Carsharing kommt ins Rollen

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Ein Auto - viele Fahrer: Carsharing wird immer beliebter.

Hannover - Die Vermietung kleiner Flitzer für kurze Strecken wandelt sich vom modischen Öko-Trend zum ernsthaften Geschäftsmodell. Autobauer wollen Carsharing als Köder nutzen.

Risiko fürs Kerngeschäft oder Chance für ein langfristiges Absatzplus? Beim Carsharing benötigen mehr Menschen weniger Autos. Viele Hersteller versprechen sich vom Trend zum geteilten Fahrzeug aber eher zusätzliche Einkünfte denn bröckelnde Neuverkäufe. Wer sich keinen eigenen Wagen leisten kann oder will, darf nicht als potenzieller Kunde verloren gehen und sollte an die Marke “herangeführt“ werden - nach diesem Motto legen sich Autobauer ihre Strategien rund um ie viel beschworene neue Mobilität zurecht.

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Fakt ist: Carsharing kommt langsam, aber sicher aus der Nische. Im innerstädtischen Verkehr und unter jungen Leuten wird das Teilen kompakter und spritsparender Flitzer immer beliebter. Während sich Deutschland nach Angaben der Unternehmensberatung Frost & Sullivan zum wichtigsten Markt in Europa gemausert hat, nutzen in den USA schon doppelt so viele Menschen ein Mietauto. Hierzulande könnte ihre Zahl nach Schätzungen des Bundesverbands Carsharing in diesem Jahr von 158 000 auf 190 000 zulegen. Die Kollegen vom Verband der Automobilindustrie (VDA) sehen die Idee ebenfalls auf dem Vormarsch.

“Carsharing ist eine spannende Entwicklung“, heißt es in der Berliner VDA-Zentrale. Die deutschen Marken seien dabei bestens aufgestellt. Dass die Kurzzeitvermietung dem Neuwagen-, Finanzierungs- oder Leasinggeschäft gefährlich werden könnte, erwartet der Verband nicht. Im Gegenteil: Die Hersteller dürften auch aus wohlkalkuliertem Eigeninteresse in den neuen Mietmarkt einsteigen. “Das führt selbst Menschen ans Auto heran, die eher im Gebrauchtwagen-Segment unterwegs waren oder gar kein Auto hatten“, glaubt Sprecher Eckehart Rotter.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnt davor, die Mietmodelle als reine Marketingmaßnahmen zu begreifen. “Wir begrüßen den Trend insgesamt natürlich“, stellt VCD-Sprecherin Anja Smetanin klar. “Aber man muss auch skeptisch sein, ob manche Autoproduzenten darin nicht primär ein Absatzinstrument sehen.“ Carsharing sei insbesondere in Ballungsräumen eine gute Ergänzung für einen umweltfreundlichen Verkehrsmix. “Wenn wir mehr dazu übergehen, kann viel Verkehr vermieden werden, und das Auto wird effizienter genutzt.“

Nachdem schon Daimler und BMW im Carsharing durchstarteten, zog nun Europas Branchenprimus VW mit einem Projekt in Hannover nach. Der VCD sieht prinzipiell große Vorteile: Das Problem verstopfter Straßen und verrußter Luft lasse sich entschärfen, wenn das Modell “Auto auf Abruf“ Einzug ins Mobilitätsverhalten erhalte. Es gebe außerdem mehr Angebote, die - wie in Mainz, Bremen und Hannover - die Nutzung von Mietautos mit Rabatten im öffentlichen Nahverkehr kombinierten.

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Dem Leitbild der sogenannten multimodalen Fortbewegung, bei der nicht nur Pkw zum Zug kommen, kann auch Autoexperte Stefan Bratzel einiges abgewinnen. “Das Thema Nutzen statt Besitzen wird wichtiger werden“, betont der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. 30 Prozent der deutschen Jugendlichen hielten das Auto nicht mehr für ein Statussymbol, sondern für einen Gebrauchsgegenstand. Weil die “Generation I-Phone“ einen Großteil der geteilten Wagen über interaktive Angebote buchen könne, dürfte das Auto selbst wieder “für Vollkunden emotionalisiert“ werden.

Die großen Hersteller sind jedenfalls längst darüber hinaus, das Carsharing als kurzlebige Erscheinung zu belächeln. In Industrie- wie Schwellenländern sieht VW viel Luft nach oben. “Wir gehen davon aus, dass das auch in anderen Märkten eine Rolle spielen kann“, meint Vertriebsvorstand Christian Klingler. Der Chef der VW-Finanztochter, Frank Witter, erwartet, dass die Abrechnung einzelner Fahrten nach dem “Pay-per-use“-Prinzip bei vielen Menschen Erfolg haben kann: “Die Aufgabe ist es, diese Menschen und die Marke zusammenzubringen.“

Dabei sind die Wolfsburger relativ spät dran. Daimler war bereits 2008 mit dem Projekt “Car2Go“ in den Carsharing-Markt eingestiegen. Der Stuttgarter Autobauer will das Geschäft nun mit seinem Partner Europcar massiv ausbauen. In fünf Jahren sollen bis zu 50 Städte in Europa abgedeckt werden. BMW ist mit Sixt in München und Berlin aktiv (“DriveNow“), der französische Konzern Peugeot-Citroën will nach einer Testphase in Berlin sein Konzept “Mu“ im ganzen Land anbieten.

Daneben umwerben Dutzende Online-Vermittler die Kunden. Der Bremer Pionier Cambio Carsharing - sein Vorläufer ging vor 21 Jahren an den Start - ist von den Wachstumsaussichten überzeugt. “Der Markt wird sich weiter gut entwickeln“, schätzt Sprecherin Bettina Dannheim. “Denn von dem Geld, was manche Leute heute im Monat für ihr Auto ausgeben, kann man bequem zwei Wochenenden ins Wellness-Hotel gehen.“

dpa

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