Ritt über die Rennstrecke in Gotland

So fährt es sich mit dem 200.000 Euro teuren Porsche Cayenne Turbo GT

Mit 640 PS ist der V-8-Motor im neuen Cayenne Turbo GT der stärkste Achtzylinder, den Porsche je gebaut hat. Damit hat der Cayenne noch mehr Pfeffer – stellen wir bei der Testfahrt auf der Rennstrecke fest.

  • Kann man aus einem so schwerfälligen SUV wirklich einen Supersportwagen machen?
  • Mit dem Cayenne Turbo GT zeigt Porsche, wie das geht - aber es hat auch seinen Preis.
  • So schlägt sich das neue Modell im Vergleich zu seinem Urvater, dem 16 Jahre alten Turbo S

Es ist nur eine einzige Zahl, nur ein einziger Vergleich – doch sagen beide alles, was der neue Porsche Cayenne Turbo GT wirklich draufhat. In 3,3 Sekunden von 0 auf 100 – damit schlägt er die Legende, den 911er GT 3, zwar nur um eine hundertstel Sekunde. Um den Bruchteil eines Wimperschlags. Das ist nicht unbedingt viel. Aber dass ein ausgewachsener SUV einen ausgesprochenen Sportwagen stehen lässt, das ist schon bemerkenswert. Immerhin wiegt der 2,2-Tonner fast 800 Kilogramm mehr und die Karosserie duckt sich nicht wie ein Raubtier auf dem Asphalt, sondern steht hoch und vergleichsweise staksig auf den Rädern.

16 Jahre Unterschied. Man glaubt es kaum. Autor Rudolf Bögel zwischen Cayenne Turbo S und Cayenne Turbo GT.

Anno 2005 sagt Porsche: Wir sind PS!

SUVs mit einer Leistung jenseits der 500 PS haben bei Porsche* Tradition. Da war doch mal..? Richtig. Der Porsche Cayenne Turbo S und zwar anno 2005. Was für ein Jahr. Wir waren Papst. Ein Deutscher, ein Bayer an der Spitze der katholischen Kirche. Aus Kardinal Josef Ratzinger wurde Papst Benedikt XVI. Und aus Bundeskanzler Schröder später im Jahr dann Kanzlerin Merkel. Angesichts solcher Welt-Ereignisse mag es profan wirken, aber in diesem Jahr sagte Porsche „Wir sind PS!“ und brachte in einer Zeit, als SUVs noch unverdächtig waren und nicht als Klimakiller galten, ein wahres Monster auf die Straßen. 521 PS holte der Cayenne Turbo damals aus seinen 4,5 Litern Hubraum. Mit Allrad und Automatik spurtete der 2,35-Tonner in 5,2 Sekunden unaufhaltsam auf Tempo 100. Was für eine Leistung. Kein Wunder, dass der Urvater des neuen Cayenne Turbo GT bei der Präsentation seines Nachfolgers auf dem Gotland-Ring persönlich anwesend ist. Ehrensache, dass wir den fliegenden Zuffenhausener gefahren sind, um einen Vergleich zu heute zu haben.

Rennfahrer Lars Kern nach seinem Rundenrekord, den er mit dem Porsche Cayenne Turbo GT auf dem Nürburgringaufgestellt hat.

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Rundenrekord für den neuen Cayenne auf der Nordschleife

Dass der neue Performance-SUV Cayenne Turbo GT zu besonderen Leistungen fähig ist, das ließ der Rundenrekord, den Porsche-Testfahrer Lars Kern auf der Nordschleife des Nürburgrings am 14. Juni 2021 aufgestellt hat, schon erahnen. In 7:38,9 Minuten absolvierte er den Rennstrecken-Klassiker. Schnellstes Fahrzeug in der Kategorie „SUVs, Geländewagen, Vans, Pick-Ups“. Kern stellte verblüfft fest: „Schon auf den ersten Metern auf der Nordschleife mit diesem Cayenne neigt man dazu, sich umzudrehen. Nur um sicherzugehen, dass man auch wirklich in einem geräumigen SUV sitzt. Hohe Einlenkpräzision und stoische Ruhe an der Hinterachse – das gibt einem viel Vertrauen.“

Rennstrecke mit Mondlandschaft: Der Gotland-Ring auf der gleichnamigen schwedischen Insel.

Mischung aus Nürburgring und Achterbahn

Was man auch braucht, wenn man die 2.220 Kilogramm mit 640 PS und 850 Newtonmetern (Nm) Drehmoment über die Rennstecke bewegt. Der Nordschleife ist es nicht, aber dafür eine brandneue Rennstrecke hoch oben im Norden, auf der wir den neuen GT testen können. Der Gotland-Ring auf der gleichnamigen schwedischen Ostseeinsel ist eine Mischung aus Nürburgring, Achterbahn und Bilster Berg. Ähnlich wie auf dem Track in Ostwestfalen verleitet eine Kuppe zum Fliegen. Wer zu schnell ist am Berg, der hebt ab – und landet selbst mit einem solch schweren Gerät wie dem Cayenne wieder sicher auf der Straße.

Übersichtlich, präzise, unterkühlt: So sieht ein Porsche-Cockpit im Jahr 2021 aus. Hinter dem Steuer unser Autor Rudolf Bögel.

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Bis Tempo 100 liegt der Cayenne vorne, dann dreht der GT 3 auf

Herzstück des Cayenne Turbo GT ist der doppelt aufgeladene V-8-Zylinder. Mit 640 PS ist er nur wenig schwächer als das gleiche Triebwerk, das auch im Lamborghini Urus seine Dienste tut. Überarbeitet wurden für den GT die Turbolader und die Kühlung, gleichzeitig hat man Einspritz- und Ladedruck erhöht. Kultiviert und brachial gleichzeitig schiebt das Triebwerk schon von unten heraus gewaltig an. Ab 2.300 U/min liegt das volle Drehmoment an. Kein Wunder, dass der SUV schon nach 3,3 Sekunden Tempo 100 erreicht. Das Entwicklungsteam ist deshalb schon ein wenig stolz, dass es damit dem GT 3 die Show stiehlt. Zumindest kurzfristig. Schon beim Spurt auf Tempo 200 knöpft der GT 3 mit 10,8 Sekunden dem Cayenne dann doch fast eineinhalb Sekunden ab. Und auch beim Kurvenhandling dürfte der 911er noch besser sein.

Und so sieht das Cockpit 16 Jahre vorher aus: Helles Leder, dickes Lenkrad teilweise aus Holz.

Testfahrt auf der Rennstrecke: Präzise und bissig

Aber das mag man nur im direkten Vergleich merken, beim heißen Ritt über die Rennstrecke, die durch eine Mondlandschaft mit Kies, Sand, Staub und einem türkisfarbenen See führt, fühlt man sich jederzeit sicher. Präzise lenkt der Cayenne ein, bissig schnappen die Bremsen zu – und die Drehmomentverteilung zwischen den Achsen und den einzelnen Rädern (Torque Vectoring) geben dem Cayenne Agilität und Sicherheit zugleich. Alle Systeme wurden dabei so ausgerichtet, dass sie ein Maximum an Längs- und Querdynamik bieten im Vergleich zu den herkömmlichen Cayenne-Derivaten. Dabei liegt der Turbo GT um 17 Millimeter tiefer, durch die größere Spoiler-Lippe ganz oben an der Heckklappe kommen noch mal 40 Kilogramm mehr Anpressdruck auf die Räder. Und das sind in diesem Fall natürlich Hochleistungspneus mit 22 Zoll und aus Gründen der Fahrstabilität mit zwei unterschiedlichen Größen von 285/35 vorne und 315/30 hinten.

Die Auspuffanlage des Cayenne Turbo GT ist aus Titan, die Endrohre sind mittig angeordnet und glühen blau bei Volllast.

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Unter Vollast leuchten die silbernen Auspuffrohre tiefblau

Ein Wort zum Sound. Der kommt aus den beiden mittig angeordneten matt silbrig glänzenden Rohren und ist eine Spezialanfertigung aus Titan. Extra für den Turbo GT. Und ganz ohne Mittelschalldämpfer. Besonders cool sehen sie aus, wenn sie heiß werden, dann verfärben sie sich blau. Ganz im Gegensatz zum unterkühlten Look steht der Klang der Auspuffanlage: Fauchen, Röhren, Trompeten und Grollen. Ein hoch emotionaler Vierklang, den es so nur noch in der Welt der Verbrenner gibt.

Der Gotland-Ring in Schweden liegt in einer spektakulären Landschaft. Irgendwas zwischen Wüste und Polarkreis.

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Und so fährt sich der 16 Jahre alte Urvater

Womit wir schon wieder tief in der Geschichte sind. Zurück ins Jahr 2005, zurück zum Cayenne Turbo S, den das Porsche Museum zur Verfügung gestellt und der am Rande der schwedischen Rennstrecke zunächst einmal nur repräsentative Aufgaben zu erfüllen hat. Wir schnappen uns den Schlüssel und steigen ein in die Vergangenheit. Wahnsinn, was in den letzten 16 Jahre passiert ist. Schon alleine vom Design her. Zwar wirkt beim Turbo S auch nach so langer Zeit noch alles wertig, das Leder fühlt sich gut an, aber das Gestern lässt sich nicht verleugnen. Das Lenkrad zum Beispiel. Im Vergleich zu heutigen Porsche-Volants hat man hier den Eindruck das Steuerrad einer antiken Fregatte in der Hand zu halten. Schlüssel gedreht, Motor angeschmissen, gelauscht. Das bollert so schön aus den vier Auspuffrohren. Satt und schmissig. Spiel mir das Lied vom Achtzylinder. Zunächst fühlt sich der Youngtimer ein wenig klobig an, beim Tritt auf das Gaspedal wird das Tier jedoch hellwach. Im Vergleich zum heutigen Modell braucht es allerdings ein paar Wimpernschläge mehr, bevor der Porsche machtvoll losgaloppiert. Und wenn das Drehmoment von 720 Nm erst voll zuschlägt, dann merkt man dem Turbo S seine Jahre gar nicht mehr an. Das ist Sentimentalität, die Spaß macht. Natürlich kann das 16 Jahre alte Modell mit der jüngsten Generation nicht mithalten. Eines haben sie jedoch beide gemeinsam: ein Achtzylinder ist nicht zu schlagen. Höchstens von einem Zwölfzylinder.

Technische Daten Porsche Cayenne Turbo GT

  • Motor: V8 Biturbo Benziner
  • Hubraum: 3.996 ccm
  • Leistung: 471 kW/ 640 PS bei 6.000 U/min
  • Drehmoment: 850 Nm bei 2.300 - 4.500 U/min
  • Antrieb: 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad
  • 0-100 km/h: 3,3 Sekunden
  • 0-200 km/h: 12,2 Sekunden
  • Spitze: 300 km/h
  • Normverbrauch: 14,1 l/100 km
  • CO2-Emission: 319 g/km
  • Länge / Breite / Höhe: 4,94 / 1,96 / 1,64 Meter
  • Kofferraum: 549 - 1464 l
  • Leergewicht / Zuladung: 2.220 / 545 kg
  • Preis: 196.087 Euro
  • Technische Daten Porsche Cayenne Turbo S (Baujahr 2005)
  • Motor: V8 Biturbo Benziner
  • Hubraum: 4.511 ccm
  • Leistung: 383 kW/ 521 PS bei 5.500 U/min
  • Drehmoment: 720 Nm bei 2.750 U/min
  • Antrieb: 6-Gang-Automatik, Allrad
  • 0-100 km/h: 5,2 Sekunden
  • Spitze: 270 km/h
  • Normverbrauch: 15,7 l/100 km
  • CO2-Emission: 377 g/km (Wert nicht vergleichbar, andere Standards)
  • Preis (damals): 117.573 Euro

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Warnleuchten im Auto und was sie bedeuten

Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Plötzlich blinkt und leuchtet es im Cockpit! Die Symbole und Kontrolllichter am Armaturenbrett zeigen an, ob dem Auto technisch etwas fehlt. Allerdings, ist es wichtig zu wissen, was die Lämpchen bedeuten. Hier die wichtigsten Kontrollleuchten im Auto: © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motoröldruck zu niedrig. Motor abstellen. Ölstand prüfen und gegebenenfalls nachfüllen - hilft aber nicht immer. Meist muss der Wagen in eine Werkstatt geschleppt werden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Ölmangel, Ölstand überprüfen und nachfüllen - sonst droht Motorschaden. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Anschnallzeichen: Einer oder einige der Fahrgäste sind nicht angeschnallt. Das Symbol leuchtet auch auf, wenn eine schwere Tasche auf dem Sitz steht. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme bei der Stromversorgung: Generator defekt oder eine elektrische Verbindung unterbrochen. Motor nicht ausschalten und zur nächsten Werkstatt. NICHT weiterfahren bei elektrischer Servolenkung (Lenkkraftunterstützung kann ausfallen) oder gerissener Keilriemen (Motor kann überhitzen). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Bremse. Brennt dieses Licht auch bei gelöster Handbremse, droht große Gefahr. Zu wenig Bremsflüssigkeit oder die Beläge sind bis aufs Metall runter. Sofort anhalten und Pannendienst rufen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Motor ist überhitzt. Kühlwasser reicht nicht mehr. Anhalten und abkühlen lassen. Danach unbedingt in die Werkstatt. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Reifendruckkontrollsystem meldet zu niedrigen Reifendruck. Eventuell harmlos, wenn das Symbol nach dem Reifenwechsel leuchtet (fehlende Kalibrierung) - mehr in der Betriebsanleitung. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Störung im Rückhaltesystem. Funktionsversagen des Airbags/ Gurtstraffers bei Unfall möglich - sofort in die Werkstatt. Symbol leuchtet auch bei deaktiviertem Beifahrerairbag (wg. Kindersitz). © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Bremsbeläge sind abgefahren und sollten demnächst erneuert werden. Weiterfahren möglich. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) ist aktiv - oft auf nassen und vereisten Straßen. Vorsichtig lenken, keine Vollbremsung machen und Fuß vom Gas nehmen. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Probleme mit der Motorsteuerung. Der Schadstoffausstoß kann erhöht sein. Symbol leuchtet auch, wenn die Lambdasonde defekt ist oder ein Marder ein Kabel beschädigt hat. Umgehend in die nächste Werkstatt fahren. © ADAC
Es blinkt und leuchtet: Was die Warnlampen - Kontrollleuchten im Auto bedeuten.
Nebelschlussleuchte ist eingeschaltet. In Deutschland nur erlaubt, wenn die Sicht durch Nebel geringer als 50 Meter ist. © ADAC

Rubriklistenbild: © Porsche

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