Sturzprotektion

Von Kopf bis Fuß - Schutzkleidung für Biker

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Bei der Anprobe eines neuen Motorradhelms ist darauf zu achten, dass er komfortabel, aber nicht zu locker sitzt, gut belüftet ist und möglichst geschlossen.

München - Die Angst sollte nicht mitfahren: Wer sich ständig Gedanken darüber macht, wie schlimm es ihn bei einem Unfall erwischen könnte, lässt das Motorradfahren besser bleiben.

Aber Respekt vor der Tatsache, kein schützendes Blech um sich herum zu haben, ist natürlich angebracht. Und so sind Überlegungen sinnvoll, was gute Schutzkleidung eigentlich ausmacht und welche Kompromisse zwischen modisch und sicher möglich sind - von Kopf bis Fuß.

Modulare Motorradhelme liegen im Trend - solche Modelle lassen sich zum Beispiel vom Crosshelm mit Sonnenblende in einen Integralhelm mit Visier verwandeln.

Helm: Von den Crash-Eigenschaften mal abgesehen sitzt das perfekte Modell komfortabel, aber nicht locker auf dem Kopf, ist gut belüftet, leise und möglichst geschlossen. So wie ein typischer Integralhelm. Aber der ist nicht jedermanns Sache: "Fahrern von Retro-Motorrädern zum Beispiel gefällt das oft nicht", weiß ADAC-Experte Ruprecht Müller. Modulare Helme können da die Lösung sein: Sie lassen sich etwa vom Integral- in einen Jethelm ohne Kinnteil verwandeln und wieder zurück, wenn es kalt ist oder regnet. Andere sind für Endurofahrer gemacht, die im Gelände einen luftigen Crosshelm mit Sonnenblende wünschen und zurück auf der Straße ein Visier vor das Gesicht klappen wollen. Nach gut fünf Jahren regelmäßiger Nutzung sollte ein Helm ersetzt werden, nach einem Sturz sofort.

In der Jacke sind Protektoren an Ellenbogen sowie Rücken und Schultern am wichtigsten.

Jacke und Hose: Ob Ein- oder Zweiteiler, Leder oder Textil - im Grunde nur eine Geschmacksfrage. Die Lederkombination sitzt schön eng, die Tierhaut ist überragend abriebfest, sollte aber laut dem TÜV Süd mindestens 1,2 Millimeter dick sein. Eine Kombination aus separater Jacke und Hose aus Textil ist die alltagstauglichere und atmungsaktivere Lösung für jede Wetterlage. Noch recht neu im Handel und vergleichsweise teuer ist Schutzkleidung aus beiden Materialien, die deren Vorteile vereint. ADAC-Mann Müller empfiehlt für den Alltag Textiljacke und Lederhose. Coole Alternative für die Retro-Fraktion sind Hosen aus abriebfestem Aramidfasergewebe im Jeans-Look.

Protektoren: Die Oberbekleidung sollte gut sitzende Protektoren an den richtigen Stellen und mit CE-Prüfzeichen haben. Wenn diese in der Wunschkleidung nicht schon vorhanden sind, lässt sie sich separat kaufen - aus flexiblem, aber stabilen Schaummaterial. In der Jacke sind Protektoren an Rücken, Schultern und Ellenbogen am wichtigsten, in der Hose an Hüfte und den Knien, wo sie auch die Außenseite abdecken sollten. Dieser Bereich ist bei Unfällen oft gefährdeter als die Kniescheibe. Wer stilecht zu einer Klassik-Maschine eine alte Lederjacke ohne besondere Schutzelemente bevorzugt, kann ein Protektorenhemd drunterziehen, wenn die Jacke nicht allzu eng geschnitten ist.

Unterwäsche: Unter die zweite Haut aus Leder oder Textil gehört spezielle Funktionswäsche mit langen Ärmeln und Beinen. Die wärmt und kühlt besser als Baumwollwäsche, da sie Körperschweiß abtransportiert und nicht aufsaugt. Fehlende Unterwäsche kann bei einem Sturz zu bösen Verletzungen führen, warnt Müller: "Wenn verschwitzte Haut an der Innenseite der Oberbekleidung klebt und sich nicht verschiebt, kann dadurch die Haut im Extremfall aufgerissen werden."

Schutzhandschuhe fürs Motorrad sollten wenigstens Protektoren über den Knöcheln haben, die Stulpe darf nicht zu kurz sein.

Handschuhe: Leder hat bei Handschuhen wegen seiner Abriebfestigkeit und des Tragekomforts Priorität vor anderen Materialien, sagt Müller. Über den Knöcheln sollten Protektoren sitzen, am besten auch an der Handkante. Die Stulpe sollte lang genug sein. Immer häufiger findet man laut dem ADAC-Motorradexperten Modelle aus Känguruh-Leder im Handel: "Die sind recht dünn und trotzdem strapazierfähig." Das Institut für Zweiradsicherheit (ifz) rät, beim Kauf auf einen straffen, aber spannungsfreien Sitz auch mit gekrümmten Händen zu achten. Und: Je weniger Nähte, desto höher der Tragekomfort.

Nierengurt: So ein Gurt aus Neopren, Nylon, Leder oder Mischgewebe ist laut dem ifz eine sinnvolle Ergänzung zur übrigen Schutzkleidung. Er wärmt nämlich nicht nur die Nieren, sondern komprimiert auch den Bauchraum, wodurch das Verletzungsrisiko der Organe verringert wird. Ein guter Nierengurt ist atmungsaktiv und stufenlos verstellbar. Ein breiter Klettverschluss hält am besten.

Stiefel: Der feste Sitz und eine stabile Sohle sind das A und O. "Man kommt bei einem Motorradunfall sehr schnell mit den Füßen irgendwo drunter, der seitliche Druck wird dann primär durch die Sohle aufgefangen", erklärt Ruprecht Müller. Knöchelprotektoren sind ebenfalls wichtig. "Auf keinen Fall an den Stiefeln sparen", mahnt er nachdrücklich, denn: "Unter Fußverletzungen leiden verunglückte Motorradfahrer oft ihr ganzes Leben lang."

Stiefel, Jacke oder Hose: Neue Schutzkleidung sollten Motorradfahrer im Laden nicht stehend vor dem Spiegel anprobieren, sondern im Sitzen. Und zwar möglichst in einer Haltung, die der auf der eigenen Maschine nahekommt, empfiehlt der TÜV Süd. Bei angewinkelten Ellenbogen und Knien zeigt sich schnell, ob zum Beispiel Hosenbeine und Ärmel lang genug sind und die Protektoren an den richtigen Stellen sitzen. Bei Helmen bieten einige Fachgeschäfte die Möglichkeit zur Probefahrt - das sollten Kunden unbedingt nutzen.

dpa

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