswerte Steinplatten können mit Bildern von Tieren, Symbolen oder Sprüchen verziert werden. QR-Codes machen es möglich, in die virtuelle Welt der Trauer im Internet zu wechseln.

Auch die Bestattungsformen sind vielfältiger geworden. Neben Feuer und Erdbestattung werden Möglichkeiten geboten, Urnen im Wald oder auf dem Meeresgrund beizusetzen. "Seit einigen Jahren sehen wir den Wunsch nach der besonderen Beisetzung, die auch dem Lebensgefühl und der Einstellung des Verstorbenen entspricht", bestätigt Karl-Heinz Könsgen, Geschäftsführer der Deutschen Friedhofsgesellschaft. Ein Weinkenner suche sich eine Grabstätte auf dem Weinberg aus. Tierfreunde könnten sich seit diesem Jahr sogar mit ihrem Tier beisetzen lassen.

Inwiefern sich die Friedhofskultur in den nächsten Jahren weiter verändern wird, will Soziologe Meitzler nicht prognostizieren. Sicher ist er sich, dass Bestattungsarten vielfältiger und Friedhöfe bunter werden. "Die Friedhofsverwaltungen werden sich überlegen müssen, wie sie den Friedhof attraktiver machen können."

Homepage Meitzler

Fast jeder Zweite will sich einer Umfrage zufolge nachdem Tod einäschern lassen. Während sich 47 Prozent für eineFeuerbestattung entscheiden würden, sind es bei der klassischenBestattung im Sarg nur 18 Prozent, wie aus einer repräsentativenBefragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov hervorgeht.Besonders ältere Menschen bevorzugen demnach die Einäscherung. Unterden Befragten ab 55 Jahren nannten 58 Prozent diese Bestattungsart.

Nach Erkenntnissen der YouGov-Forscher haben fast zwei Drittel derMenschen in Deutschland bereits über die eigene Beerdigungnachgedacht. In 43 Prozent dieser Fälle sei es um den Sargbeziehungsweise die Urne gegangen. In rund einem Drittel der Fälledachten die Menschen auch an die Reaktion der Trauernden oder an dieMusik bei der Beerdigung.

Bereits im Jahr 2011 hatten in einer Umfrage im Auftrag desBundesverbandes Deutscher Bestatter 48 Prozent angegeben, eineFeuerbestattung zu bevorzugen. An diesem Sonntag - dem Totensonntag -gedenken evangelische Christen der Verstorbenen.

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