Urintest überführen Alkoholsündern zuverlässig

Bonn - Urintests auf Alkoholmissbrauch werden auch durch leicht alkoholhaltige Lebensmittel kaum verfälscht. Damit ist ein wirksames Mittel zur Kontrolle von Alkoholsündern am Steuer gefunden.

Das belegt eine am Montag veröffentlichte Studie der Universität Bonn. Wer positiv auf Alkohol getestet wird, könne sich wohl nicht mehr damit herausreden, er habe lediglich etwas Falsches gegessen oder getrunken, erklärte ein Universitätssprecher.

Hintergrund der Untersuchung ist die Frage, ob der aktuelle Grenzwert für das Alkohol-Abbauprodukt Ethylglucuronid (EtG) im Urin schon nach dem Verzehr von Lebensmitteln mit einem geringen Alkoholgehalt überschritten werden kann. EtG lässt sich noch einige Tage nach einem Zechgelage im Urin nachweisen. Alkoholsünder im Straßenverkehr müssen sich im Laufe eines halben Jahres bis zu sechsmal einem EtG-Test unterziehen, um zu belegen, dass sie abstinent gewesen sind. Nur bei sechs negativen Ergebnissen erhalten sie die Fahrerlaubnis zurück. Dazu werden die Betroffenen 24 Stunden vorher benachrichtigt, dass sie sich zur Urinprobe einzufinden haben.

Insbesondere innerhalb dieser Vorwarnzeit dürfen sie keine Lebensmittel zu sich nehmen, die Alkohol enthalten können. Dazu zählen Sauerkraut, alkoholfreies Bier - das nie gänzlich alkoholfrei ist - sowie Traubensaft oder überreife Bananen. Positiv getestete Personen behaupten mitunter, sie hätten kurz vor dieser 24-Stunden-Periode große Mengen derartiger Produkte verzehrt.

Die Bonner Studie sollte klären, ob das tatsächlich zu einer Grenzwertüberschreitung führen kann. Dafür hatten 19 Probanden bis zu drei Liter alkoholfreies Bier, zwei Liter Saft, 1,3 Kilogramm Sauerkraut oder 700 Gramm Bananen zu sich genommen. In den darauf folgenden 30 Stunden sei bei ihnen der EtG-Grenzwert von 0,1 Milligramm pro Liter kaum überschritten worden. Rund drei bis sieben Stunden nach der Mahlzeit hatte der EtG-Gehalt jeweils sein Maximum erreicht. Nach 24 Stunden lag er stets deutlich unter 0,1 Milligramm pro Liter Urin. Angesichts dieser Daten empfehlen die Wissenschaftler, den aktuellen Grenzwert beizubehalten: Angesichts der 24-stündigen Wartezeit zwischen Benachrichtigung und Urinprobe seien falsche Testergebnisse aufgrund alternativer Alkoholquellen nicht zu erwarten.

dapd

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