"Es ist wie Snowboarden - nur auf dem Wasser"

Steffen Vollert ist 22 Jahre alt und begeisterter Wakeboarder.

Aura - Deutscher Meister war er schon drei Mal. Mit 15 Jahren gewann er die Europameisterschaft. Und seitdem fährt er bei allen möglichen hochrangigen Turnieren ganz vorne mit. Steffen Vollert gilt als einer der besten Wakeboarder Deutschlands, Europas, wahrscheinlich sogar der Welt.

Was ist Wakeboarden eigentlich? „Sowas wie Snowboarden auf dem Wasser“, erklärt Steffen. Die Sportler gleiten mit ihrem Board über das Wasser, werden dabei von einer Seilbahn oder einem Boot gezogen und zeigen atemberaubende Tricks. Faszinierend für Zuschauer – „aber selbst auf dem Board zu stehen ist einfach unbeschreiblich“, schwärmt Steffen. „Kennst Du dieses Feeling, wenn Du was tust, das Dich berauscht und vollkommen glücklich macht? Wenn ich auf dem Wakeboard stehe, erlebe ich diesen Flow. Das ist grandios!“

Steffen hat schon im Alter von fünf Jahren mit Wasserskilaufen angefangen. Mit zwölf stand er das erste Mal auf einem Wakeboard. „Damals hat mein Vater meinen Bruder und mich von der Schule abgeholt und uns gesagt, dass wir heute was Besonderes machen“, erinnert sich Steffen. „Ihm hat es viel bedeutet, dass wir diesen Sport ausprobieren, weil er als Jugendlicher selbst zum Spaß Wakeboard gefahren ist. Und nach zwei Versuchen habe ich dann tatsächlich eine Runde auf dem Wakeboard geschafft und war Feuer und Flamme für den Sport.“

Seit diesem Tag hat der 22-Jährige aus Aura an der Saale (Unterfranken) unzählige Stunden auf dem Board gestanden und geübt, geübt und noch mehr geübt. Denn neben einem gewissen Talent ist hartes Training unverzichtbar. „Ich versuche, jeden Tag an den See zu kommen. Das klappt nicht immer, aber wenn ich trainiere, dann zwei, drei Stunden am Stück. Da schalte ich richtig ab und vergesse alles um mich rum.“

Wakeboarden ist stark wetterabhängig, sodass Steffens Training im Winter zu großen Teilen aus Kraft-, Ausdauer- und Koordinationsübungen besteht. Bisher hatte der 22-Jährige im Winter nie die Gelegenheit, im Warmen zu trainieren, dieses Jahr wird sich das ändern: „Ich bin zurzeit in der Sportförderung der Bundeswehr, und da gibt es die Möglichkeit wegzufliegen, auf die Philippinen, nach Orlando/Florida oder Südafrika“, erzählt er begeistert.

Wie lange muss man ungefähr üben, bis man halbwegs Kontrolle über das Board hat? „Gar nicht so lange“, meint Steffen. „So nach einer Stunde schafft man eine Runde, und nach einer Woche dann die ersten kleinen Tricks.“

Er selbst beherrscht mittlerweile eine Riesenpalette an Moves. Dass ihm so schnell kaum jemand auf dem Wakeboard was vormachen kann, beweist er das Jahr über auf verschiedenen Wettkämpfen, dieses Jahr war er bei 15 dabei, „nächstes Jahr will ich versuchen, bei allen, die angeboten werden, mitzufahren.“

An seinen ersten Wettkampf kann sich Steffen noch gut erinnern: „Das war die ,German Wakeboard Tour 2002’. Ich habe nicht sehr erfolgreich abgeschnitten, und es hat die ganze Zeit geregnet.“ Nervös, sagt der Profi, sei er auch heute noch vor Auftritten: „Ich bin den ganzen Wettkampftag über aufgeregt, am schlimmsten ist es ganz kurz vorm Start. Aber in dem Moment, wenn ich die Hantel in die Hand nehme und kurz darauf das Board das Wasser berührt, ist alles vorbei. Da schalte ich den Kopf aus und wakeboarde einfach!“ Die Zuschauer um ihn herum nimmt Steffen dann nicht mehr richtig wahr. In diesen Minuten zählen nur das Wasser und das Wakeboard. Mit ungefähr 30 Stundenkilometer fährt er auf seinem Board, bei der Anfahrt für die Tricks kommt er auf 45 Stundenkilometer.

Schlimm verletzt hat Steffen sich noch nie: „Ich bin bisher immer mit Prellungen und kleinen Wehwehchen davongekommen.“ Zum Schutz tragen alle Wakeboarder einen Helm. Die restlichen Klamotten sind bunt und stylisch.

Für Anfänger ist der Sport erst mal nicht ganz billig, denn nicht nur die Kleidung, sondern auch das Board kostet ja Geld. „Das Wakeboard selbst bekommt man so für 250 bis 500 Euro, die Bindung für 200 bis 450 Euro“, sagt Steffen. Er selbst finanziert sich seinen Sport mit Preisgeldern von gewonnenen Turnieren, mit Sponsorenverträgen, und nebenbei geht Steffen noch etwas arbeiten.

Einen Namen hat Steffen seinem Board zwar nicht gegeben, aber „ich streichel es manchmal“, grinst er.

Nicht nur seine Familie, auch seine Freunde teilen die Leidenschaft fürs Wakeboarden: „Sogar meine Freundin ist Wakeboarderin, darüber freue ich mich sehr.“

Kommen Wakeboarder besser bei Mädels an? „Kann ich nicht genau sagen. Aber kann gut sein“, grinst Steffen. Vermutlich vor allem bei Mädchen, die auf verrückte Aktionen stehen. Und darin ist Steffen groß: Letzten Sommer ist er zum Beispiel im Hamburger Hafen zusammen mit einem Freund mit Hilfe eines Jetboots und einer Sprungschanze auf dem Wakeboard über ein Touristenboot gesprungen. „Das Ganze war ziemlich spontan“, erinnert sich Steffen, „ich hatte den ersten Versuch, wusste nicht, ob es klappt und war total aufgeregt. Es hätte auch ganz schön ins Auge gehen können. Mein Freund hat sich am Anfang etwas verletzt, aber nach ein paar Versuchen hat es bei uns beiden geklappt. Es war echt der Wahnsinn! Bei den Zuschauern kam es auch sehr gut an, vielleicht machen wir sowas nächstes Jahr noch mal.“ Über diese Aktion wurde in verschiedenen Zeitungen berichtet, aber in Wakeboard-Kreisen ist Steffen nicht erst seitdem sehr bekannt. „Allgemein hält sich der Rummel aber in Grenzen. Es gibt vier bis fünf Wettkämpfe im Jahr, auf denen es richtig abgeht. Zwischen den einzelnen Läufen werden Interviews geführt, das ist schon ganz witzig. Toll war auch, als ich in der Woche vor den ,Extreme Playgrounds’ in Hamburg mit nach Berlin zu MTV fahren und dort das Event promoten durfte, das habe ich schon genossen. Danach haben mich fremde Leute erkannt und angesprochen.“

Auch die Bekanntheit des Sports wird immer größer. Zu Recht, findet Steffen natürlich: „Ich kann jedem nur empfehlen, Wakeboarden mal auszuprobieren. Es macht riesigen Spaß, und selbst, wenn man anfangs reinfällt, tut es nicht weh, schließlich ist es Wasser.“ Mittlerweile gibt es 60 Anlagen in Deutschland, an denen man den Sport ausprobieren kann. „Mitbringen sollte man etwas Balancegefühl und am besten Freunde“, rät Steffen. „Denn zusammen macht’s am meisten Spaß, da kann man sich gegenseitig anfeuern.“

Neben jeder Menge Spaß macht Wakeboarden übrigens auch noch fit. „Wenn ich so zum Spaß fahre, merke ich die Anstrengung kaum. Aber generell bringt es mehr, als ins Fitnessstudio zu gehen – vor allem macht es viel mehr Freude!“ Allein vom Wakeboarden zu leben „wäre wohl möglich“, glaubt der 22-Jährige, „aber mit einem großen Risiko verbunden.“ Steffen selbst hat die Schule ganz normal fertiggemacht, seine Ausbildung erfolgreich beendet und ein Jahr in diesem Beruf gearbeitet. Was nach seiner Zeit bei der Bundeswehr kommt, weiß er noch nicht genau. Was Steffen aber ganz sicher weiß, ist, dass Wakeboarden immer eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen wird. Es ganz aufzugeben kann sich der 22-Jährige nicht vorstellen, denn „Wakeboarden ist einfach genial!“.

Von Katrin Roßmann (21 Jahre) aus Cluvenhagen

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