Autoexperte: Biosprit E10 schädlicher als gedacht

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Bei der Bezeichnung E10 handelt es sich um eine Abkürzung: “E“ steht für den Alkohol Ethanol, der dem aus Erdöl gewonnenen Benzin beigemischt wird.

Berlin - Der Wirbel um den neuen Biosprit E 10 geht weiter: Der neue Kraftstoff ist einem Autoexperten zufolge schädlicher als gedacht und könnte dafür sorgen, dass Motoren schneller verschleißen.

Autoexperte: E 10 möglicherweise schädlicher als gedacht

DAT-Übersicht zur E10-Verträglichkeit

www.dat.de/e10

ADAC-Übersicht zurn E10-Verträglichkeit

www.adac.de/e10

E 10, bei dem herkömmlichem Benzin zehn Prozent Ethanol aus Getreide und Zuckerrüben beigemischt ist, könnte dafür sorgen, dass Motoren schneller verschleißen. Das befürchtet der Leiter der Mechanikentwicklung bei BMW, Thomas Brüner. Durch den hohen Ethanolanteil nehme die Wassermenge im Motor zu, es kondensiere und gelange ins Öl, das so dünner wird und schneller altert. Das bedeute wiederum kürzere Ölwechselintervalle zulasten des Kunden. Ob es so weit kommt oder der in Deutschland verkaufte E10-Sprit gut genug ist, wissen die Autobauer Brüner zufolge noch nicht. BMW will nun gemeinsam mit dem Konkurrenten Daimler Tests durchführen. 

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Röttgen verteidigt Einführung von Biokraftstoff

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Die Opposition sieht in der Bundesregierung die Schuldigen für das Desaster. Ein Benzin-Gipfel am Dienstag soll endlich das weitere Vorgehen festlegen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat den umstrittenen Biokraftstoff E 10 verteidigt. “Die Einführung von Biokraftstoffen dient dazu, unsere Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Darüber gibt es einen Konsens über die Parteigrenzen hinweg“, sagte Röttgen. Er widersprach der Behauptung, der mit biologisch gewonnenem Ethanol versetze Sprit würde zwangsweise eingeführt: “Die Politik verpflichtet die Industrie lediglich zur Einhaltung einer bestimmten Biokraftstoffquote, die zwar gestiegen, aber nicht neu ist und bislang immer so gut wie erfüllt werden konnte.“ Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) macht die Benzinhersteller für das Chaos bei der E10-Einführung verantwortlich. “Die Mineralölwirtschaft muss die Informationsdefizite erläutern und die Aufklärung der Verbraucher wesentlich verbessern“, forderte der Minister. “Die Verwirrung an der Zapfsäule muss ein Ende haben.“ 

“Gipfel der Nachsorge“

Die bevorstehende Zusammenkunft am Dienstag sei allerdings eher “ein Gipfel der Nachsorge, weil die Bundesregierung die vorsorgende Koordination vergessen hat“, sagte der Vorsitzende des Verkehrausschusses im Bundestag, Winfried Hermann (Grüne). Er fordert ein vorläufiges Aus für das Biosprit-Projekt. Es müsse zunächst geklärt werden, welche Motoren den Sprit wirklich vertrügen und worin der ökologische Nutzen bestehe. 

Verständliche Proteste der Verbraucher Der Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Holger Krawinkel, hält die Verbraucherproteste gegen E10 für “völlig rational“. Dem Autofahrer werde ein ökologisch fragwürdiger Kraftstoff mit geringerer Energiedichte aufgenötigt, der zu Mehrverbrauch führt und ohne jeden Garantieanspruch den Motor schädigen könne, worüber sich der Autofahrer aber selbst die nötigen Informationen beschaffen solle. “Kein Wunder, dass der dann sagt: Ihr könnt mich grad mal“, sagte Krawinkel. Aus seiner Sicht sei der Kunden-Aufstand eigentlich eine gute Nachricht. “Die Politik muss sich jetzt endlich überlegen, wie sie die ökologische Erneuerung des Energiesystems vom Kopf auf die Füße stellt.“ 

Engpässe bei Super Plus

Weil verunsicherte Autofahrer trotz der höheren Preise lieber Super Plus als E 10 tanken, gibt es derzeit ein Überangebot des Biokraftstoffs und Engpässe bei Super Plus. Der Mineralölwirtschaftsverband hatte daher am Donnerstag angekündigt, vorerst keine weiteren Raffinerien auf die Produktion des neuen Treibstoffs umzustellen. Nach Informationen aus der Branche lehnten 60 bis 70 Prozent der Autofahrer ab, die neue Spritsorte zu tanken. E10 wird seit Beginn des Jahres in Deutschland eingeführt. Damit soll der Ausstoß des Klimagases CO2 reduziert werden - trotz der Mahnung von Umweltverbänden, die glauben, dass die Klimabilanz von E10 sogar negativ ist. Es enthält entsprechend einer EU-Richtlinie bis zu zehn Prozent Bioethanol aus nachwachsenden Rohstoffen. Zuvor wurden nur fünf Prozent ins Benzin gemischt. (Quellen: Ramsauer, Hermann, Krawinkel, Brüner in der “Welt am Sonntag“; Röttgen in der “Bild am Sonntag“) dapd/dik/ra

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