So unsicher sind die Kindersitze

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Laut Test nicht empfehlenswert: Storchenmühle Taos

Berlin - Wie sicher sind Kindersitze? Nach wirklichtkeitsnahen Crashtests haben Prüfer festgestellt, dass nur sechs der getesteten neun Modelle die kleinen "Autofahrer" richtig schützen. Drei Produkte fielen durch.

Wenn Autokindersitze zum tödlichen Flugobjekt werden ... Die Zeitschrift auto, motor und sport hat neun gängige Produkte getestet, die die Prüftnormen bestanden haben und das Gütesiegel ECE R 44/03 oder ECE R 44/04 tragen. Sind sie trotzdem sicher? Das Ergebnis: Nach wirklichtkeitsnahen Crashtests stellten die Tester der Auto-Zeitschrift fest, dass nur sechs der neun Modelle die kleinen „Autofahrer“ richtig schützen. Drei Produkte fielen durch.

Die Prüfer hatten diesmal Anforderungen vorausgesetzt, die die gängigen ECE-Normen übertrafen. Warum? Autor Dani Heyne: „Weil wir nach fast 20 Jahren Crashtest-Erfahrung wissen, dass moderne Autos deutlich steifer geworden sind. Bei einem Frontalaufprall, immer noch die häufigste Unfallursache, kommt es dadurch zu einer höheren Verzögerung und einem kleineren Deformationsweg. Für einen Kindersitz heißt das, er muss bei solch einem Unfall für kürzere Zeit höhere Kräfte aushalten können.“

Test-Ergebnis: Der Concord Intense schafft das nicht (als einziger von fünf Babysitzschalen). Weitere drei – Cybex Aton, Maxi Cosi Pebble und Recaro Young Profi – wurden ebenfalls mittels Isofix-Befestigungsschalen mit dem Auto verbunden. Für den BeSafe IziGo gibt‘s diese Technik nicht, er wurde vom Autogurt gehalten. Auch wenn sich die Belastungen der vier genannten Sitze bei Kopf, Hals und Brust nicht groß unterscheiden und alle „empfehlenswert“ sind – in der Praxis hinterlässt der Einbau mit Isofix einen sichereren Eindruck, da sich die Schalen während des Unfalls kaum bewegen.

Das Ergebnis der vier größeren Rückhaltesysteme ist noch erschreckender: Von vier Kindersitzen bekommen zwei – die Sitzerhöhung vom Wühltisch und der Storchenmühle Taos – das Prädikat „nicht empfehlenswert“. Der teure und hochwertig anmutende Römer Kidfix beendet den Test mit „bedingt empfehlenswert“. Zehn Euro für eine Kindersitzerhöhung aus dem Baumarkt klingen sehr verlockend, schließlich baumelt auch an dem lieblos überzogenen Styroporkissen die wichtige ECE-Norm. Im Crashversuch hat der Gurt des Autos keine Chance, das Kissen an seinem Platz zu halten. Es rutscht unter dem Dummy hervor, während der Fahrzeuggurt Bauch und Hals des Kindes gefährlich verletzen kann – klarer Fall: durchgefallen.

Beim Kindersitz Taos von Storchenmühle ist es der Fahrzeuggurt, der aus der Schulterführung rutscht. Dadurch kann sich der Dummy unkontrolliert nach vorn bewegen. Gefährliche Verletzungen im Halsbereich sind die Folge. Fazit: Von neun Rückhaltesystemen können nur fünf überzeugen. Drei fallen durch.

T. Edmondson

Empfehlenswert

Recaro Young Profi Plus: Hochwertige Sitzschale mit billiger Befestigung

Empfehlenswert

Maxi Cosy Pebble: Hochwertiger Eindruck bei Sitzschale und Befestigung

Empfehlenswert

Cypex Aton: Leichte, gut ­gepolsterte Sitzschale, leichter Einbau

Empfehlenswert

Be Safe Izi Go: Sehr leichte Schale, die vom Autogurt gehalten wird

Empfehlenswert

Kiddy Criserfix Pro: Einteiliger Sitz mit elffacher Kopfstützenverstellung

Bedingt empfehlenswert

Römer Kiddyfix Sict: Einteiliger Sitz mit integriertem Seitenaufprallschutz

Nicht empfehlenswert

Storchenmühle Taos: Leichter einfacher Sitz mit Fangkörper

Nicht empfehlenswert

Concord Intense: Isofix Arme lassen sich umst

Nicht empfehlenswert

Cartrend Kids Sunny: Hartes Styroporkissen mit Stoffüberzug

ADAC Test: Kinder auf dem Beifahrersitz

Kindersitze auf dem Beifahrersitz
Der Versuchsaufbau beim ADAC Crashtest: Die Kindersitze wurden auf dem Beifahrersitz montiert. © ADAC
Kindersitze auf dem Beifahrersitz
Hier wird der Airbag zu Gefahr: Das Kind sitzt zu nah am Armaturenbrett. Das kann zu Knochenbrüchen, Schürf- und Brandwunden führen. Noch schwerere Verletzungen können auftreten, wenn sich die Beine des Kindes im Entfaltungsbereich des Airbags befinden. Der Klappmessereffekt führt dann dazu, dass der Beckengurt in den Bauch rutscht oder gar die Wirbelsäule verletzt wird. © ADAC
Kindersitze auf dem Beifahrersitz
Größere Kinder, die korrekt in einem Kindersitz sitzen, können auf dem Beifahrerplatz durchaus von der Schutzwirkung des Airbags profitieren. © ADAC
Kindersitze auf dem Beifahrersitz
Babyschale vorne nur mit deaktivierten Airbag! © ADAC
Kindersitze auf dem Beifahrersitz
Bleibt der Airbag aktiv, so wird das Kind beim Unfall vermutlich schwere Kopf- und Nackenverletzungen davontragen, die ausschließlich von der Wucht des Airbags herrühren. So kann bereits ein Bagatellunfall bei niedriger Geschwindigkeit zu schwersten oder gar tödlichen Verletzungen führen. © ADAC

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