Der Wunsch, zu alt für diesen Stress zu sein

chili-Autorin Linda.

Nürnberg - Nein, ich bin kein Party-Typ. Nicht zu haben für große Feiern mit vielen Leuten. Ich habe mich immer davor gedrückt. Letzten Samstag war das anders.

Meine beste Freundin feierte ihren Geburtstag, was soll man da schon machen. Wie ich befürchtet hatte, war es verdammt voll. Gefühlte 100 Personen stapelten sich wie Sardinen in der Wohnung. Körperkontakt vorprogrammiert. An jeder Ecke traf ich jemanden, überall gab es eine andere Gruppierung, die sich was Spannendes erzählte. Auf meinem Streifzug durch die Räume hatte ich die Wahl zwischen den Gitarren-Emos, den Singstar-Spielern und denen, die in der dunklen Ecke komische Sachen rauchten. Ich zog den Hausflur vor, denn da gibt es immer die interessantesten zwischenmenschlichen Begebenheiten. Und ich musste nicht lange warten: Janine betrat die Szene; eine dünne, blonde, hübsche junge Frau, der die Männer zu Füßen liegen. Seit ein paar Wochen besonders ein großer, tätowierter, ziemlich schicker Typ namens Georg. Meine Enttäuschung, dass auch solche Männer sich Frauen wie Janine suchen, war groß.

Georg platzte genau in den Monolog eines Kollegen, den ich schon dreimal mit exakt demselben Wortlaut gehört hatte. „Weißte!“, sprach mein Kollege seit nunmehr einer Woche, „Frauen sind der Beweis dafür, dass es Gott gibt.“ An dieser Stelle machte er immer eine überlange Pause. „Und dass er einen verdammt schwarzen Humor hat!“. Ich weiß nicht, aus welchem Jamba-Proleten-Paket er sich diesen Spruch geklaut hat. Es folgte eine Ausführung, die besagte, niemand könne Frauen verstehen, wir seien einfach ein Fehlschlag der Natur. So viel Dummheit und Plattitüden auf einem Haufen sind schwer zu ertragen, und es war Georg, der sich auf der Stelle von diesen Sprüchen gereizt zeigte. Es entbrannte eine hitzige Diskussion, Georg ließ den erwachsenen Mann raushängen. Er wäre zu alt, um sich über jede Kleinigkeit zu streiten. Man müsse die Richtige finden, sagte er, bei ihr wäre das alles anders. Kein Rumgezicke und so weiter. Mein Kollege verschwand, Georg rauchte. Und ein paar Minuten später stand er knutschend mit Janine im Treppenhaus, und sie sagten sich leise irgendwelche Dinge ins Ohr. Wie naiv er war – und wie neidisch ich war. Aber plötzlich tat sich ein Gefühl vollkommener Zufriedenheit in mir auf. Die beiden gerieten in Streit. Gerade fünf Minuten nach Georgs flammendem Vortrag. Janine wollte in eine Karaokebar, aber nicht ohne Georg. Der wollte aber nicht. „Darüber willst Du doch jetzt nicht ernsthaft mit mir streiten?!“, sagte er. „Doch!“, entgegnete Janine zickig und lief die Treppe runter. Georgs verunsicherter Blick war ein Bild für die Götter. Da lief sie dahin, seine „Richtige“, die kleine blonde Zicke, die ihren Willen durchsetzen wollte, „bei der alles anders“ war. Ich presste mir die Hand auf den Mund, um nichts zu sagen, und verfolgte ihn nur mit spöttischen Blicken, während er hastig seine Zigarette ausdrückte und ihr nachstolperte.

Linda Remer (23 Jahre) aus Nürnberg

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