Bloß keine Experimente

Im Test: So vertraut wirkt der neue Nissan Qashqai

Nissan Qashqai
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Zwar hat der Nissan Qashqai viel neue Technik zu bieten. Doch optisch und bei der Motorisierung hat sich nicht allzu viel verändert.

Elektrifizierung, autonomes Fahren und die Diskussion um ein Tempolimit: Die Autowelt ist im Umbruch und die Verunsicherung bei den Verbrauchern entsprechend groß. Mit dem Qashqai versucht Nissan, den goldenen Mittelweg anzubieten. Aber gelingt das?

Berlin - Er gilt als eines der ersten Crossover-Autos aus Europa für Europa. Ohne den Qashqai hätte Nissan bei uns einen schweren Stand und Konkurrenzmodelle wie den VW Tiguan, den Kia Sportage oder den Peugeot 3008 würde es womöglich gar nicht geben.

Weil er so wichtig ist für den Bestand der Marke und weil die Kunden verunsichert genug sind von den widersprüchlichen Trends in der Autowelt, waren die Japaner beim Generationswechsel entsprechend vorsichtig. Die dritte Generation des Bestsellers, die zu Preisen ab 25.790 Euro zu haben ist, steht zwar auf einer neuen Plattform und bekommt viel neue Technik. Aber im Grunde bleibt der neue Qashqai ganz der Alte.

Mehr Konturen für mehr Charakter

Schon die Form wirkt vertraut, auch wenn Nissan die Konturen ein wenig nachgeschärft hat. Die Front zeigt nun mehr Kanten, und der Kühler wird von LED-Matrix-Scheinwerfern flankiert, so dass der Wagen etwas mehr Charakter beweist. Aber immerhin ist das Format neu: Auf einer gemeinsamen Plattform mit Autos wie dem Renault Kadjar konstruiert, legt der Qashqai im Radstand zwei, in der Länge vier und in der Breite drei Zentimeter zu. Bei nun 4,43 Meter Länge bietet er deshalb etwas mehr Platz für die Insassen und deren Gepäck. Der Kofferraum fasst jetzt 504 bis 1447 Liter, und es gibt reichlich Ablagen für den alltäglichen Kleinkram. Doch eine verschiebbare Rückbank haben die Japaner nicht zu bieten.

Im Radstand legt der Qashqai nun zwei, in der Länge vier und in der Breite drei Zentimeter zu.

Dafür wurde das Cockpit ordentlich aufgemöbelt. Zur Ausstattung gehören ein großer freistehender Touchscreen aus kristallklarem Glas und digitale Instrumente, die schnell und umfassend über alle wichtigen Fahr- und Fahrzeugdaten informieren. Und auf Wunsch schlägt Nissan das Ganze mit besonders feinen Materialien aus. Auch das Angebot an elektronischen Helfern ist imposant. So passt das Pro-Pilot-System für Spurführung und Abstandsregelung die Fahrweise nicht nur dem Verkehrsfluss, sondern auch dem Tempolimit und der Topographie an. Und mit der kabellosen Smartphone-Integration sowie einer Verknüpfung zu Amazons Alexa legt der Qausqai die Latte beim Infotainment ebenfalls höher.

Wenige Motoren, aber Mild-Hybrid als Standard

Dürftig ist dagegen die Auswahl bei den Motoren. Denn zum Start gibt es lediglich einen 1,3 Liter großen Vierzylinder. Manuell geschaltet und mit Frontantrieb oder mit stufenloser Automatik und Allrad, gibt es den Vierzylinder in zwei Leistungsstufen mit 101 kW/138 PS oder 114 kW/155 PS. Den in diesem Segment noch immer gern genommenen Diesel haben die Japaner dagegen gestrichen, ein förderungswürdiger Plug-in-Hybrid ist ihnen zu teuer. Und wer ein elektrisches Nissan-SUV in der Kompaktklasse fahren möchte, der muss auf den für die zweite Hälfte 2022 versprochenen Ariya warten.

Doch so ganz ohne Innovationen unter der Haube will Nissan seinen Bestseller nicht ins Rennen schicken. Schon jetzt gibt es zumindest einen 48-Volt-Starter-Generator als Standard, und im Herbst kommt der E-Power. Das ist eine bislang konkurrenzlose Alternative zum Hybriden, die den Verbrenner nur als Generator nutzt und eines 140 kW starken E-Motors sei dank ständig mit Strom fährt.

Bloß nicht aufregen

Das Fahren ist wie das ganze Auto: absolut unauffällig. Seine Federung ist entspannt, die Lenkung präzise aber stark unterstützt. Selbst der stärkere Motor bringt den Puls nicht aus der Ruhe: Mit einem Sprintwert von bestenfalls 9,2 Sekunden und maximal 206 km/h macht sich der Qashqai zum perfekten Mitläufer. Auch der Verbrauch ist mit einem Normwert zwischen 5,5 und 6,2 Litern (125 bis 140 g/km CO2-Ausstoß) einigermaßen moderat. Nur mit dem Überholen wird es schwer - auf der Straße und in der Zulassungsstatistik. Selbst wenn sie etwas älter sind, wirken Konkurrenten wie der VW Tiguan oder der Ford Kuga moderner als der Qashqai, bieten beim Antrieb mehr Auswahl und dem Fahrer im Zweifel mehr Spaß.

Fazit: Ein Bausparvertrag auf Rädern

Modern, aber nicht zukunftsweisend. Bei der Konstruktion wie bei der Kaufentscheidung auf Sicherheit bedacht, ist der Qashqai so etwas wie die automobile Entsprechung zum Bausparvertrag - grundsolide und ohne jedes Risiko. Wenn sich die neuen Trends erst einmal etabliert haben, kann die Kundschaft ja immer noch auf ein E-Auto umsteigen - zum Beispiel auf den Ariya, der ab nächstem Jahr das gleiche Segment bedient.

Trotz schärferer Konturen hat sich der Nissan Qashqai sein typisches Aussehen bewahrt.

Datenblatt: Nissan Qashqai 1,3 DIG-T

Motor und AntriebVierzylinder-Turbo-Benzinzer
Hubraum:1332 ccm
Max. Leistung:116 kW/158 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment:270 Nm bei 1800 bis 3750 U/min
Antrieb:Allrad
Getriebe:Stufenlose Automatik
Maße und Gewichte
Länge:4425 mm
Breite:1835 mm
Höhe:1625 mm
Radstand:2665 mm
Leergewicht:1645 kg
Zuladung:395 kg
Kofferraumvolumen:479-1422 Liter
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:198 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:9,9 s
Durchschnittsverbrauch:6,2 Liter/100 km
CO2-Emission:140 g/km
Kraftstoff:Super
Reichweite:890 km
Schadstoffklasse:Eu6
Energieeffizienzklasse:B
Kosten:
Basispreis des Nissan Qashqai (140 PS):25.790 Euro
Basispreis des Nissan Qashqai 158 PS, Allrad:38.030 Euro
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:118 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sieben Airbags, Abstandsregeltempomat, Spurführungshilfe, Querverkehrswarner
Komfort:Klimaanlage, Zentralverriegelung, digitale Instrumente
Spritspartechnik:Mild-Hybrid-Antrieb

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke dpa

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