Ganz schön bissig

Der Kraftzwerg: Ford Fiesta ST

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Sportlicher Zwerg: Spoiler und dicke Backen – daran erkennt man den Fiesta ST sofort. Autor Oliver Menner testete die inneren Qualitäten.

Düsentrieb an! Kleine Flitzer gehen gut. Und all die GTis, OPCs und sonstigen Kleinrasanten funktionieren auch alle nach demselben Prinzip: wenig Gewicht, viel Leistung, viel Freude!

Der neue Ford Fiesta St ist da keine Ausnahme, aber das echt mit Bravour! ST wie Strotzt vor Power: 182 PS (32 mehr als das Vorgängermodell). Turbo natürlich. Overboost. Viel Sportsgeist suggerieren schon von draußen das tiefer gelegte Chassis (15 Millimeter), dicke Backen, der knurrige „Maserati“-Wabengrill, fein gewundene Sportschürze und Spoiler sowie Doppelenden-Auspuff (verchromt natürlich). Das alles ist durchaus gelungen und fein anzusehen. Drinnen machen edler „ST“- Schriftzug am Sportlenkrad, Alu-Pedale, zweifarbiges Racing-Design an den (Leder-)Ricaro-Sportsitzen (bequem und zielgruppenadaptiert dem schlanken Jungmann-Rücken auf den Leib geschneidert) alles klar. Allerdings fordert das Anlegen der weit hinten verankerten Sicherheitsgurte ebenfalls sportliche Verenkungen und die Ellbogen-Ergonomie für den Fahrer könnt’ man auch noch mal überdenken. Damit zuletzt auch ja keine Verwechslung mit Muttis Zweitwagen aufkommt, gibt’s noch zusätzlich was auf die Ohren: ernst zu nehmendes Sportwagenröhren per extra eingebautem „Sound Symposer“. Rrrrrrrrrrrr!

Ford Fiesta ST

Leistung: 182 PS Höchstgeschw.: 220 km/h 0 auf 100 km/h: 6,9 sek. Drehmoment: 240 Nm
Hubraum: 1596 ccm
Verbrauch EU Drittelmix: 5,9 l/100km (Hersteller) Leergewicht: 1163 kg Kofferraumvolumen: 281–979 l
Preis: ab 19.990 Euro

Aber der Fiesta ST ist mitnichten eine getunte Zigarettenbürscherl- Büchse. Klischées beiseite: Man kann man mit ihm richtig toll fahren! Dafür sorgt der 1,6-Liter- „EcoBoost“-Motor, der den Vorderantriebler in nur 6,9 Sekunden auf die vollen Hundert zieht, und auch im mittleren Bereich noch ausreichend nachlegen kann. Für zusätzlichen Kickdown-Kick sorgt der Turbo-Overboost, der kurzfristig per erhöhtem Überladedruck nochmals PS (18) und Newtonmeter (50) freisetzt. Man schaltet gern mit der knackfrischen und sehr leichtgängigen Sechsgang-Manuellen, der Vierzylinder hat aber auch Zug genug für Schaltfaule. Dabei ist die Lenkung immer präzise, fein direkt und auch bei höheren Belastungen noch absolut solide. Derart ausgestattet und mit scharfen Bremsen (hinten, jetzt neu, auch Scheiben) versehen, wird der agile ST zum gierigen Kurventiger, die Überlandfahrt zum Fliehkrafttest mit Totalgenuss. Eher übellaunig machen kann dagegen die reine Autobahn – sagen wir mal – beim Maximal- Tempo von 220 Sachen. Die superstrenge Fahrwerksabstimmung des Leichtgewichts (1200 Kilo) haut einemauch noch das kleinste Buckelchen im Terrain auf die Bandscheiben. Ein übersehenes Schlagloch könnte ’nen Zahnarzt-Termin nach sich ziehen …

Apropos: Den Werksverbrauch von 5,9 Litern erreichten wir beim Test allerdings nicht mal, wenn wir absolut brav und ganz spaßgebremst der Hochschaltanzeige am Tacho gehorchten, die den munteren Turbo geradezu herzlos vorm Scheitelpunkt abwürgt. Je nach Heiz- Faktor sind schon acht Liter plus drin, bzw. „draussen“. Eine Start-Stopp-Automatik zusätzlich zur Bremsrekuperation könnte eventuell helfen, aber – Hand auf’s Herz – wäre doch eher „uncool“ im Testosteron-Segment. Auch den kritischen Blick aufs Kofferraum-Volumen sparen wir uns hier (281 Liter). Wer mit einem Rennzwerg unterwegs ist, braucht maximal Platz für zwei mittelgroße Trolleys. Und die passen allemal rein.

Knackig und rassig: Ford Fiesta ST

Knackig und rassig: Ford Fiesta ST

Den gestauchten DTM-Boliden inklusive serienmäßiger Sicherheit wie ESP, ABS, elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und Front-, Seiten- sowie Knieairbags gibt’s zum freudigen Einstiegspreis von schon 19.990 Euro.

OLIVER MENNER

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