Im Alter Schulden vermeiden - Haushaltsbuch bietet Überblick

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Viele Bürger sind verschuldet und stehen vor der privaten Insolvenz. Foto: Alexander Heinl

Wenn Rentner mit einem geringen Budget auskommen müssen, dürfen sie kein Sparpotenzial verschenken: Sie sollten sich über die Befreiung von Zuzahlungen informieren, nach günstigen Angeboten von Gas-, Strom-, und Telefonanbietern suchen und laufende Verträge überprüfen.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Eine knappe Rente und steigende Lebenskosten können zu finanziellen Engpässen führen. Damit Rentner mit einem schmalen Budget nicht in die Schuldenspirale rutschen, sollten sie ihre Finanzen streng im Blick behalten - Sparpotenzial gibt es fast immer.

Kosten für die Miete und den Strom sollten Rentner immer als erstes begleichen, damit ihnen keine Kündigung der Verträge droht. Zudem "lohnt es sich, ein Haushaltsbuch zu führen, um einen Überblick über Ein- und Ausgaben zu bekommen". Das sagt Christoph Zerhusen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

"An elementaren Ausgaben beispielsweise für gute Lebensmittel sollten Rentner aber nicht sparen", sagt der Anwalt. Stattdessen kann sich eine Überprüfung von laufenden Verträgen lohnen. "Denn häufig lässt sich Geld sparen, wenn man vorteilhafte Angebote sucht und dann Telefon-, Strom-, oder Gasverträge zugunsten gleich geeigneter, aber günstigerer Tarife anpasst", sagt Zerhusen.

Rentner sollten auch ihre Versicherungsverträge anpassen. "Nicht jede Police ist auch im Alter noch sinnvoll", sagt Zerhusen. Ein Beispiel: Auf eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung können sie verzichten. Vorsicht bei Sterbegeldversicherungen: "Kombiprodukte, die Sparen und den Versicherungsschutz verbinden, lohnen sich nicht", warnt Zerhusen.

Wird der Gesundheitszustand im Alter schlechter, ändern sich häufig auch die Bedürfnisse. Teilweise müssen Rentner dann mehr Geld für Medikamente und Arztbesuche ausgeben. Sie sollten sich in jedem Fall über die Befreiung von Zuzahlungen informieren. "Sprechen Sie mit ihrem Arzt darüber", rät Zerhusen. Häufig gebe es Nachahmerpräperate, die die gleiche Wirkung haben, aber erheblich günstiger sind als die bekannten rezeptpflichtigen Originalarzneien.

Ein weiterer Tipp: Wer gerne kulturelle Veranstaltungen besucht oder ins Museum geht, kann sich bei der Stadt nach Seniorenpässen erkundigen. "Viele Städte bieten spezielle Rabatte für Rentner an, beispielsweise für die Nutzung des öffentlichen Verkehrsmittel. So können Rentner weiterhin am kulturellen Leben teilnehmen und dennoch sparen", sagt der Verbraucherschützer.

Wer seine Ausgaben mit seinen Einnahmen auf Dauer nicht mehr decken kann, sollte eine amtlich anerkannte Schuldner-, und Insolvenzberatungsstelle aufsuchen. Sie bieten beispielsweise Kommunen, die Wohlfahrtsverbände oder die Verbraucherzentralen an.

Ratgeber der Verbraucherzentralen: Das Haushaltsbuch

Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung

Trotz der guten Konjunkturlage ist die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr weiter gestiegen. Insgesamt seien rund 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahre nicht mehr in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen, berichtete die Wirtschaftsauskunftei Creditreform im "Schuldneratlas 2015". Das seien 44 000 Menschen mehr als im Vorjahr.

Rentner trifft es besonders hart

Nahezu jeder Zehnte sei überschuldet. Besonders stark sei der Zuwachs bei den Senioren, betonte die Wirtschaftsauskunftei. So habe die Zahl der Schuldner in einem Alter ab 70 Jahren zwischen 2013 und 2015 um mehr als 35 Prozent auf rund 150 000 zugenommen. Bei den 60- bis 69-Jährigen liege das Plus bei 12,4 Prozent.

Bundesländer unterscheiden sich

Deutliche Unterschiede gibt es beim Thema Verschuldung weiterhin zwischen den Bundesländern. Am geringsten ist der Prozentsatz der Schuldner der Untersuchung zufolge nach wie vor in Bayern (7,12 Prozent) und Baden-Württemberg (8,09 Prozent), am höchsten in Berlin (12,99 Prozent) und Bremen (14,08 Prozent). Auch das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt mit einer Schuldnerquote von 11,52 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 9,92 Prozent.

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