ADAC-Werkstatt-Test 2012

Werkstatt-Test: Zehn Prozent fallen durch

München - Beim ADAC-Werkstatt-Test 2012 sind fast zehn Prozent der getesteten Reparaturbetriebe mit der Note mangelhaft durchgefallen. Es gibt aber auch Kritik an dem Test selbst.

Zu wenig Kühlwasser, ein kaputtes Kennzeichenlicht, fehlende Luft im Ersatzrad - das kann ein Autofahrer eigentlich sogar selber in Ordnung bringen. Doch in einer ganzen Reihe von Werkstätten wurden diese einfache Fehler nicht erkannt, wie der ADAC in seinem Werkstatttest 2012 feststellte.

Bundesweit nahmen die ADAC-Tester 75 Werkstätten unter die Lupe. Währen die 25 Vertragswerkstätten großer Autohersteller fast durchweg gute Noten bekamen, fielen bei den zu einer Kette sowie einem Werkstattsystem gehörenden freien Werkstätten sieben durch. Dafür waren die Preise bei den Vertragswerkstätten auch teilweise mehr als doppelt so hoch.

In Deutschland gibt es rund nach Angaben der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) rund 38 000 Werkstätten. Diese absolvierten jährlich mehr als 75 Millionen Service- und Wartungsaufträge, sagt der Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Ulrich Köster. Ein Test mit 75 Betrieben könne da nur Stichprobencharakter haben. „Es ist ein Momentaufnahme, die man sicher nicht pauschalisieren darf.“ Der ADAC sieht den Test selbst als Stichprobe, aber: „Man kann schon sehen, wo der Trend liegt“, sagt der Leiter der Fahrzeugtechnik in Landsberg, Markus Sippl.

Der ADAC-Test ist nicht der einzige Versuch, die Qualität von Werkstätten zu erfassen. Beim DAT-Report 2012 wurden gut 1600 Autofahrer befragt. Sie bewerteten ihre KfZ-Betriebe mit einer Durchschnittsnote von 1,61 - noch etwas besser als im Vorjahr.

Auch die Umfrage „Werkstatt des Vertrauens“ erfasst die Qualität von Werkstätten. Jedes Jahr wählen Kunden ihre favorisierte Werkstatte - zehntausende Stimmen seien eingegangen, sagt der Präsident des Bundesverbands freier KFZ-Mehrmarkenwerkstätten, Manfred Kaufhold, der etwa 800 Betriebe vertritt. „Dieser ADAC-Test hinkt an allen Ecken und Enden“, sagt er. „Die freien Werkstätten sind wirklich gut und das Ergebnis täuscht.“ Freie Werkstätten, die weder einer Kette noch einem Werkstattsystem angehören, wurden vom ADAC nicht untersucht. „Der Test schert alle über eine Kamm - das ist nicht fair“, kritisiert Kaufhold. „Der ADAC hat die Macht, so etwas zu tun.“

Der ADAC hatte für den Test 75 Mitglieder mit ihren Autos zum Service in Werkstätten geschickt. Davor wurden die Wagen mit fünf Mängeln präpariert: Neben defekter Kennzeichenleuchte, dem Ersatzrad mit zu wenig Reifendruck und dem niedrigen Kühlmittelstand wurden das Scheinwerferlicht verstellt und ein Auspufftopf ausgehängt.

Pro gefundenen Fehler gab es 12 Punkte, insgesamt also 60 Punkte. Zudem vergab der ADAC bis zu 40 Punkte für den Service - die Beurteilung stammt aus Befragungen der Test-Kunden. Punktabzug gab für wichtige fehlende Serviceleistungen oder Zusatzarbeiten ohne Auftrag. Teils wurden dem Autofahrer Dinge in Rechnung gestellt, die er gar nicht haben wollte - und die in ihrer Wirkung umstritten sind, etwa eine Motor-Innenreinigung für 21 Euro. „Das finden wir ganz schlimm“, sagt Sippl. In neun Fällen seien angeblich die Scheibenwaschanlagen aufgefüllt worden - dabei waren diese vor dem Test extra randvoll gemacht worden.

„WHT002793 Unbekannt“, „IR-Filter Aktivkohle“ oder „SHBN WASCHMIT“: Fachausdrücke oder Abkürzungen auf den Rechnungen waren ein weiterer Kritikpunkt. „Da weiß kein Mensch, was das soll“, sagt ADAC-Sprecher Christian Buric. Als einer der ältesten Fehler seit Start der Werkstatt-Tests vor 42 Jahren hält sich hartnäckig, dass auf Wartungslisten abgehakt, aber gar nicht kontrolliert wird. Gerade die Werkstatt-Ketten hätten zudem manchmal gar nicht die richtige Liste für das Fahrzeug, das Baujahr und die Laufleistung verwendet.

Der Werkstatttest zählt neben dem Reifentest zu den ältesten ADAC-Tests - heute untersucht der Autoclub auch eher autofremde Dinge abseits des Asphalts von der Rodelbahn über die Skipiste bis zum Badesee. Der Werkstatt kann der Autofahrer auch selbst auf den Zahn fühlen. Wer ganz skeptisch ist, kann manchen Test-Fehler des ADAC nachmachen. Niemand solle aber sicherheitsrelevante Teile manipulieren, warnt Buric. Ein Glühlämpchen an der Kennzeichen-Beleuchtung herausschrauben könne freilich jeder. „Man kann das mal machen, um zu sehen: Wird hier gearbeitet?“

dpa

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