Weniger Fleisch, mehr Genuss

Katrin Roßmann (23 Jahre) aus Cluvenhagen

„Fleisch frisst Land“ – als ich den Titel dieser Studie gelesen habe, bin ich gedanklich sofort in Abwehrhaltung gegangen. Ich stellte mich darauf ein, als egoistische Mörderin ohne Gewissen bezeichnet zu werden. In Diskussionen zum Thema Fleisch holen Vegetarier oft die Moral-Argumente hervor, und alle Fleischesser stehen plötzlich doof da.

Umso überraschter war ich, als ich mir die Studie der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) genauer ansah. Ich las keine Anklageschrift samt Fleischverbot, sondern bekam einen interessanten und recht überzeugenden Einblick in die Folgen von zu hohem Fleischkonsum – ohne moralische Keule.

Worum geht’s genau? Laut WWF isst jeder Deutsche rund 60 Kilo Fleisch pro Jahr – definitiv zu viel, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und empfiehlt, die Menge um die Hälfte zu reduzieren. Aufgepasst: Reduktion statt kompletter Verzicht! Zu viel Fleisch sei ungesund, weil es zum Beispiel das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs oder Diabetes Typ II erhöhen kann.

Aber in der Studie „Fleisch frisst Land“ des WWF geht es in erster Linie um einen anderen Aspekt: die landwirtschaftliche Fläche, die nötig ist, um der Deutschen Lust und Hunger auf Fleisch zu stillen. Das Problem auf den Punkt gebracht: Ein hoher Fleischkonsum bedarf großer Weide- und Ackerflächen. Die Tiere müssen, bis sie geschlachtet werden, nicht nur irgendwo stehen, sondern auch jede Menge fressen. Der WWF gibt an, dass für den Fleischkonsum der Deutschen eine Ackerfläche von der Größe Österreichs nötig sei. Aber wie jeder weiß, wird Österreich nicht als Futterquelle für deutsche Schweine, Kühe und Co. verwendet. Stattdessen kommen etwa 75 Prozent des Sojas, das die Vierbeiner fressen, aus Südamerika. Und dort werden, um Platz zu schaffen, Regenwälder gerodet. Die Folge ist eine Bedrohung der Artenvielfalt und des Klimas.

Die nächste Frage: Warum nutzen wir so viel Fläche für Tierfutter, wenn so viele Menschen auf der Welt hungern müssen – sollten wir nicht besser direkt „Futter“ für die Menschen anbauen? Um die Problematik deutlich zu machen, nennt der WWF einige Zahlen: Rund 1.000 Quadratmeter Fläche wird im Schnitt für den jährlichen Fleischverbrauch eines jeden Deutschen benötigt, für den Verzehr von Kartoffeln sind es nur 15 Quadratmeter.

Noch anschaulicher wird es, wenn man die benötigte Fläche für einzelne Gerichte berechnet. Ein Beispiel: Für einen Hamburger mit 100 Gramm Rindfleisch, Pommes und Salat bedarf es 3,61 Quadratmeter; 94 Prozent der Fläche sind nötig, um das Rind zu ernähren. Zum Vergleich: Eine Portion Spaghetti mit Tomatensoße benötigt nur 0,46 Quadratmeter Fläche.

Genug Zahlen. Was kann man machen? „Auf Fleisch verzichten!“, werden alle Vegetarier rufen. Der WWF sagt: „Fleisch bewusster konsumieren!“ Soll heißen: Weniger und besseres Fleisch. Und genau so sehe ich das auch. Ganz auf Fleisch verzichten kann ich nicht. Will ich auch gar nicht! Dafür liebe ich zum Beispiel das sommerliche Grillen zu sehr. Und was wäre Heiligabend ohne Kartoffelsalat und Würstchen? Aber ich bin auch kein Fleischfanatiker. In der Mensa meiner Uni entscheide ich mich meist für die fleischlose Alternative, und mein Brötchen esse ich lieber mit Käse als mit Wurst. Und trotzdem habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn es mal ein Stück Fleisch gibt. Im Gegenteil: Wenn ich Fleisch nur bewusst und zu schönen Anlässen esse, dann kann ich es auch richtig genießen.

Katrin Roßmann (23 Jahre) aus Cluvenhagen

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