Globaler Prozess

Auto-Entwicklung: So kam der Becherhalter nach Deutschland

Über den großen Teich: Komfortdetails wie der Cupholder kamen zumeist zuerst in amerikanischen Autos zum Einsatz bevor sie nach Europa schwappten. Foto: Peter Hetzmannseder/BMW/dpa-tmn
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Über den großen Teich: Komfortdetails wie der Cupholder kamen zumeist zuerst in amerikanischen Autos zum Einsatz bevor sie nach Europa schwappten. Foto: Peter Hetzmannseder/BMW/dpa-tmn
Interkulturelle Unterschiede: Bei den Farben im Innenraum wählen deutsche Kunden eher schwarze Einrichtungen während Chinesen helle Töne bevorzugen. Foto: Daimler AG/dpa-tmn
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Interkulturelle Unterschiede: Bei den Farben im Innenraum wählen deutsche Kunden eher schwarze Einrichtungen während Chinesen helle Töne bevorzugen. Foto: Daimler AG/dpa-tmn
"Allerweltsgeschmack": In der Regel setzen Autodesigner auf Entwürfe, die auf der ganzen Welt Anklang finden, regionale Unterschiede in der Ästhetik gibt es dennoch. Foto: BMW/dpa-tmn
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"Allerweltsgeschmack": In der Regel setzen Autodesigner auf Entwürfe, die auf der ganzen Welt Anklang finden, regionale Unterschiede in der Ästhetik gibt es dennoch. Foto: BMW/dpa-tmn
Deutsches Auto aus den USA: Der in South Carolina gebaute BMW X3 verfügt über die besonders in Amerika beliebten großen Ablagen für Flaschen und Kaffeebecher. Foto: Fred Rollison/BMW/dpa-tmn
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Deutsches Auto aus den USA: Der in South Carolina gebaute BMW X3 verfügt über die besonders in Amerika beliebten großen Ablagen für Flaschen und Kaffeebecher. Foto: Fred Rollison/BMW/dpa-tmn
Große Frontpartie, großer Kühlergrill und nach hinten abfallende Linien - dieses Design trifft den Geschmack der Kunden in China. Foto: Daimler AG/dpa-tmn
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Große Frontpartie, großer Kühlergrill und nach hinten abfallende Linien - dieses Design trifft den Geschmack der Kunden in China. Foto: Daimler AG/dpa-tmn
Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der International School of Design in Köln. Foto: Köln International School of Design/dpa-tmn
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Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der International School of Design in Köln. Foto: Köln International School of Design/dpa-tmn

Fahrzeuge werden längst nicht mehr für einen lokalen Markt entwickelt - sie entstehen weltweit. Der deutsche Autofahrer darf sich dabei vor allem über die Wünsche von Amerikanern freuen.

Köln (dpa/tmn) - Mit einem kühlen Getränk in der Mittelkonsole geht es über die Autobahn. Die Klimaanlage regelt die Temperatur. Moderne Autos bieten viel Komfort. Auch wenn europäische Autos auf dem alten Kontinent gebaut werden - viele Ideen stammen aus anderen Regionen.

"In manchen Ländern ist die Fahrzeugentwicklung weiter. In den USA legen Autofahrer im Schnitt deutlich mehr Kilometer zurück als in Deutschland, für sie ist das Auto ein zweites Zuhause", sagt Paolo Tumminelli, Designprofessor an der Technischen Hochschule Köln. "Meist sind es deshalb Komfortdetails, die zuerst in amerikanischen und später in europäischen Autos kommen." Dazu zählen unter anderem Becherhalter, Automatik-Getriebe, Zentralverriegelung, Servolenkung, Klimaanlage, Tempomat und elektrisch öffnende Heckklappen.

Der Geschmack der Amerikaner deckt sich immer mehr mit dem europäischen. "Es gibt kaum Fahrzeuge, die nur für lokale Märkte entwickelt werden. Jedoch einige, die nicht in den USA angeboten werden. Die Hersteller sparen sich damit einen Vertrieb und die oft aufwändigen Zulassungshürden", sagt Tumminelli. Welches Auto auf welchem Markt verkauft wird, habe aber nichts mit der Unternehmensgröße zu tun. So verkaufen kleinere Hersteller wie Lamborghini, Ferrari oder Aston Martin ihre Autos weltweit an.

Länder wie China oder die USA haben eine andere Ästhetik als Europa. In China habe der Drache eine besondere Bedeutung, sagt Prof. Tumminelli. "Deshalb erinnern auch entfernt Autos an ihn: große Frontpartie, großer Kühlergrill und nach hinten abfallende Linien, so dass das Auto schmaler wirkt." Nach deutschem Geschmack seien die Autos am Heck eher breiter. Europäer kultivieren eher den Mythos des sportlichen Autos. Während US-Kunden auf Geländewagen und SUVs setzen, bevorzugen chinesische Kunden Limousinen. Eine Gattung, die in Europa nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management an der Fachhochschule Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach sieht den Vorteil von global entwickelten Autos und Fahrzeug-Plattformen darin, dass hohe Stückzahlen möglich sind. Das reduziere die Entwicklungskosten pro Stück und so die Preise für den Kunden. "Wenn der Markt groß genug ist, wie in China, kann es sich für Hersteller lohnen, ein spezielles Fahrzeug dafür zu entwickeln."

Um den Geschmack und die Wünsche der Kunden in den Ländern zu erfassen, besitzen die meisten Hersteller sogenannte Car-Kliniken. Dort werden Kunden anhand von Fahrzeugbeispielen nach ihren Vorlieben gefragt. Amerikanische Kunden bevorzugen große Ablagen für Flaschen und Kaffeebecher. Kein Wunder also, dass BMW im neuen in South Carolina gebauten X3 Platz für 1,5-Liter-Flaschen integriert hat.

Aber noch etwas sei anders: "Europäische Kunden stellen ihre Fahrzeuge gerne individuell zusammen, Amerikaner wählen komplette Ausstattungspakete", sagt Bill Buckley, Projektleiter X3 bei BMW in Spartanburg. Während deutsche Autofahrer meist eine schwarze Innenausstattung wählen, greifen Amerikaner lieber zu Braun und Chinesen zu helleren Tönen. Wichtig bei den Kunden aus allen Ländern: "Die Haptik, die Optik und auch das Geräusch beim Zuschlagen der Türen muss hochwertig sein", sagt Bill Buckley.

Chinesische Kunden erwarten außerdem mehr Chrom, einen sichtbaren Auspuff und einen edlen Innenraum. "Im Grunde bauen wir Weltautos. Es gibt mittlerweile viele Übereinstimmungen in den Ländern", sagt Mercedes-Chef Dieter Zetsche. Die meisten Kunden verlangen im Premium-Segment Eigenschaften, die typischerweise dem Begriff "Made in Germany" zugeschrieben werden: hohe Qualität, Sicherheit, Wertbeständigkeit und Sportlichkeit.

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