Gegen Artikel 13 

Für ein freies Internet - Wikipedia schaltet ab

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Anstelle der normalen Wikipedia-Seite, erscheint dieser Appell an den Suchenden: „Dies ist unsere letzte Chance“.

Wer ein Wort nicht kennt, der googelt es. Meistens ist der erste Eintrag, der dann erscheint einer von Wikipedia. Doch am Donnerstag bleibt die Suche vergebens: Die Webseite schaltet sich an diesem Tag für 24 Stunden ab.

„Das ist unsere letzte Chance.“ Diese eindringlichen Worte erwarten mich und jeden anderen heutigen Besucher der Wikipedia-Seite, als sich die Webseite öffnet. Zuerst stutze ich etwas, eigentlich wollte ich doch nur wissen, wann die Sommerzeit beginnt. Doch dann erinnere ich mich: Heute, am 21. März, bleibt die deutschsprachige Ausgabe der Online-Enzyklopädie für 24 Stunden komplett abgeschaltet. Damit wollen die Autoren ein Zeichen gegen die Einführung des Artikels 13 setzen.

Bedeutet für uns: Kein freies Wikipedia-Wissen für einen Tag. Ich erinnere mich noch gut daran, als wir unser modernes Lexikon in zwanzig Bänden mit den Worten: „Jetzt gibt es ja mittlerweile Wikipedia“ verkauft haben. Heute vermisse ich die völlig zugestaubte Buchreihe ganz oben auf dem Regal fast. Das freie Wissen, das wir auf Seiten wie Wikipedia finden, scheint völlig selbstverständlich geworden zu sein. So sehr, dass sich niemand mehr Gedanken darum macht, was wäre, wenn uns dieses Wissen nicht mehr zur Verfügung stünde. Diese Realität wird uns nun aufgezeigt. Wenn sich das Gesetz durchsetzt müssten „selbst kleinste Internetplattformen Urheberrechtsverletzungen ihrer Userinnen und User präventiv unterbinden (Artikel 13), was in der Praxis nur mittels fehler- und missbrauchsanfälliger Upload-Filter umsetzbar wäre“. So heißt es in dem Text, der am Donnerstag auf der Wikipedia-Seite veröffentlicht wurde. Auch wenn Wikipedia selbst nicht von dem Gesetzesentwurf betrofffen ist, schließt es sich dem Protest an, denn: „das Freie Wissen wird selbst dann leiden, wenn Wikipedia eine Oase in der gefilterten Wüste des Internets bleibt“, heißt es weiter. 

Auch die Webseite „Teilzeithelden“ schließt sich dem Protest an. 

Doch nicht nur Wikipedia schließt seine Webseite für einen Tag: Viele andere schließen sich dem Protest gegen Artikel 13 an. Auf jeder beteiligten Seite erscheint ein Artikel, oder vielmehr ein Appell an den Nutzer, zu handeln und aktiv zu werden. 

Auf der Website „Teilzeithelden“ finden sich unter anderem Vorschläge, wie jeder gegen die Einführung der umstrittenen Artikel vorgehen könnte. Unter anderem schlägt die Webseite vor auf Demos zu gehen, die verlinkte Petition zu unterschreiben oder am 26. Mai wählen zu gehen. An diesem Tag finden die Europa-Wahlen statt. 

Also eins steht für mich fest: Eine neue 20-bändige Lexikonreihe werde ich mir nicht wieder anschaffen. So viel Platz hab ich auch gar nicht mehr im Regal. Lieber unterschreibe ich die Petition und setze mich dafür ein, dass das Internet, so wie wir es kennen, erhalten bleibt. Aber was denkt ihr dazu?

Weitere Informationen zu Artikel 13 gibt es in diesem Artikel: Wikipedia ist heute in ganz Deutschland offline - das ist der Grund

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